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20 Jahre Engagement für Brandenburg - Platzeck verleiht höchste Auszeichnung des Landes

veröffentlicht am 14.06.2010

Ministerpräsident Matthias Platzeck hat heute zum sechsten Mal anlässlich des brandenburgischen Verfassungstages den Verdienstorden des Landes an Bürgerinnen und Bürger überreicht. Bei der Zeremonie in der Potsdamer Staatskanzlei betonte Platzeck: „Der 20. Geburtstag des Landes Brandenburg in diesem Jahr bietet eine gute Gelegenheit, Frauen und Männer zu würdigen, deren Biografien eng mit den Erfolgen aus zwei Jahrzehnten verknüpft sind. Wir haben viele Gründe, voller Selbstbewusstsein auf unsere Bilanz zu blicken. Das verdanken wir auch den heute Geehrten, die Vorbilder sind, jede und jeder auf eine ganz eigene Weise.“

Die Auszeichnung erhielten Brandenburger Frauen und Männer der ersten Stunde, die seit 1990 in den verschiedensten Bereichen einen enormen Wandel im Land mit vorangebracht haben, sagte Platzeck. Der Dank gelte aber auch Aufbauhelfern aus den alten Bundesländern, die nach Brandenburg kamen, um die neuen Strukturen in Verwaltung und Justiz, Wissenschaft, Forschung oder Kultur zum Laufen zu bringen. Platzeck: „So unterschiedlich die Lebenswege der Geehrten auch sind, eine wichtige Gemeinsamkeit verbindet sie: Sie alle haben sich in und für Brandenburg verdient gemacht. Sie erhalten den Landesorden für ihren Mut und ihre Menschlichkeit. Sie werden geehrt, weil sie nicht zusehen, sondern hinsehen, weil sie in schwierigen Zeiten nicht hadern, sondern handeln.“

Geehrt wurden in diesem Jahr:

Thomas Wernicke aus Michendorf hat sich große Verdienste um seinen Geburtsort Potsdam erworben. Er engagierte sich zunächst im Neuen Forum und als Stadtverordneter, später als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte. Seit 1989 setzte er sich dafür ein, dass das ehemalige Stasi-Gefängnis in der Lindenstraße 54/55 zu einer Stätte der Erinnerung und des Lernens wurde. An diesem authentischen Ort sind Gefängniszellen und Gedächtnisprotokolle für die Nachwelt erhalten: Einzelschicksale, die viel über eine ganze Gesellschaft erzählen. Mit seiner Arbeit hat er ein wichtiges Stück Zeitgeschichte aus dem Dunkeln ans Licht gebracht und mitgeholfen, diesen Teil der Vergangenheit im Bewusstsein zu halten.

Dr. Herbert Schnoor gehörte als Innenminister von Nordrhein-Westfalen zu den ersten, die Brandenburg bei der Neugründung 1990 mit Rat und vor allem mit Tat zur Seite standen. So organisierte er zunächst in seiner Heimat Spenden und den Transport wichtiger Güter wie medizinischer Hilfsmittel nach Brandenburg. Unvergessen ist auch sein Engagement beim Neuaufbau der Brandenburger Verwaltung. Er schuf ein Netzwerk der Partnerschaften mit Nordrhein-Westfalen und half damit vielen: den frisch gewählten Landräten und Bürgermeistern, jungen Polizisten und Verwaltungsbeamten, aber auch Älteren, die Orientierung suchten. Er war Mentor und guter Freund der Mark. Inzwischen ist er seit vielen Jahren Brandenburger mit Herz und Seele und lebt heute in Werder/Havel.

Günther Pietzsch aus Schipkau/Ortsteil Klettwitz setzt sich seit Jahrzehnten mit außergewöhnlichem Engagement für seine Heimatregion, die Niederlausitz, ein. Der Omnibusunternehmer hilft nicht nur bei der Optimierung des Nahverkehrs und der touristischen Aufwertung der Region. Er ist auch als Unterstützer und Förderer unterwegs, wenn es um Klassenfahrten oder Verkehrserziehung geht. Die ehrenamtliche Kinder- und Jugendarbeit liegt ihm ebenso am Herzen wie das kulturelle Leben. Und er macht sich stark für Menschen, die es etwas schwerer haben im Leben: Seit 1991 befördert er in Eigeninitiative geistig behinderte Schüler der „Hand in Hand“- Förderschule in Senftenberg.

Maria Pichottka aus Havelsee/Ortsteil Briest engagiert sich für die Belange der Migrantinnen und Migranten in Brandenburg. Ihr Name steht für Offenheit, Toleranz und Integrationsdialog. Durch den persönlichen Einsatz der gebürtigen Ungarin wurden viele wichtige Einrichtungen wie die Ausländerbeiräte gegründet. Heute ist sie Ehrenvorsitzende des Dachverbandes für alle Migrantenorganisationen im Land. Sie war Mitinitiatorin des Brandenburger Migranten-Treffens, einer landesweiten Plattform zur Vernetzung der regionalen Organisationen. Sie bringt Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander ins Gespräch, baut Blockaden ab und baut Brücken auf. Für ihre Ideen erfuhr sie auch bundesweit viel Aufmerksamkeit.


Friedwart Neue aus Rabenstein/Ortsteil Raben im Fläming hat sich um den Erhalt historischer Bauten und die Bewahrung der Naturschönheiten in seiner Heimat verdient gemacht. Als Bürgermeister von Raben und später als Mitarbeiter des Niemegker Bauamtes widmete er sich maßgeblich der Rettung und Restaurierung der Burg Rabenstein, der Dorfkirche Raben und mehrerer historischer Vierseitenhöfe. Auch durch seinen Einsatz erhielt Raben 1997 die Auszeichnung „Schönstes und aktivstes Dorf“. Um die Menschen in seinem Umfeld kümmert er sich ebenfalls: seit 1990 um den Nachwuchs der Jugendfeuerwehr oder um Senioren, die Hilfe brauchen.

Henry Maske aus Overath setzt sich seit mehr als zehn Jahren im sozialen Bereich für Kinder und Jugendliche ein. Der Ausnahmeboxer, der in seiner aktiven Zeit viele nationale und internationale Erfolge verbuchen konnte, nutzt dabei auch seine Prominenz, um anderen zu helfen. So unterstützt der gebürtige Treuenbrietzener eine Vielzahl von Hilfsprojekten. 1999 gründete er eine eigene Stiftung. „A Place for Kids“ fördert auch Brandenburger Mädchen und Jungen durch Bildungs-, Sport- und Freizeitangebote, durch Zuhören und Mutmachen. Das reicht von der Lernwerkstatt für benachteiligte, vom Schulbetrieb ausgeschlossene Jugendliche in Gerswalde bis zur „PerspektivFabrik“ in Mötzow am Beetzsee.

Charlotte Kroll und Ilse Heinrich aus Berlin engagieren sich ehrenamtlich als Zeitzeugen und erinnern an die Schrecken der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Beide Frauen waren im KZ Ravensbrück inhaftiert. Heute stellen sie sich ungeachtet ihres mittlerweile hohen Alters immer wieder ihren schlimmen Erinnerungen, um die nachwachsende Generation an die wichtigsten Werte im Leben zu erinnern: an Menschlichkeit, an gegenseitige Achtung und Solidarität, an aktives Eintreten für die Demokratie. Kein Lehrbuch könnte das so eindrucksvoll vermitteln wie ihre Gespräche mit Jugendlichen bei den „Begegnungstagen in Ravensbrück“ der Landtage Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie bei vielen anderen Veranstaltungen.

Erwin Kowalke aus Buckow-Märkische Schweiz hat seit seinem 22. Lebensjahr zahllosen Opfern des Zweiten Weltkrieges – ungeachtet ihrer Nationalität – als so genannter Umbetter die letzte Ruhe ermöglicht. Zugleich konnte er durch Nachforschungen Hinterbliebenen oftmals nach Jahrzehnten der Ungewissheit Auskunft über das Schicksal ihrer Angehörigen geben. Seine Aufgabe verstand er nicht als Beruf, sondern als Berufung. So kämpfte er auch um die Würde der Toten, als in den 1960er Jahren die DDR-Behörden Umbettungen verboten. Heimlich führte er die Arbeit weiter und nahm dabei große persönliche Risiken in Kauf. Selbst im Ruhestand engagiert er sich noch ehrenamtlich für sein Lebenswerk, der „Versöhnung über den Gräbern“.

Sieglinde Knudsen aus Prenzlau engagiert sich in der Uckermark seit rund zwei Jahrzehnten in der Kinder-, Jugend-, Frauen- und Familienarbeit. Im September 1991 eröffnete sie die erste Frauenberatungsstelle. Heute haben 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der „IG Frauen“ eine Festanstellung. Die Aufgaben sind breit gefächert: Jugendarbeit, Beratung, Betreuung, Vor- und Nachsorge bei Familienkrisen gehören zum Arbeitsalltag. Mit ihrem großen persönlichen Einsatz hat sie auch viele Ehrenamtliche dazu gebracht, ihrem Vorbild zu folgen.

Dr. Sokratis Giapapas aus Schwarzheide hat sich um die Chemie- und Kunststoffindustrie Brandenburgs verdient gemacht. Der erste Leiter der Niederlassung der Fränkischen Rohrwerke GmbH & Co. KG in Schwarzheide hat nicht nur dieses mittelständische Unternehmen zu einem Aushängeschild des Zweiges in Brandenburg gemacht. Maßgeblich hat er dazu beigetragen, dass durch bessere Vernetzung, mehr Kommunikation unter Experten und Technologietransfer die gesamte Branche profitierte. Auch nach der Übergabe des Staffelstabs als Werkleiter ist er weiter aktiv, etwa als Spender und Stifter städtischer Vereine, im Beirat der Fachhochschule Lausitz oder beim Beschäftigungspakt „ALTERnativen in der Lausitz“. Somit ist er im besten Sinne ein „Botschafter 50plus“

Dr. Hinrich Enderlein aus Kleinmachnow hat in Brandenburg prägende Spuren in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Kultur hinterlassen. Als Fachminister wurden unter seiner Regie ein neues Hochschulsystem geschaffen, Universitäten und Fachhochschulen gegründet. Besondere Verdienste hat er sich um das Musikleben erworben. In seine Amtszeit fiel das erste Landesmusikschulgesetz in Deutschland. Auch als Vorsitzender des Landesverbandes der Musikschulen brachte er viele Projekte mit auf den Weg, darunter den Wettbewerb „Jugend musiziert“ oder die Landesmusikschultage. Hauptberuflich und im Ehrenamt waren für ihn Zusammenarbeit und Zusammenwachsen von Ost und West stets wichtige Themen. Exemplarisch hierfür steht das Projekt DeutschlandRadio, für dessen Gelingen er sich als Vorsitztender des Hörfunkrates einsetze.

Werner Bader aus Kleßen-Görne/Ortsteil Görne hat mit vielen kreativen Projekten dazu beigetragen, brandenburgische Kultur und Geschichte zu bewahren und über die Grenzen des Landes hinauszutragen. So wurde unter seiner Regie in Ribbeck der „Deutsche Birnengarten“ angelegt. Dort pflanzten in Anlehnung an Theodor Fontanes Gedicht „Herr Ribbeck zu Ribbeck im Havelland“ alle 16 Bundesländer einen Birnenbaum, deren Früchte an die Kinder im Havelland verteilt werden sollen. Seit 2003 ist er Vorsitzender des Kulturvereins Mark Brandenburg und hat seitdem mit neuen Ideen viele Menschen in und für Brandenburg begeistert. Er verfasste Bücher, Texte und Broschüren über Brandenburger Persönlichkeiten, darunter über Gustav Büchsenschütz, dem Autor des Liedes „Steige hoch, du roter Adler“.

Medien haben die Möglichkeit, Fotos von der Auszeichnungsveranstaltung hier kostenlos herunterzuladen und für die Berichterstattung zu nutzen.