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„Wichtige Weichenstellung zur Fachkräftesicherung“ - Woidke und Partner „Brandenburgischer Ausbildungskonsens“ unterzeichnen gemeinsame Erklärung

veröffentlicht am 05.08.2014

Mindestens 10.000 neue betriebliche Ausbildungsverträge sollen jährlich in den kommenden zwei Ausbildungsjahren vom Herbst 2014 bis Sommer 2016 abgeschlossen werden. Das sieht eine Erklärung vor, die heute in Potsdam von Ministerpräsident Dietmar Woidke namens der Landesregierung gemeinsam mit Vertretern des „Brandenburgischen Ausbildungskonsens“ unterzeichnet wurde. Ferner sollen unter anderem die Berufsorientierung an den Schulen weiter verstetigt sowie die Zahl der Schulabbrecher weiter gesenkt werden. Woidke betonte: „Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres will die Landesregierung damit ein deutliches politisches Zeichen setzen.“


Er fügte hinzu: „Wir wollen, dass noch mehr Menschen im Land von der guten wirtschaftlichen Lage profitieren. Und wir wollen unseren politischen Beitrag dazu leisten, dass die Nachfrage der Betriebe nach gut qualifizierten Fachkräften auch künftig befriedigt wird. Eine gute und passgerechte Ausbildung ist der Königsweg im Kampf um Fachkräfte und grundlegend für die soziale Perspektive junger Menschen.“ Woidke zeigte sich überzeugt, dass die Ausbildungssituation in Brandenburg nur im sozialpartnerschaftlichen Schulterschluss weiter verbessert werden könne. Der Ministerpräsident: „Ich bin froh, dass Wirtschaft, Gewerkschaften und Bundesagentur für Arbeit meinem Aufruf zu einem Ausbildungskonsens gefolgt sind. Wir haben heute gemeinsam wichtige Weichenstellungen vorgenommen und  eine Reihe klarer und weitreichender Vereinbarungen getroffen.“


Hintergrund der neuen gemeinsamen Erklärung mit sieben Arbeitsschwerpunkten ist, dass sich die Ausgangslage auf dem Ausbildungsmarkt seit Gründung des Ausbildungskonsenses im Jahr 2003 grundlegend verändert hat. So ist die Zahl der neuen betrieblichen Ausbildungsverträge 2013 mit 9.261 in Brandenburg erstmals unter die 10.000-er Grenze gefallen. Der bisherige Spitzenwert lag im 1999 bei 13.751 Verträgen.


Arbeitsminister Günter Baaske sagte: „Dieser Rückgang muss gestoppt werden. Wir müssen die Duale Ausbildung stärken – das gelingt nur gemeinsam. Es ist entscheidend, ´Topf und Deckel` zusammenzubringen, also freie Stellen mit noch nicht versorgten Jugendlichen zu besetzen.“ Aktuell suchen noch etwa 5.000 junge Frauen und Männer einen Ausbildungsplatz für das ab August bzw. September beginnende neue Ausbildungsjahr.


Hintergrund: 2013 waren 1.073 Plätze unbesetzt, aber zugleich suchten noch 936 Jugendliche einen Ausbildungsbetrieb. Um Angebot und Nachfrage besser zu verknüpfen bieten die Kammern Ausbildungsbörsen; die Agentur für Arbeit ist stark bei der Vermittlung engagiert und das Internet-Fachkräfteportal des Landes wurde um den Bereich Ausbildung erweitert. Es bietet derzeit 324 freie betriebliche Ausbildungsplätze. Darüber hinaus hat das Bildungsministerium in den vergangenen Jahren die Berufsorientierung an den Brandenburger Schulen mit verschiedenen Maßnahmen und Förderprogrammen, wie beispielsweise dem ESF-Programm „Initiative Oberschule“, stetig verbessert.


Jutta Cordt, Chefin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Agentur für Arbeit: „In den letzten Jahren hat sich die Bewerber-Stellen-Relation in Brandenburg deutlich verringert. Damit ist rechnerisch der Ausbildungsmarkt gut aufgestellt. Allerdings wissen wir auch, dass Bewerber und Ausbildungsbetriebe teilweise nicht zueinander finden. Vor diesem Hintergrund ist der Ausbildungskonsens eine gute Basis, die komplexen Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Notwendig ist eine systematische Berufsorientierung ab der 7. Klasse, bei der die betriebliche Praxis im Vordergrund stehen muss. Deshalb sollten sich hierbei Unternehmen stärker engagieren, beispielsweise mit einem vielfältigen Angebot an Betriebspraktika. Eine gute Berufsorientierung trägt nicht nur zu einem Abbau der Passungsprobleme bei der Ausbildungsvermittlung bei, sondern verringert auch die überdurchschnittlich hohe Zahl der Ausbildungsabbrüche. Damit ist sie eine zentrale Voraussetzung für langfristig tragfähige Berufswahlentscheidungen. Gleichfalls sollten Betriebe auch Schulschwächere in ihre Auswahlprozesse einbeziehen. Oft stellen sich die Vorteile eines Jugendlichen erst auf den zweiten Blick heraus.“


Doro Zinke, Vorsitzende des DGB Bezirk Berlin-Brandenburg: „Der Anteil an ausbildenden Betrieben ist nach wie vor zu gering. Die Wirtschaft Brandenburgs hat nur Zukunft, wenn sie auf gut ausgebildeten Fachkräften basiert. Und Brandenburg hat nur Zukunft, wenn junge Menschen hier eine berufliche Perspektive sehen.“


Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB): „Angesichts der zunehmenden Schwierigkeiten, Ausbildungsplätze zu besetzen, gewinnen bislang nicht erschlossene Zielgruppen an Gewicht. Eine dieser Zielgruppen sind unversorgte Bewerber aus Berlin. Wir appellieren daher an die Betriebe, sich von der Arbeitsagentur entsprechend geeignete Bewerber empfehlen zu lassen.“


Beate Fernengel, Landesarbeitsgemeinschaft der IHKs des Landes Brandenburg (LAG): „Unternehmen konnten sich ihre Auszubildenden lange Zeit unter den besten Schulabgängerinnen und -abgängern aussuchen. Das ist heute nicht mehr so. So klagen etwa 60 Prozent der Firmen über Defizite bei den jungen Leuten in Mathematik oder Deutsch, aber auch bei sozialen Kompetenzen. Ich appelliere hier an die Unternehmen, vermehrt auch verdeckte Talente zu entdecken. Die IHKs bekräftigen deshalb die Betriebe, auch Jugendliche mit Lerndefiziten zu beschäftigen. An die Lehrerinnen und Lehrer gerichtet: Nehmen Sie Ihre Verantwortung für die Zukunft des Landes wahr und unterstützen Sie uns zielführend. Berufswahlpässe beispielsweise sind gut und wichtig – helfen Sie den jungen Leuten, solche Instrumente sinnvoll für die Lebenswegplanung einzusetzen.“



Jürgen Rose, Präsident des Brandenburgischen Handwerkskammertages: „Die duale Ausbildung Deutschlands ist international anerkannt. Dennoch ist die Ausbildungssituation im Handwerk schwierig. Allein im brandenburgischen Handwerk sind aktuell noch mehr als 1.500 Lehrstellen unbesetzt. Die Attraktivität der Berufsausbildung muss deutlicher hervorgehoben werden.“


Thomas Schwierzy, Landesverband der Freien Berufe Brandenburg e.V.: „Der Landesverband der Freien Berufe Land Brandenburg e. V. und damit alle Freiberufler unseres Bundeslandes  sehen sich als  zuverlässige Partner  des Brandenburgischen Ausbildungskonsenses. Mit ihren vielfältigen Angeboten an attraktiven und hochqualifizierten Berufsabschlüssen dokumentieren sie ihre Verantwortung für die jungen Menschen und für die Zukunft des Landes Brandenburg.“


Martina Münch, Ministerin für Bildung, Jugend und Sport: „Angesichts des Rückgangs der Schülerzahlen und mit Blick auf den Fachkräftebedarf im Land dürfen wir keinen jungen Menschen auf seinem Weg in den Beruf alleinlassen. Ziel unserer kontinuierlichen und individuellen Berufsorientierung ist die Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit und der Berufswahlkompetenz der Schülerinnen und Schüler. Dazu hat jede weiterführende Schulen im Land Brandenburg ein Berufsorientierungskonzept entwickelt und fest verankert. Unsere Schulen machen die Jugendlichen schon jetzt frühzeitig fit für den Einstieg in ihr späteres Berufsleben. Immer mehr Schülerinnen und Schüler absolvieren die Schule erfolgreich, die Quote der Schüler ohne Abschluss ist deutlich auf aktuell acht Prozent gesunken. Zur Verbesserung der Qualität der schulischen Berufsorientierung ist eine stärkere Systematisierung und die weitere Verstetigung der richtige Weg.“


Ralf Christoffers, Minister für Wirtschaft und Europaangelegenheiten: „Dass Brandenburgs Wirtschaft 25 Jahre nach der Wende so gut dasteht wie nie zuvor,  ist in erheblichem Maß den gut ausgebildeten Fachkräften zu verdanken. Aber nur wenn junge Leute hier eine gute Ausbildung bekommen, können die Unternehmen aus der Region auch künftig wettbewerbsfähig bleiben. Das Land Brandenburg stellt sich auf die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen der kommenden Jahre ein, der Ausbildungspakt leistet hierzu einen Beitrag. Denn die Auszubildenden von heute sind die so dringend benötigten Fachkräfte von morgen.“


Jörg Vogelsänger, Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft: „Die demografischen Veränderungen stellen gerade die Unternehmen im ländlichen Raum vor besondere Herausforderungen bei der Gewinnung des Berufsnachwuchses. Als Ministerium engagieren wir uns insbesondere für die ‚Grünen Berufe‘. Mit dem Ausbildungskonsens wird dieser Ansatz verstärkt und zugleich der Blick auf Angebote in der regionalen Wirtschaft erweitert, die es den Jugendlichen erlauben, ihren Lebensmittelpunkt in ihren Heimatorten zu behalten.“




Hintergrund:

Die Partner im Ausbildungskonsens treten für eine Aufwertung der betrieblichen Ausbildung in der Brandenburger Bildungslandschaft ein. In der Erklärung heißt es: „Nur durch gute Berufsorientierung, attraktive Ausbildungsplätze und durch das Erschließen weiterer Ausbildungsstellen können die Ausbildungsprobleme gelöst und das berufliche Bildungssystem nachhaltig gestärkt werden.“


Weitere aktuelle Ziele des Ausbildungskonsenses (Details in der Erklärung):



  • Verringerung der Schulabgänge ohne Abschluss

  • Mehr systematische Berufsorientierung für alle Schülerinnen und Schüler

  • Weniger unversorgte Bewerberinnen und Bewerber

  • Mehr betriebliche Ausbildungsplätze in der Region

  • Weniger vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge


 


Der im Jahr 2003 durch Arbeitsminister Baaske initiierte Ausbildungskonsens ist ein Teil der Brandenburger Sozialpartnerschaft von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Landesregierung. Beteiligt sind die Landesregierung mit dem Ministerpräsidenten und dem federführenden Arbeitsministerium, den Ministerien für Bildung, Wirtschaft und Landwirtschaft sowie die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, die Industrie- und Handelskammern (IHK), die Handwerkskammern (HWK), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) und der Landesverband der Freien Berufe Brandenburg (LFB). Die Arbeit des Konsens` - beispielsweise die Internetplattform - wird aus Mitteln des Europäischen  Sozialfonds (ESF) und der Partner finanziert.


Der Ausbildungskonsens im Netz: www.ausbildungskonsens-brandenburg.de


Fachkräfteportal mit Ausbildung im Netz: www.fachkraefteportalbrandenburg.de