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„Märkische Kunstgeschichte geschrieben“ – Platzeck ehrt Harald Metzkes mit Brandenburgischem Kunstpreis

Es gilt das gesprochen Wort!

veröffentlicht am 08.07.2012

Der ´Ehrenpreis des Brandenburgischen Ministerpräsidenten für ein Le-benswerk´ ist heute von Matthias Platzeck an den Maler Harald Metzkes überreicht worden. Platzeck hielt auf der traditionellen Veranstaltung zur Verleihung des Brandenburgischen Kunstpreises der Märkischen Oderzei-tung in Kooperation mit der Stiftung Schloss Neuhardenberg die Laudatio auf den in Altlandsberg (Kreis Märkisch-Oderland) lebenden Künstler. Der Preis sei Bestätigung für sein künstlerisches Schaffen. Platzeck wörtlich: „Ein Lebenswerk, dessen Mittelpunkt nie die simple Sehnsucht nach Schönheit war, sondern immer die Liebe zur Kunst und das aufrichtige Inte-resse am Menschen.“

Platzeck führte unter anderem aus:

„Mit Harald Metzkes wollen wir heute einen Künstler für sein Lebenswerk ehren, der die zeitgenössische Malerei unserer Region geprägt hat wie wenige andere. Einen Künstler, dessen Bilder der Lebenswirklichkeit in unserer Region seit über 60 Jahren den Spiegel vorhalten. Einen Künstler, der als „Cézannist vom Prenzlauer Berg“ bekannt geworden ist, sein berühmtes Atelier am Kollwitzplatz aber seit langem eingetauscht hat – gegen märkische Abgeschiedenheit, gegen ein Scheunenhaus im Altlandsberger Ortsteil Wegendorf. Ich möchte Sie, Herr Metzkes, heute für Ihr Lebenswerk auszeichnen. Und das tue ich aus tiefer Überzeugung und mit großer Freude! Denn Sie haben weit mehr getan als „schöne Bilder“ zu malen. Mit Ihrem Werk haben Sie märkische Kunstgeschichte geschrieben. Und Sie haben ein zeitloses Plädoyer gehalten. Ein Plädoyer
• für die Freiheit der Kunst,
• den Wert des Lebens in all seinen Facetten,
• für Skepsis gegenüber einfachen Wahrheiten,
• für menschliche wie politische Demut!
Deshalb stelle ich mich heute der für einen Laien schwierigen Aufgabe, für Ihr schier unüberschaubares Oeuvre die richtigen Worte zu finden.

… Der wohl augenscheinlichste Bezugspunkt zum heutigen Tage fiel mir erst auf den zweiten Blick auf. Dieser Bezugspunkt heißt Marxwalde. Es ist eines von drei Motiven, das Sie, Herr Metzkes, 1991 für Ihren „Brandenburgischen Triangel“ gewählt haben. Denn Marxwalde ist nichts anderes als das heutige Neuharden-berg. Und das auf Ihrem Aquarell verewigte Schloss ist nichts anderes als das Schloss, in dem wir heute zusammenkommen. Ich habe mich also gefragt: Wer ist dieser Mann, der – bekannt durch eher urbane, personenbezogene Bilder – 1991 durch die Mark fährt, um Neuhardenberg zu malen? Und auf der Suche nach einer Antwort bin ich über den Begriff des Schönen gestolpert. Denn Sie, Herr Metzkes, haben einmal gesagt: „Ich bin nicht hinter dem Schönen her, und die Schönheit nicht hinter mir. Sie kann nicht und sie will nichts sollen, sie ist nur, und man kann keine Mühlen mit ihr betreiben.“ Und an anderer Stelle: „Mein Programm hat nur zwei Punkte. Natur und Auge.“ Das scheint mir der Kern. Das scheint die Blau-pause im Kunstverständnis von Harald Metzkes zu sein. Das scheint Antrieb zu sein für Schaffenskraft, für schöpferischen Eifer – beschrieben von all den Kunst-kritikern, die einmal zu Gast waren in seinem reich bestückten Atelier.

… Harald Metzkes ist der Prototyp eines Künstlers. Er ist ein empfindsamer, unvoreingenommener Beobachter. Er trägt subjektive Erfahrungen, nicht jedoch vermeintliche Wahrheiten an die Welt heran. Er bringt das Wesen menschlichen Miteinanders in objektivierte Form – indem er der Natur ihre Wahrheiten abringt, ihr verwinkeltes Treiben für das menschliche Auge sichtbar, für den Kopf begreifbar macht. Und das alles kleidet er konzentriert in scheinbar triviale Szenen. Dieses Verständnis ist es wohl, was Sie, Herr Metzkes, mit den anderen Künstlern der sogenannten „Berliner Schule“ verbindet. Bei aller Unterschiedlichkeit war das vielleicht die – wie sie Ihr Kollege Lothar Böhme einmal nannte – „nicht korrumpierbare Grundgesinnung“ unter Ihnen. Und darin lag wohl der Antrieb, sich einem kulturpolitisch durch die DDR-Führung vorgegebenen Idealkleid zu widersetzen – ohne mit Pauken und Trompeten dagegen aufzubegehren. Doktrinäres Denken und verordnetes Pathos hatten keinen Platz in Ihren Bildern.

… Es war ein Widerstand, der ganz subtil den Fokus von der Ideologie auf den Menschen richtete. Zweifelsohne: Ohne Bestätigung durch Weggefährten, ohne Widerhall in der Bevölkerung war das nicht möglich. Und in diesem Sinne war der kulturelle Widerstand auch Spiegelbild eines ebenso stillen und doch immanenten Widerspruchs durch Teile der Gesellschaft. Eines Widerspruchs, der sich durch den Rückzug ins Private ausdrückte und sich erst Ende der 80er Jahre in expres-siver

… Ihre Werke haben stets als Seismographen für politische Entwicklungen, für gesellschaftliche Spannungen gewirkt. Und so sind sie noch heute wichtige Zeitzeugnisse. Ich denke hier besonders an das Jahr 1956 – Suezkrise, Ungarn-Aufstand und 20. Parteitag der KPdSU, sprich: vermeintlicher Bruch mit der stali-nistischen Tradition. Ihr „Abtransport der sechsarmigen Göttin“ war hier Abbild von Umbruch und Chaos. Aus ihm sprach die Angst, aber auch ein wenig die Hoffnung auf das Vertreiben böser Geister. Ich denke aber auch an eine lange Phase ab 1957, nachdem diese leise Hoffnung nicht bestätigt wurde: Der sich durch Europa ziehende Graben wurde tiefer. Und Ihre Bilder waren zunehmend durch tristes Grau, durch bedrohliches Schwarz geprägt – ab 1961 dann im Schatten der Berli-ner Mauer. Und nicht zuletzt denke ich an die Zeit ab 1990, als die Farbe mit aller Macht in Ihr Werk zurückkehrte.

… Nehmen Sie diesen Preis als Bestätigung für Ihr künstlerisches Schaffen. Ein Lebenswerk, dessen Mittelpunkt nie die simple Sehnsucht nach Schönheit war, sondern immer die Liebe zur Kunst und das aufrichtige Interesse am Menschen! Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch!“