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Gegen Antisemitismus: Ausstellung sowie Auftakt für Modellprojekt „Chasak!" in der Potsdamer Staatskanzlei

veröffentlicht am 26.02.2020

Erinnerungskultur und Bildungsarbeit gegen Antisemitismus: Das ist das Anliegen zweier Projekte des Instituts für Neue Soziale Plastik e.V., die am kommenden Montag (2. März) in der Staatskanzlei vorgestellt werden. Im Foyer im Erdgeschoss wird eine Wanderausstellung zur Hachschara eröffnet, einer Bewegung jüdischer Selbstorganisation und Unterstützung. Die Veranstaltung ist zugleich Auftakt für das Modellprojekt „Chasak! Gegen Antisemitismus im ländlichen Raum". Bei dem bis 2024 laufenden Projekt wird unter anderem in Workshops und Ausstellungen Wissen zu jüdischem Leben in Vergangenheit und Gegenwart vermittelt.


Die Chefin der Staatskanzlei, Ministerin Kathrin Schneider, und Anetta Kahane, Vorstandsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, sprechen zu Beginn Grußworte. Benno Plassmann, Vorstand des Instituts für Neue Soziale Plastik e.V., stellt die Ausstellung und das Modellprojekt vor. Nach einem Rundgang durch die Schau gibt es ein Publikumsgespräch (16.35 Uhr, Blaue Wand im Erdgeschoss) mit Yoav Gad über seine Familiengeschichte und die Hachschara-Bewegung. Er ist der Sohn des in der Ausstellung porträtierten Shoah-Überlebenden Ehud Growald.


Medienvertreter sind herzlich zur Berichterstattung eingeladen.


Wann: Montag, 2. März 2020, 16.00 Uhr
Wo: Staatskanzlei, Haus 12, Foyer im Erdgeschoss
Heinrich-Mann-Allee 107, 14473 Potsdam


Die Ausstellung „Chawerim - Jüdische Selbstorganisation, Widerständigkeit und die Hachschara-Bewegung" wurde vom Institut für Neue Soziale Plastik e.V. konzipiert. Das hebräische Wort Hachschara (Plural Hachscharot - Tauglichmachung, Vorbereitung) bezeichnete Einrichtungen, in denen sich von 1917 bis Ende der 1940er Jahre Jüdinnen und Juden in Deutschland auf ihre Einwanderung nach Erez Israel (das Land Israel/Palästina) vorbereiteten. Um Einwanderungszertifikate zu bekommen, wurden den oft aus akademischen Berufen kommenden Frauen und Männern handwerkliche, hauswirtschaftliche oder landwirtschaftliche Fähigkeiten vermittelt. Einer der Schwerpunkte der Bewegung lag in der Region Berlin-Brandenburg. In Brandenburg gab es mehr als zwei Dutzend landwirtschaftliche Lernorte.


Ab der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wuchs die zunächst kleine Bewegung. In den folgenden Jahren rettete sie tausenden Menschen das Leben, so durch Flucht in andere Länder oder durch Hilfe beim Überleben im Herrschaftsbereich der Nationalsozialisten. Nach der Befreiung 1945 wurden für einige Jahre abermals Hachscharot gegründet, um Überlebende auf die Einwanderung nach Erez Israel vorzubereiten.


In der Ausstellung wird auf 14 Roll-Ups anhand von Einzelschicksalen und der Arbeit in Hachscharot die Geschichte der Bewegung erzählt. Gefördert wurde die Exposition mit Mitteln des Brandenburger Kulturministeriums (10.000 Euro) sowie der Amadeu Antonio Stiftung. Das Institut für Neue Soziale Plastik e.V. wurde 2015 von einer Gruppe von Künstlern und Referenten der politisch-historischen Bildungsarbeit gegründet. Ziel des Vereins ist die Entwicklung und Durchführung von Projekten, die politische und kulturelle Bildungsarbeit zusammenbringen.


Die Ausstellung ist bis zum 23. März 2020 montags bis freitags von 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr in der Staatskanzlei zu sehen. Weitere Stationen sind Frankfurt (Oder) und Eberswalde.


Das Modellprojekt „Chasak! Gegen Antisemitismus im ländlichen Raum" ist eines der fünf Modellprojekte in Brandenburg, die in den Jahren 2020 bis 2024 durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!" gefördert werden. Es wird vom „Toleranten Brandenburg" mit jährlich 11.000 Euro kofinanziert. Weitere Kofinanzierer sind die Brandenburgische Gesellschaft Geschichte und Kultur gGmbH und die Bürgerstiftung Barnim-Uckermark. Bei dem Modellprojekt arbeiten viele lokale und landesweite Organisationen mit, so die Fachstelle Antisemitismus beim Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien sowie die Jüdischen Gemeinden von Frankfurt (Oder) und Potsdam.


Pressekontakt für Fragen zu beiden Projekten:


Benno Plassmann, Institut für Neue Soziale Plastik e.V.;
E-Mail: plassmann@neue-soziale-plastik.org // Tel. 01768 3014432

Pressemitteilung als PDF (application/pdf 239.5 KB)