Postkarten-Aktion in Südbrandenburg, Foto: dpa

Postkarten-Aktion in Südbrandenburg (c) dpa

Förderung von Rückkehrer-Initiativen im Land Brandenburg

Hintergrund: Starke Abwanderung in den Nachwende-Jahren

In den 1990er und 2000er Jahren waren die ostdeutschen Bundesländer geprägt von einer starken Abwanderung, insbesondere ins frühere Bundesgebiet. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1,5 Mio. Ostdeutsche, die nach der Wende fortgezogen sind, nun im früheren Bundesgebiet leben. Dabei hatte und hat die Abwanderung einen immensen strukturellen Effekt: Über die Folgen des drastischen Geburtenrückgangs nach 1990 hinaus reduziert die Abwanderung der Nachwendezeit die heutige und die künftigen Elterngenerationen, das Fachkräftepotenzial, die Infrastrukturnachfrage, das Potenzial der zivilgesellschaftlichen Akteure und nicht zuletzt auch die Zahl der Steuerzahler.

In der Zeit von 1992 bis 2015 zogen etwa 527.000 Personen aus Brandenburg ins frühere Bundesgebiet, 256.000 zogen in die anderen neuen Länder. Zwar wurde ein Teil der Fortzüge durch Zuzüge aus anderen Bundesländern kompensiert, dennoch stellen diese knapp 800.000 ehemaligen Brandenburger bei einer möglichen Rückkehr ein enormes Potenzial für das Land dar.

Viele Abgewanderte ziehen Rückkehr in Betracht

Die Migrationsforschung zeigt, dass mittlerweile ein deutlicher Anteil der ehemals Abgewanderten eine Rückkehr in die alte Heimat zumindest in Betracht zieht – trotz überwiegend guter Erfahrungen an ihren heutigen Wohnorten im früheren Bundesgebiet. Und: Auch die Rückkehrerfahrungen der West-Ost-Rückkehrer sind überwiegend erfreulich. Zwei Drittel der Rückkehrer betrachten diesen Schritt im Nachhinein als einfach oder sehr einfach, obwohl ursprünglich mit mehr Schwierigkeiten gerechnet wurde.*

Die positiven Effekte einer Rückkehr gehen weit über die viel zitierte Fachkräftesicherung hinaus: Die Nachfrage nach (sozialen) Infrastrukturen wird verbessert, die Wohnraumnachfrage vor Ort wird gesteigert, was Leerstände vermeidet und zu neuer Bautätigkeit führt, soziale und familiäre Netzwerke stabilisieren sich, in der Regel wird das zivilgesellschaftliche Engagement gestärkt. Und nicht zuletzt werden durch die Erfahrungen in der Ferne auch neue Ideen und Erfahrungen in die Heimatregion eingebracht.

Die wahrgenommene Komplexität eines Rückzugs ist im Vorfeld allerdings ein nicht zu unterschätzender Faktor – vor allem, wenn nicht Einzelpersonen, sondern ganze Familien ihren Lebensmittelpunkt verlegen. Es geht dann um Perspektiven für alle Beteiligten.

Eine umfassende und authentische Beratung vor Ort kann Rückkehrwillige dabei unterstützen, ihren Heimkehrwunsch in die Tat umzusetzen. Immer häufiger nehmen diese Aufgabe sogenannte Rückkehrer-Initiativen wahr. Rückkehrer-Initiativen bestehen in der Regel aus mehreren lokalen Partnern, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Abgewanderten die Rückkehr in ihre Heimatregion so einfach wie möglich zu machen.

Landesregierung fördert Rückkehrer-Initiativen

Vor dem geschilderten Hintergrund ist die gezielte Förderung solcher Initiativen ein wichtiges Instrument zur Stabilisierung der demografischen und regionalen Entwicklung in Brandenburg. Die Landesregierung unterstützt Rückkehrer-Initiativen in den Jahren 2017 und 2018 mit jährlich bis zu 200.000 Euro. Zu den Rückkehrer-Initiativen zählen dabei alle Initiativen, Projekte und Maßnahmen, die der Förderung von Rückkehr und Zuzug dienen. Die genauen Förderbedingungen finden Sie im Service-Bereich rechts.

Landesweites Netzwerk „Ankommen in Brandenburg“

Im Rahmen des vom Land geförderten Modellprojekts „Wege ins Land. Vernetzte Heimat Brandenburg“ sollen Initiativen und Vereine, die sich in den verschiedenen Regionen des Landes um Rück- und Zuwanderer kümmern, unterstützt werden. Das hierfür gegründete Netzwerk „Ankommen in Brandenburg“ ermöglicht einen Informations- und Erfahrungsaustausch und unterstützt das Entstehen neuer Initiativen. Darüber hinaus werden gemeinsame Aktionen zur Gewinnung von Rückkehrern und Zuwanderern verabredet.

Weitere Informationen:
Webseite www.ankommen-in-brandenburg.de
Pressemitteilung "Verstärktes werben um Rückkehrer – Initiativen vernetzen sich" vom 26.10.2017

 

* Quelle: Institut für Länderkunde  2012, „Regionalentwicklung durch Rückwanderung“