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Grundsteinlegung für den Neubau des Landtages

veröffentlicht am 16.02.2011
In der Potsdamer Innenstadt ist heute mit dem Neubau des Landtages Brandenburg begonnen worden. Landtagspräsident Gunter Fritsch, Ministerpräsident Matthias Platzeck, Potsdams Oberbürgermeisters Jann Jakobs und der Architekt Prof. Peter Kulka legten gemeinsam mit dem Bauherrn, Finanzminister Dr. Helmuth Markov, und dem Vorstandsvorsitzenden der BAM Deutschland AG, Alexander Naujoks, als Bauträger, den Grundstein. Der neue Sitz des Landtages entsteht an historischem Ort am Alten Markt. Der Standortentscheidung waren Diskussionen, Prüfungen und Beratungen vorausgegangen. Mit der voraussichtlichen Fertigstellung des Gebäudes Mitte 2013 wird sich die städtebauliche Lücke in der Innenstadt schließen und ein moderner Parlamentsbau in den Um- und Aufrissen des ehemaligen Stadtschlosses entstehen.

Finanzminister Markov sagte zu Beginn des Festakts: „Das Gebäude, dessen Grundstein wir heute legen, wird dem Parlament, der Stadt und dem Land Brandenburg gut zu Gesicht stehen. Es wird eine Brücke zwischen Geschichte und Moderne sein; eine Brücke zwischen dem Platz am historischen Alten Markt und der Bestimmung des Hauses. Der Bau wird sich anlehnen an die äußere Form des Knobelsdorff'schen Stadtschlosses, das hier einst stand. Dabei werden auch erhaltene Bauteile des einstigen Stadtschlosses verwendet, damit auch für künftige Generationen die Brüche der Geschichte greifbar sind. Zugleich wird es ein Gebäude sein, das mit seinem modernen Inneren den Funktionen und Anforderungen eines heutigen Parlaments gerecht wird; ein Haus, das den Landtag stärker in die Öffentlichkeit rückt.“

Landtagspräsident Fritsch sagte: „Mit der heutigen Grundsteinlegung gehen wir einen wichtigen Schritt, für den Landtag als den Ort der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung optimale Arbeitsbedingen zu schaffen. Zugleich knüpfen wir an demokratische Traditionen an, in dem wir die seit 1920 durch die damalige Stadtverordnetenversammlung Potsdam ausgeübte demokratische Nutzung des früheren Schlosses als Landtag fortsetzen.“ Fritsch zeigt sich erfreut, dass der Kompromiss eines funktionalen Landtages in historischer Hülle gelungen ist.

Ministerpräsident Platzeck betonte, „mit dem Landtagsneubau auf dem Alten Markt bekommt die Landeshauptstadt ihre historische Mitte, ihr Herz zurück“. Dieser Standort sei aber nicht nur städtebaulich ein Gewinn. Platzeck:. „Das Parlament als zentrales Verfassungsorgan zieht mitten in die Stadt, mitten hinein in die Gesellschaft und sendet damit das Signal aus: In der Demokratie geht alle Macht vom Volke aus.“ Die leidenschaftlichen Debatten zeigten, dass die Bürgerinnen und Bürger regen Anteil an ihrem Landtagsneubau nehmen. „Und mehr noch: Mit vielen Spenden und noch mehr bürgerlichem Engagement leisten sie einen entscheidenden Beitrag.“ Platzeck dankte Prof. Dr. Hasso Plattner, der mit seiner großzügigen Spende von 20 Millionen Euro entscheidend dazu beigetragen habe, dass die historischen Fassaden wiederhergestellt werden können, und er dankte Günther Jauch, „dessen Fortunaportal“ die Entwicklung entscheidend katalysiert habe.

Hintergrund:

Den Bau des neuen Landtages am Standort Alter Markt in der Innenstadt Potsdams hatte im Mai 2005 das Landesparlament beschlossen. Der Landtagsneubau wird im Rahmen eines Public-Private-Partnerschafts-Modells (PPP) errichtet. Partner des Landes ist ein Konsortium unter Führung der BAM PPP Projektgesellschaft mbH, das sich nach einem europaweiten Wettbewerb durchgesetzt hatte. Der Finanzausschuss des Landtages hat dem Vergabemodell am 21. August 2009 zugestimmt. Der Vertrag wurde am 02. September 2009 unterzeichnet. Vertragsgegenstand sind die Planung, die Errichtung des Gebäudes, die Finanzierung sowie Gebäudemanagementleistungen. Die Vertragslaufzeit beträgt 30 Jahre. Die geplanten Gesamtbaukosten belaufen sich auf 120 Mio. Euro.

Vereinbart wurde die Errichtung des neuen Landtagsgebäudes nach dem Entwurf des Dresdner Architekten Prof. Peter Kulka. Bestandteil des Projekts ist die Rekonstruktion der äußeren Fassaden des Knobelsdorffschen Stadtschlosses, die durch eine Spende der Hasso-Plattner-Förderstiftung ermöglicht wurde. Die Baupläne von Prof. Peter Kulka basieren auf dem Genius Loci Potsdams, der noch immer bestimmt wird durch eine enge Symbiose von Stadt und Landschaft. Die Errichtung des neuen Landtagsgebäudes bietet die Chance, die unvollständige Mitte der Stadt zu komplettieren.

Die Fassaden werden material und werkgerecht nach dem historischen Vorbild wieder aufgebaut. Unter der Wiederverwendung historischer Elemente für die Außenhaut vollzieht sich im Inneren des Gebäudes der Wandel vom Stadtschloss der preußischen Könige hin zum modernen Landtag. Dabei übernimmt das wieder geschaffene historische Treppenhaus in der Achse des Schlosses eine wichtige Vermittlerrolle. Es wird in seiner historischen Geometrie und unter Verwendung noch original erhaltener Plastiken und Stücke, die an ihrer ursprünglichen Position wieder eingebaut werden, errichtet.

Es entsteht ein Bauwerk im traditionellen Kleid mit einem modernen Innenleben, das einen selbstbewussten und offenen Rahmen für die parlamentarische Arbeit bietet. Der repräsentative Bau wird insgesamt über eine Nutzfläche einschließlich Tiefgarage von rund 19.000 qm verfügen.

Der Plenarsaal befindet sich im 1. Obergeschoss, dem zentralen Ort des Gebäudes. Im 4. Obergeschoss wird sich das Landtagsrestaurant befinden, das auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Es wird in Richtung des Innenhofes über eine Dachterrasse verfügen, von der aus ein Blick über den Alten Markt, Innenhof und Nikolaikirche möglich ist. Die Büroräume befinden sich überwiegend in den Seitenflügeln, nördlichen Kopfbauten und den Flügelbauten links und rechts des Fortunaportals.

Die Anpassung des Schlossbaus an das erforderliche Volumen des Landtages wird durch das Verschieben der hofseitigen Fassaden der Dreiflügelanlage unter weitestgehender Berücksichtigung der historischen Schlossfassaden gewährleistet. Der Zugang zum neuen Landtag erfolgt durch das Fortunaportal in den Innenhof, der allgemein den Bürgern zugänglich sein soll.

An den Außenseiten wird die Fassade konstruktiv für die Aufstellung noch vorhandenen beziehungsweise nach historischem Vorbild anzufertigenden Figurenschmucks vorgerüstet. Die Wiederherstellung des Figurenschmucks soll durch Spenden erfolgen. Auch prüft das Land in Abstimmung mit dem Bauträger auf Antrag des Schlossvereins die Realisierung eines Kupferdaches anstelle des vertraglich vereinbarten Zinkdaches. Die Mehrkosten für das Kupferdach sollen ebenfalls aus Spenden finanziert werden. Mit einem Ausschreibungsergebnis ist Mitte 2011 zu rechnen.

Am 19.11.2010 wurde durch das Land dem Schlossverein auf dem Alten Markt in der Nähe der Nikolaikirche ein „kleiner Ausstellungsraum“ zur Verfügung gestellt. Der Schlossverein erhält damit die Möglichkeit, direkt am Baugeschehen über den Verein und über Spendenaktionen zu informieren. Aufgrund der entstandenen Verzögerung des Baubeginns, die zu Teilen zeitlich wieder aufgeholt werden soll, wird das Gebäude aller Voraussicht nach Mitte des Jahres 2013 bezugsfertig sein.