Postkarten-Aktion in Südbrandenburg, Foto: dpa

Postkarten-Aktion in Südbrandenburg (c) dpa

„Förderung von Rückkehrerinitiativen im Land Brandenburg“ in den Jahren 2017 und 2018

In den 1990er und 2000er Jahren waren die ostdeutschen Bundesländer geprägt von einer sehr starken Abwanderung insbesondere ins frühere Bundesgebiet. Schätzungen gehen davon aus, dass derzeit etwa 1,5 Mio. Ostdeutsche, die nach der Wende abgewandert sind, im früheren Bundesgebiet leben. Dabei hatte und hat die Abwanderung einen immensen strukturellen Effekt: Über die Folgen des drastischen Geburtenrückgangs nach 1990 hinaus reduziert die Abwanderung aus der Nachwendezeit – und dabei insbesondere die der jüngeren Generation zwischen 20 und 35 Jahren – die heutige und die künftigen Elterngenerationen, das Fachkräftepotenzial, die Infrastrukturnachfrage, das Potenzial der zivilgesellschaftlichen Akteure wie auch – last but not least – die Zahl der Steuerzahler.

Im Zeitraum 1992-2015 zogen etwa 527.000 Personen aus Brandenburg ins frühere Bundesgebiet, 256.000 zogen in die anderen neuen Länder. Zwar wurden ein Teil dieser Fortzüge durch Zuzüge aus den deutschen Bundesländern wieder kompensiert. Dennoch stellen diese knapp 800.000 ehemaligen Brandenburger bei einer möglichen Rückkehr ein enormes Potenzial für das Land dar.

Die Migrationsforschung zeigt, dass mittlerweile ein deutlicher Anteil der ehemals Abgewanderten eine Rückkehr in die alte Heimat zumindest in Betracht zieht – trotz überwiegend guter Erfahrungen an ihren heutigen Wohnorten im früheren Bundesgebiet. Und: Auch die Rückkehrerfahrungen der West-Ost-Rückkehrer sind überwiegend positiv: Zwei Drittel der Rückkehrer betrachten diesen Schritt im Nachhinein als einfach oder sehr einfach, obwohl ursprünglich mit mehr Schwierigkeiten gerechnet wurde.*

Vor diesem Hintergrund ist die gezielte Förderung von Rückwanderung ein wichtiges Instrument zur Stabilisierung der demografischen und regionalen Entwicklung in Brandenburg. Aus der Wirtschaftsperspektive werden Zuzügler und Rückkehrer zwar zuerst als potenzielle Fachkräfte wahrgenommen. Es geht jedoch um weit mehr. Nicht Einzelpersonen, sondern ganze Familien würden dabei ihren Lebensmittelpunkt wieder zurück in die alte Heimat verlegen. Dabei steht nicht nur ein klassischer Umzug an, sondern es geht um Perspektiven für alle Beteiligten. Eine umfassende und authentische Beratung vor Ort kann Rückkehrwillige dabei unterstützen. Die Effekte gehen dabei weit über die Fachkräftesicherung hinaus: Verbesserung der Nachfrage nach (sozialen) Infrastrukturen, Steigerung der Wohnnachfrage, Stabilisierung sozialer und familiärer Netzwerke, Einbringen neuer Ideen und Erfahrungen und Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements.

Die Landesregierung unterstützt deshalb in den Jahren 2017 und 2018 Initiativen, Projekte und Maßnahmen zur Förderung von Rückkehr und Zuzug mit jährlich bis zu 200.000 Euro.

* Institut für Länderkunde  2012, „Regionalentwicklung durch Rückwanderung“