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Erster großer See aus der Bergaufsicht entlassen

Woidke: „Strukturentwicklung der Lausitz geht weiter voran“

veröffentlicht am 05.09.2018



Der Gräbendorfer See wurde heute als erster größerer Brandenburger See aus der Bergaufsicht frei gegeben. Ministerpräsident Dietmar Woidke nahm in Laasow (Kreis Oberspreewald-Lausitz) an der Urkundenübergabe teil und nutzte den Anlass für einen Besuch in der Lausitzer Bergbauregion. Woidke: „Ganz offensichtlich: Es geht voran. Dies ist ein weiterer Schritt für eine noch attraktivere Lausitz, die sowohl für die hier lebenden Menschen als auch für Gäste immer lebenswerter wird."

Die entsprechende Urkunde übergab der Präsident des Landesamtes für Bergbau Geologie und Rohstoffe, Hans-Georg Thiem, an Vertreter der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Neben Woidke nahmen daran unter anderen auch der Präsident der BTU Cottbus-Senftenberg, Prof. Jörg Steinbach, der Geschäftsführer der TMB (Tourismus Marketing Brandenburg GMbH), Dieter Hütte, und der Lausitzbeauftrage Klaus Freytag teil. Formal ist damit der Abschlussbetriebsplan des Tagebaus Gräbendorf realisiert. Die  LMBV ist für den See bergrechtlich nicht mehr verantwortlich. Die uneingeschränkte Planungshoheit übernehmen die Anliegergemeinden Vetschau, Drebkau und Altdöbern

Im Gräbendorfer Tagebau wurden von September 1984 bis Dezember 1992 rund 36,4 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Die „bergrechtliche Wiedernutzbarmachung" begann durch die LMBV im Jahr 1994 mit der Gestaltung des zukünftigen Uferbereiches und endete im Jahr 2017 mit der Sicherung der letzten Filterbrunnenstandorte. Die Flutung startete 1996 und war 2007 abgeschlossen. Der  Gräbendorfer See hat eine Fläche von 457 Hektar (zum Vergleich: Großer Müggelsee in Berlin: 740 Hektar). Im See befinden sich bei Normalstand 92 Millionen Kubikmeter Wasser.

Der See ist bereits heute ein Beispiel für eine gelungene Bergbaufolgelandschaft. Er lädt mit seinen Stränden zum Baden ein und ist auch für viele Cottbuser ein beliebtes Ziel. Außerdem befinden sich hier neben Gastronomie auch eine Tauchschule und erste schwimmende Häuser, die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land entstanden sind. Weitere touristische Projekte werden entwickelt.

In der Brandenburger Lausitz werden aus früheren und jetzt noch aktiven (Jänschwalde und Welzow) Tagebauen Seen mit einer Wasserfläche von insgesamt mehr als 11.500 Hektar entstehen - etwa so groß wie die Müritz. Es wird die weltweit größte von Menschenhand geschaffene Wasserlandschaft sein.

Woidke: „Die 1990 begonnene Neugestaltung der Bergbaufolgelandschaften trägt zunehmend sichtbare Früchte. Das ist ein wichtiger Baustein für die Strukturentwicklung der Lausitz insgesamt. Die IBA in den Jahren 2000 bis 2010 hat zu dieser guten Entwicklung entscheidend beigetragen. Mein Dank an alle, die sich auch dafür ideenreich engagiert haben."

Dabei gehe es nicht nur um Wasserlandschaften, sondern auch um Architektur- und Industriedenkmäler wie die F60, dem „liegenden Eiffelturm" in Lichterfeld (Elbe-Elster) und die Biotürme der Kläranlage der Kokerei in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz). Aber auch der Lausitzring bei Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz), künftige Teststrecke für autonomes Fahren, befindet sich auf einem früheren Tagebaugelände.

Einige der Flächen sind jedoch auch wichtige Naturschutzgebiete, so in den beiden regionalen Naturparken „Niederlausitzer Landrücken" und „Niederlausitzer Heidelandschaft". Ein Gebiet wird von der Heinz-Sielmann-Stiftung betreut. Woidke: „Die Verbindung von außergewöhnlichen Naturlandschaften, die sich in einer ständigen Änderung befinden, mit Industrie und Tourismus macht den besonderen Reiz der Region aus."

Die LMBV hat seit ihrer Gründung 1991 im Auftrag von Bund und Land in Brandenburg bis heute rund 4,5 Mrd. Euro in die Neugestaltung der Bergbaufolgelandschaften in der Lausitz investiert. Das Land hat davon 1,3 Mrd. Euro getragen. Das 6. Abkommen zwischen Bund und betroffenen Ländern wurde im Juni 2017 in Berlin unterzeichnet. Es sichert die Finanzierung bis zum Jahr 2022.

Woidke: „Die Sanierung der geschundenen Landschaft ist ein einzigartiges Generationenwerk. Das Abkommen bietet verlässliche Perspektiven für die Region und ihre Menschen. Mit rund 615 Millionen Euro fließt wie bisher etwa die Hälfte der gesamten Sanierungsmittel in die brandenburgische Lausitz. Ich bin sicher: Jeder Euro ist richtig angelegt. Denn so wachsen über den einstigen Tagebauen wieder Zukunftsperspektiven."

Die ausgekohlten Tagebaue werden mit technisch aufwendigen Verfahren für die spätere Nutzung vorbereitet. Wichtig ist dabei die Geländesicherung zum Beispiel durch Rütteldruckverdichtung und drohnengesteuerte Überwachung. Dazu informierte sich Woidke am ehemaligen Tagebau Greifenhain. Dort befindet sich der Ort Pritzen, der nach den DDR-Energieplänen abgebaggert werden sollte. Er war bereits leer gezogen, konnte aber durch die Wende 1990 gerettet werden. Inzwischen sind viele Häuser wieder bewohnt; der Ort liegt heute am neu entstehenden Altdöberner See.

Weitere Station der Tour war Großräschen am gleichnamigen See mit den IBA-Terrassen und dem neuen Stadthafen mit geplanten rund 100 Bootsliegeplätzen. Das Interesse daran übersteigt die Zahl schon jetzt bei weitem. Hier wird nicht nur der Wassertourismus eine bedeutende Rolle spielen - Großräschen hat auch einen Weinberg mit Brandenburgs einziger offizieller Steillage. Und: Großräschen erlebt schon jetzt einen kleinen Bauboom.

Woidke: „Das ist eine Perlenkette guter Entwicklungen. Und ich wünsche mir manchmal, dass die Menschen dies noch deutlicher wahrnehmen und mit Stolz auf das Erreichte blicken".

Erneut wies er darauf hin, dass der eingeschlagene gute Weg nur dann weiterhin funktionieren könne, „wenn der Bergbau nicht abrupt endet. Die Region braucht Zeit und Perspektiven. Und eines ist sicher: Die Lausitz bleibt Industrie- und Energieregion - mit einem zugleich aber immer größeren Freizeitwert und hoher Lebensqualität."

Woidke: „Die Mittel für die weitere Rekultivierung müssen durch den aktiven Bergbau erwirtschaftet werden. Bei einem abrupten Kohleausstieg wäre der Steuerzahler dran - völlig unabhängig von der notwendigen zuverlässigen Stromversorgung durch die Braunkohle."


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