Hinweis: brandenburg.de hat seine Internet-Seiten auf barrierefreien Zugriff optimiert und verwendet deshalb standardisiertes CSS (Stylesheets). Sollte Ihr Browser dieses nicht korrekt anzeigen, unterstützt er nicht die üblichen Webstandards. Weitere Informationen finden Sie hier.

Pressedienst

Weihnachten fern der Heimat

22.12.2003 Truthahn und Weihnachtsbaum

Brandenburgs Polizisten auf dem Balkan zwischen Einsatzalltag und Kekse backen

 
Nr. 226/2003

Weihnachten, das ist das Fest der Familientreffen und der Besinnlichkeit. Doch für einige brandenburgische Polizeibeamte wird es in diesem Jahr keine Familientreffen geben. Sie müssen auf dem Balkan Dienst tun im Rahmen von EU- und UNO-Missionen. Eines aber haben die Beamten den Brandenburgern zu Hause voraus: Weiße Weihnachten sind sicher. Denn im Einsatzgebiet hat der Schnee die Landschaft mit einer weißen Decke überzogen. Und ganz ausfallen soll Weihnachten auch in Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo nicht. Mirko Härtelt hat bereits vorgesorgt. „Kekse habe ich schon gebacken“, erzählt der 41 Jahre alte Polizist, der in Bijeljina im Norden von Bosnien-Herzegowina stationiert ist. Fünf Backbleche voll hat er in Dosen gefüllt. „Ich weiß aber nicht, ob die Kekse bis Weihnachten reichen“, sagt der Kriminalkommissar angesichts schwindender Vorräte. Denn die Süßigkeiten ‚made by Härtelt’ sind auch im internationalen Kollegenkreis sehr begehrt. Auch wenn die Heimat fern ist, im Außenposten in der Republica Srpska im Dreiländereck zwischen Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina zieht allmählich weihnachtliche Stimmung ein. Die Weihnachtsbäume sind aufgestellt und selbst das Weihnachtsmenü ist schon ausgewählt: Truthahn mit Rotkohl und Klößen. Die Beschaffung der Zutaten ist Sache von Mirko Härtelt und zwei weiteren deutschen Beamten, die ebenfalls in Bijeljina Dienst tun. Die Zubereitung übernimmt die Frau eines deutschen Kollegen, die zum Weihnachtsfest auf Besuch kommt. Die Zutatenbeschaffung erforderte dabei fast detektivische Fähigkeiten. „Rotkohl-Konserven mit Zubereitungen nach deutschem Rezept sind hier nur schwer zu bekommen“, wie der Beamte erfahren musste. Aber als Polizist weiß man schließlich, wie man auch unter erschwerten Bedingungen eine Fahndung erfolgreich gestalten kann. Für Härtelt ist es nicht der erste Auslandseinsatz. Er war auch schon im Kosovo stationiert. Bei allen Einschränkungen, die der Einsatz in Bosnien-Herzegowina mit sich bringt, im Vergleich zum Kosovo kommt sich Härtelt auf seinem Posten drei Autostunden nördlich von Sarajewo fast vor wie im Paradies. Was Einsatz im Kosovo heißt, erleben derzeit Sabine Haack und Heinz-Josef Friedhoff. Weihnachtsidylle: Fehlanzeige. In der Öffentlichkeit merkt man Weihnachten im Kosovo ohnehin nicht. Denn für die überwiegend muslimischen Kosovaren haben die christlichen Feiertage keine Bedeutung. „Nur einige Familien, die längere Zeit in Deutschland gelebt haben, hängen ein paar Weihnachtskugeln hin“, berichtet Friedhoff. Die beengten Verhältnisse lassen im Dienstgebäude von Sabine Haack nicht einmal einen Weihnachtsbaum zu. Und in der Unterkunft ist weder Plätzchenbacken noch an Weihnachtsbraten zu denken. „Wenn wir Glück haben, gibt es drei Stunden am Tag Strom – und dann meist, wenn ich nicht zu Hause bin“, schildert die Polizistin die Lage. Sie hat deshalb gar nicht erst Pläne für ein selbst gekochtes Festessen geschmiedet. „Wenn nicht das Weihnachtspaket des Innenministers gekommen wäre, würden wir gar nichts von Weihnachten merken.“ In der Weihnachtswoche ist sie im Untersuchungsgefängnis von Pristina für die Spätschicht eingeteilt. Das heißt Dienst von 16.00 bis 24.00 Uhr. Die Klientel, die in den Zellen auf den Abschluss ihrer Prozesse wartet, hat es in sich. „Es sind vor allem Mörder und Vergewaltiger“, sagt die Polizeimeisterin. Dennoch: Mit Wehmut an zu Hause denken will die 31-jährige nicht. Sie tröstet sich mit der Aussicht, dass ihr Einsatz in gut drei Wochen vorbei ist. Dann heißt es Koffer packen und ab Richtung Heimat. Von solchen Aussichten ist Friedhoff noch weit entfernt. Er hat seinen Einsatz erst im November begonnen. Im Kosovo bildet er Diensthunde und Hundeführer aus. „Es ist das erste Mal in meinen 51 Lebensjahren, dass ich Weihnachten nicht im Kreis der Familie feiere“, sagt der Polizeihauptkommissar und weiß noch nicht so recht, wie er sich an den Weihnachtstagen fühlen wird. So wird es Weihnachten bei einem Anruf zu Hause bleiben. Geschenke finden Kinder und Enkel in Deutschland dennoch unter dem Weihnachtsbaum. „Ich habe sie in einem Paket nach Hause geschickt.“ Seine Frau hat bereits Bescheid gegeben, dass alles heil angekommen ist. Auch seine Hunde können fest mit einem Weihnachtsschmaus rechnen. „Morgens bringe ich ihnen eine Wurst“, verspricht Friedhoff. Aber auch ohne Familie wird es gesellig zugehen. Gemeinsam Essen gehen mit Kollegen steht auf dem Programm und abends eine Weihnachtsfeier in der Wohnung eines bayerischen Kollegen. Die wird dann ganz international sein mit Polizisten aus Großbritannien, Malawi, den USA und Deutschland. Bis dahin soll noch geklärt werden, welche Weihnachtslieder in allen Sprachen gesungen werden können. Das Feiern mit der Familie wird Friedhoff übrigens nachholen. Am Neujahrstag fliegt er zu einem Kurzurlaub nach Deutschland. Die Vorfreude ist ihm anzusehen.

Verantwortlich:
Heiko Homburg, Pressesprecher
Ministerium des Innern
Henning-von-Tresckow Str. 9-13
14467 Potsdam
Telefon (0331) 866 2060
Fax: (0331) 866 2666