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Platzeck: EU-Erweiterung birgt für Mittelstand großes Entwicklungspotenzial – Rede auf dem ALBA-Forum

veröffentlicht am 04.06.2003

Ministerpräsident Matthias Platzeck hat den brandenburgischen Mittelstand bestärkt, die der EU-Osterweiterung innewohnenden Entwicklungspotenziale auch wirklich zu ergreifen. Auf dem ALBA-Forum am Mittwoch in Potsdam sagte Platzeck, das vorhandene Know-how, „gepaart mit einer guten Portion Kreativität“, biete gute Voraussetzungen, die sich ergebenden Chancen zu nutzen. Während Platzeck für den Stahl- und Chemiebereich vor allem Großunternehmen im Rennen sieht, rechnet er beispielsweise bei der Umwelttechnik mit erheblichen Möglichkeiten für Brandenburger Mittelständler.

Platzeck: „Brandenburgische Unternehmen haben im Zuge der Sanierung unserer eigenen Großfeuerungsanlagen wertvolle Erfahrungen gemacht. In Zusammenarbeit mit den Hochschulen und durch politische Unterstützung wurde eine beachtliche Kompetenz erreicht. Dasselbe gilt für die Altlastensanierung auf Gewerbeflächen. Als Anbieter technischer Hilfsmittel aber auch als Beratungsdienstleister für komplexe Lösungen auf dem Gebiet des Umweltmanagements sehe ich auch mittelständische Unternehmen aus Brandenburg voll wettbewerbsfähig. Für den Wasserversorgungs- und den Abwasserentsorgungsbereich gibt es besonders für die ostdeutschen Umweltunternehmen auf Grund ihrer Erfahrungen bei der Ertüchtigung der Wasserwirtschaft seit 1990 gute Ansatzpunkte.“

Platzeck sieht Entwicklungspotenziale für den Mittelstand auch in unternehmensberatenden Diensten, wie Rechts- und Steuerberatung. Hier könne der polnische Markt das Nachfragepotential nicht abdecken, da bislang das dortige Rechtssystem in weiten Teilen noch nicht mit dem der Europäischen Union im Einklang stehe. Gute Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit von Unternehmen bestehen nach Einschätzung des Ministerpräsidenten auch in der Textil- und Bekleidungsindustrie, der Holzverarbeitung sowie der Hochtechnologie, bei Mikroelektronik, Informations- und Biotechnologie. Diese böten aufgrund von komplementär gelagerten Produktionen dies- und jenseits der Grenze beste Vorrausetzungen.

Platzeck sieht selbst für Branchen, die wie das Baugewerbe mit verstärkter Konkurrenz rechnen müssten, „partiell klare Wettbewerbsvorteile“. Das treffe beispielsweise auf den Einsatz und die Verarbeitung hochwertiger Baustoffe zu oder auf die Anwendung komplexer Techniken und Technologien, wie bei der anstehenden Plattenbausanierung in Polen. „Da die Europäische Union künftig mit den Strukturfonds erhebliche Investitionsanreize zum Beispiel für polnische Kommunen schaffen wird, können auch unsere Unternehmer – die zudem noch den logistischen Vorteil unmittelbarer Nähe zu Polen haben – gutes Geld verdienen. Eine Grundvoraussetzung dabei ist allerdings, dass sie sich auf dieses Nachfragepotenzial einstellen.“

Platzeck betonte, gerade die kleinen und mittleren Unternehmen in Brandenburg bedürften noch einer längerfristigen Unterstützung beim Zugang zu ausländischen Märkten. „Die Landesregierung weiß das und bemüht sich um gezielte Hilfe zur Selbsthilfe. Wir fördern die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen sowie die Erschließung neuer Märkte und sprechen dabei vor allem Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten an. Wir gewähren Bürgschaften für Geschäftsvorhaben in Polen. Wir unterstützen die Teilnahme an Messen und Ausstellungen. Wir helfen, damit kleinere Unternehmen untereinander und mit Forschungseinrichtungen besser kooperieren.“ Er wünsche sich jedoch, dass jedes dieser Angebote noch breiteren Zuspruch der Firmen finde. „Das Engagement der Unternehmer ist und bleibt der Schlüssel zu jedem Erfolg“, stellte Platzeck klar.