Staatskanzlei

Strukturwandel wirkt: Woidke sieht Cottbus auf dem richtigen Weg – Landesregierung tagt mit Stadtspitze

„Kabinett vor Ort“

veröffentlicht am 13.10.2026

Cottbus/Chóśebuz startet durch: Vom Baubeginn für den Forschungscampus im Lausitz Science Park über die erste Immatrikulation an der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem bis zum ersten Spatenstich für den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lübbenau-Cottbus erlebt die Lausitz-Metropole in den ersten Oktober-Tagen eine bedeutende Phase im Strukturwandel. „Mit Lausitz-Geschwindigkeit gestalten wir die Zukunft von Cottbus“, sagte Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke heute beim „Kabinett vor Ort“. 

Bei der Sitzung im Cottbuser Stadthaus haben sich die Ministerinnen und Minister sowie die Stadtspitzen unter Leitung von Woidke und Oberbürgermeister Tobias Schick über aktuelle Themen und gemeinsame Vorhaben ausgetauscht. Am Abend findet im Alten Stadthaus ein Bürgerdialog mit dem Ministerpräsidenten und weiteren Kabinettsmitgliedern statt. 

Thema der gemeinsamen Kabinettssitzung waren unter anderem die Strukturentwicklung mit den Schwerpunkten Wissenschaft, Forschung und Gesundheit sowie Infrastruktur, Wirtschaft und Arbeit. Weitere Themen waren die Umsetzung des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes im Rahmen des Zukunftspaketes Brandenburg und die Digitalisierung der Verwaltung. 

Woidke unterstrich: „Cottbus erlebt nicht nur einen starken Start in den Herbst, sondern einen nachhaltigen Boom. Der Strukturwandel geht voran und hinterlässt sichtbare Spuren. Das Bahnwerk wächst rasant, die Medizinische Universität ist gestartet, der Lausitz Science Park sprießt aus dem Boden und die Bahnstrecke zwischen Cottbus und Lübbenau wird jetzt endlich zweigleisig ausgebaut und damit ein Nadelöhr im Schienenverkehr zwischen Berlin und Görlitz beseitigt. Wir schaffen also einerseits zukunftssichere Arbeitsplätze und stärken den Wissenschaftsstandort. Gleichzeitig schaffen wir bessere Rahmenbedingungen für weitere Ansiedlungen und die Zuwanderung von Fach- und Arbeitskräften. Ich freue mich sehr, dass die Zukunft für die Menschen vor Ort schon so greifbar ist. Das haben wir unserem Lausitz-Tempo zu verdanken.“

Der stellvertretende-Ministerpräsident und Innenminister Dr. Jan Redmann ergänzte: „Egal ob Wissenschaft, Wirtschaft, Arbeit oder Infrastruktur – Cottbus und die Region boomen. Stadt, Land und der Bund ziehen an einem Strang und das spüren die Menschen vor Ort. Cottbus hat Zukunft und Zukunft bedeutet weiteres Wachstum, stabile Arbeitsplätze und ein sicheres Zuhause. Dafür tut auch unsere Polizei alles: Wir bauen im Bereich der Polizeidirektion Süd gemeinsame Fahndungsgruppen zur Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität auf. Damit erhöhen wir den ständigen Druck auf die, die glauben, eine Landesgrenze würde blinde Flecken erzeugen. Das Gegenteil ist der Fall! Kriminelle können sich nicht hinter einer Grenze verstecken. Wir sind ihnen auf der Spur und wir legen ihnen das Handwerk.“ 

Schick betonte: „Es dreht sich vieles in Cottbus und in der Lausitz. Und damit meine ich nicht nur die Kräne am Bahnwerk. Cottbus soll und wird wachsen. Daher hoffe ich, dass die Landesregierung den Wohnungsbau zielgerichtet unterstützen wird. Aber auch sonst müssen wir weiter ranklotzen, Baustellen ertragen, Ärzte in die Region bekommen, Schulen- und Turnhallen sanieren oder Straßen und Brücken sichern, die Wärmeversorgung zukunftsfest machen und mehr Kameras im öffentlichen Raum für mehr Sicherheit installieren. Es ist eine krasse und anstrengende Zeit. Und vieles dauert oft zu lang. Wir sind mitten im Wandel, nur diesmal heißt es nicht Rückbau sondern Neubau, nicht Schrumpfen sondern Wachstum, nicht ertragen sondern gestalten. Wir müssen hartnäckig, fleißig, aber auch geduldig bleiben. Dazu gehört ein menschenfreundliches Klima, mit dem wir kluge Köpfe und fleißige Hände hier willkommen heißen wollen.“   

Strukturentwicklung in Wissenschaft, Forschung und Gesundheit: 

Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT): Pünktlich zum Wintersemester 2026/27 startete die Ausbildung der ersten 38 Medizinerinnen und Medizinern „made in Cottbus“. Die Unimedizin wurde im Juli 2024 gegründet und spezialisiert sich auf den Gebieten Gesundheitssystemforschung und Digitalisierung des Gesundheitswesens. Bislang sind 18 Professuren besetzt, acht Berufungsverfahren stehen kurz vor dem Abschluss und weitere neun sind eröffnet worden. Bundesweit hatten rund 8.000 Studieninteressierte die MUL-CT als einen ihrer Wunschstudienorte angegeben. Mit dem Studienstart an der MUL-CT löst das Land Brandenburg das Versprechen ein, Bundes- und Landesmittel für den Strukturwandel in der Lausitz auch in eine exzellente medizinische Versorgung als Standortfaktor zu investieren. Mit Gesamtinvestitionen von 3,7 Milliarden Euro bis zum Jahr 2038 ist die MUL-CT das größte Strukturwandelprojekt in Brandenburg. Im Vollausbau sollen an der Einrichtung jährlich etwa 200 Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden. 

Kinderschutzinstitutsambulanz (KIA): Die MUL-CT richtet auch eine von landesweit sechs Kinderschutzinstitutsambulanzen ein. Diese soll am 4. November 2026 als zweiter Standort in der Lausitz eröffnet werden. Die KIA leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Kindeswohls in Brandenburg. Sie verbinden die medizinische Diagnostik mit der sozialpädagogischen Expertise der Jugendämter im Kinderschutz. Neben den bereits eröffneten Standorten in Potsdam, Eberswalde, Lauchhammer und Frankfurt (Oder) und der folgenden in Cottbus ist eine weitere in Neuruppin geplant. 

Lausitz Science Park (LSP) & Lausitz Science Network (LSN): Nach der Gründung der LSP GmbH im Juli 2026 erfolgte am 1. Oktober 2026 der Spatenstich für einen Forschungscampus mehrerer Institutionen wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Fraunhofer-Gesellschaft und der Leibniz-Gemeinschaft. Gemeinsam mit dem LSN, einem Netzwerk wissenschaftlicher Player in der Lausitz mit aktuell 14 beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen, entsteht eine international sichtbare Innovationsoase. 

Profilierungsoption Bahn im Studiengang Bauingenieurwesen an der BTU: Zum Wintersemester startet an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) eine Profilierungsoption Bahn zur gezielten Nachwuchssicherung für den Bahnbau. Hintergrund ist der erhebliche Fachkräftebedarf infolge der laufenden Schieneninfrastrukturprojekte in der Lausitz. Woidke stellte das Konzept im September mit der Deutschen Bahn und der BTU auf der Fachmesse Innotrans in Berlin vor. 

Strukturentwicklung in Infrastruktur, Wirtschaft und der Arbeitsmarkt:

Bahnwerk Cottbus: Das neue ICE-Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn entsteht in Rekordtempo. In der 2024 fertiggestellten Halle 2 haben bereits mehr als 50 Züge ihre Revision erhalten. Halle 1 wird Anfang 2027 in Betrieb gehen. Insgesamt wird das Bahnwerk 1.200 hochwertige Industriearbeits- und Ausbildungsplätze bieten. 

Bahnstrecke Lübbenau–Cottbus: Für den im Rahmen von i2030 geplanten und durch das Investitionsgesetz Kohleregion finanzierten Ausbau des 29 Kilometer langen Abschnitts der „Görlitzer Bahn“ ist am Montag offiziell der erste Spatenstich gesetzt worden. Die Strecke wird ab Dezember im Zuge der Hauptarbeiten für ein Jahr gesperrt. Die Maßnahmen umfassen neben der Errichtung eines zweiten Gleises nebst Oberleitung die Anpassung von zwölf Bahnübergängen, sechs Eisenbahnbrücken und 18 Durchlässen. Außerdem werden in den Bahnhöfen und Haltepunkten Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz jeweils ein zusätzlicher Bahnsteig und Schallschutzwände errichtet. Mit dem Ausbau der Bahnstrecke wird die verkehrliche Anbindung der Lausitz per Schiene erheblich verbessert. Während der Bauarbeiten wird neben dem Schienenersatzverkehr eine durchgehende Zugverbindung über Calau in Richtung Berlin angeboten. 

Arbeitsmarkt und Fachkräfte: Der Arbeitsmarkt in Cottbus und in der gesamten Lausitz befindet sich im Umbruch – geprägt durch den schrittweisen Ausstieg aus der Braunkohle und den Übergang zum modernen Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort. Die Arbeitslosenquote hält sich im Agenturbezirk Cottbus trotz der anhaltenden bundesweiten konjunkturellen Schwäche stabil bei gut sechs Prozent und in der Stadt Cottbus bei etwa acht Prozent. Damit zeigt sich der Arbeitsmarkt in der Lausitz-Metropole krisenfest. In bestimmten Bereichen fehlen Fachkräfte. Cottbus und die gesamte Lausitz sind auf Zuwanderung aus anderen Regionen Deutschlands und aus dem Ausland angewiesen. Mit der Kompetenzregion Lausitz, die durch das Arbeitsministerium initiiert und durch die Wirtschaftsregion Lausitz koordiniert wird, ist in den vergangenen Jahren ein landesweit einzigartiges Netzwerk von Arbeitsmarktakteuren entstanden, die sich bei Themen wie Berufsorientierung, Aus- und Weiterbildung sowie Fachkräftesicherung abstimmen.  

Finanzen, Digitalisierung, Sicherheit: 

Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität, die in Brandenburg im Rahmen des Zukunftspaketes Brandenburg ausgereicht werden:

  • Cottbus stehen aus dem Kommunalteil des Zukunftspaketes mehr als 52 Millionen Euro zur Verfügung. Die Stadt wird in den kommenden Wochen die ersten Projektmittel abrufen. Geplant sind beispielsweise der Anbau an der Feuerwache II, die Erweiterung der Regionalleitstelle Lausitz, Ergänzungen im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, der Ersatzneubau einer Sporthalle an der Spreeschule in Sandow, der Ausbau des Schulstandortes Gartenstraße, der Bau von Radwegen in Skadow und Merzdorf/Dissenchen, der lang ersehnte Ausbau der Kiekebuscher Straße in Branitz sowie ein erster Bauabschnitt zum Ausbau des Straßenbahnnetzes in Richtung BTU und Lausitz Science Park.
  • Vom Landesteil des Zukunftspaketes wird die Lausitz-Metropole ebenfalls erheblich profitieren: Das Innenministerium plant, mit 470.000 Euro das Polizeirevier Cottbus teilweise zu renovieren. Das Umweltministerium hat 500.000 Euro für Planungsleistungen zum Cottbuser Ostsee vorgesehen. Das Justizministerium hat mehr als 1,4 Millionen Euro für eine Sicherheitsstation in der JVA Cottbus-Dissenchen eingeplant. Das Bildungsministerium investiert in den Jahren 2027 und 2028 mehr als vier Millionen Euro in den Umbau des Pädagogischen Zentrums Cottbus. 

Digitale Verwaltung: Cottbus hat im Rahmen des „Modellprojekts Smart City“ des Bundes Fördermittel in Höhe von 13,48 Millionen Euro erhalten, um digitale Lösungen zu implementieren. Die Stadt setzt dazu verschiedene Projekte um – zum Beispiel ein Open-Data-Portal mit 3D-Stadtmodell, ein Dokumentenmanagementsystem für die Verwaltung, digitale Fahrgastinformationen, On-Demand-Mobilitätsangebote sowie ein digitales Energiemonitoring kommunaler Gebäude. Zur Umsetzung des Onlinezugangsgesetz hat Brandenburg 15 Fokusleistungen priorisiert, die Cottbus teilweise schon umgesetzt hat. Dazu gehören Dienstleistungen zu Grundsicherung, Unterhaltsvorschuss, Elterngeld und Führerschein, Kfz-Zulassung, Eheschließungen und Ummeldungen sowie das virtuelle Bauamt. Bei der Online-Verfügbarkeit von Verwaltungsleistungen liegt Cottbus im landesweiten Ranking auf Platz 2. 

Gemeinsame Fahndungsgruppen grenzüberschreitende Kriminalität: Mit Blick auf einen möglichen Wegfall der Binnengrenzkontrollen sollen die polizeilichen Maßnahmen zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität gestärkt werden. Hierzu werden bestehende operative Fahndungsstrukturen im brandenburgisch-polnischen Grenzgebiet weiterentwickelt und zusätzliche gemeinsame Fahndungsgruppen in den Polizeiinspektionen mit EU-Binnengrenzen geplant. Dabei werden auch bestehende Kooperationen mit der Bundespolizei und dem Zoll überprüft. Die Fahndungsgruppen sollen in den Polizeidirektionen Ost in Frankfurt (Oder) und Süd in Cottbus angesiedelt werden.

Pressemiteilung als PDF (application/pdf 227.5 KB)