www.stk.brandenburg.de

Land Brandenburg und Potsdam gedenken der Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Europa vor 70 Jahren – Würdigung der Rede Richard von Weizsäckers zum 8. Mai

veröffentlicht am 08.05.2015

Ministerpräsident Dietmar Woidke und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs haben heute Abend an das Kriegsende in Europa am 8. Mai 1945 erinnert. Mit der gemeinsamen Veranstaltung in der Potsdamer Schinkelhalle wurde der kürzlich verstorbene Altbundespräsident Richard von Weizsäcker gewürdigt, der das Kriegsende als erstes deutsches Staatsoberhaupt als „Tag der Befreiung“ bezeichnet hatte. Woidke und Jakobs hoben die große Bedeutung dieser Rede vom 8. Mai 1985 im Deutschen Bundestag hervor. Sie wurde den Gästen in voller Länge in einer Aufzeichnung gezeigt.


Woidke: „Richard von Weizsäcker hat 40 Jahre nach Kriegsende klar und deutlich herausgestellt, dass der 8. Mai 1945 der `Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft` war. Er löste damit in Westdeutschland einen Bewusstseinswandel aus. Doch von Weizsäcker mahnte uns auch, dass unter die Zeit der Nazi-Diktatur kein Schlussstrich gezogen werden darf. Gedenktage wie der 8. Mai, dessen gesetzliche Verankerung wir kürzlich im Landtag beschlossen haben, können dabei helfen. Wir tragen die Verantwortung, für Frieden, Freiheit, Versöhnung und Toleranz einzutreten und uns gegen Fremdenhass, Rassenwahn, Gewalt und Intoleranz einzusetzen. Diese Verantwortung ist Teil der Identität als Deutsche in Ost und West.“


Jakobs: „Dass wir heute so umfassend und aus tiefstem Herzen an die Opfer des Zweiten Weltkriegs und der Nazi-Herrschaft erinnern und uns zur Verantwortung der Deutschen für dieses Leiden bekennen, daran hatte die Rede Richard von Weizsäckers einen großen Anteil. Denn er war der Erste, der dies im Namen aller Deutschen in damals nicht gekannter Deutlichkeit ausgesprochen hat.“


Die Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges war in Deutschland sehr lange geteilt. Während in der DDR mit der Staatsgründung die Bewertung des Kriegsendes als  Befreiung Deutschlands politisch vorgegeben war, wurde in der Bundesrepublik 40 Jahre lang hart politisch diskutiert, um zu einer solchen Position zu finden. Mit der Rede von Weizsäckers setzte sich die politische Deutung der „Befreiung vom Nationalsozialismus“ durch und wurde zur Kernaussage der nationalen Erinnerungskultur der Bundesrepublik Deutschland. Die Worte des Bundespräsidenten fanden starke nationale wie internationale Beachtung und trugen wesentlich zur verbesserten Außenwahrnehmung Deutschlands bei.