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„Ihre Menschlichkeit ist uns Vorbild“: Woidke dankt Opfern des Nationalsozialismus für Rückkehr an Ort des Grauens

Engagement für lebendige Erinnerungskultur

veröffentlicht am 14.04.2019

Zum 74. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge aus den Konzentrationslagern hat sich Ministerpräsident Dietmar Woidke für eine vielfältige und lebendige Erinnerungskultur ausgesprochen. In diesem Zusammenhang dankte er heute auf einer Gedenkveranstaltung in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück den Zeitzeugen und Angehörigen der Opfer für die Rückkehr an den Ort des Grauens:


„Dass Sie den beschwerlichen Weg nach Ravensbrück auch in diesem April auf sich genommen haben, beeindruckt mich zutiefst. Sie schonen sich nicht, obwohl es verständlich wäre. Sie bringen den berührenden Beweis, dass selbst das größte Verbrechen an der Menschheit Menschlichkeit nicht zerstören konnte. Ihre Menschlichkeit ist unser Vorbild. Ihre bewundernswerte Größe macht eine lebendige Erinnerungskultur erst möglich."


Woidke unterstrich: „Wenn die Schicksale persönlich erzählt und dadurch erlebbar gemacht werden, wird es für uns Nachgeborene leichter, uns wieder zu finden. Wenn die Opfer und Überlebenden wieder zu Frauen, Müttern, Kindern, Parteimitgliedern, Arbeitslosen - zu Menschen wie Du und ich werden - dann wird klarer, was das mit uns zu tun hat. Es ist auch wichtig, neben der Geschichte der Opfer die Geschichte der Täter zu erzählen. Denn dadurch wird eines ganz deutlich: Es waren nicht die Umstände oder der Zeitgeist, die dazu geführt haben, dass Zigtausende Menschen misshandelt, erniedrigt und getötet wurden. Es waren Hass, Rassismus und Menschenverachtung, denen kein Einhalt geboten wurde. Die um sich greifen und unter dem Deckmantel eines Nationalismus salonfähig werden konnten.


Und wir wissen alle: Die Wurzeln dieses Übels haben überlebt und kommen heute wieder an vielen Orten der Welt zum Vorschein. Deshalb kommt es darauf an, einzuschreiten bei jeder Diskriminierung, bei jedem Übergriff auf unseren Nächsten. Wir müssen erklären, wie Konzentrationslager entstehen konnten und warum wir uns nicht in Sicherheit wiegen dürfen. Wir müssen der Jugend zeigen, dass es immer eine Wahl gibt. Und dass es sich lohnt, aufeinander zugehen und einander die Hand zu reichen."


Woidke mahnte: „Es darf kein Gras über diese schreckliche Vergangenheit wachsen. Wir müssen immer wieder aufs Neue hinterfragen, wie es passieren konnte, dass unschuldige Menschen eingesperrt, gefoltert und getötet wurden. Erinnern wir immer wieder an all die Menschen, die an Schreckensorte wie Ravensbrück, Sachsenhausen, Bergen-Belsen, Buchenwald und Dachau verschleppt wurden.


Gedenken wir der Millionen Opfer in den Vernichtungslagern wie Auschwitz, Treblinka, Maidanek und Sobibor. Bleiben wir im Dialog der Generationen, der Geschlechter, der Nationen, der Konfessionen und der Weltanschauungen."