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Platzeck reist nach Nahost – Treffen mit Spitzenpolitikern geplant – Ministerin Kunst besucht Universitäten

veröffentlicht am 27.04.2012

Bei seiner am Sonntag beginnenden sechsten Reise nach Israel und in die palästinensischen Gebiete will Ministerpräsident Matthias Platzeck die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen Brandenburgs in die Region vertiefen. Gleichzeitig wird sich der Ministerpräsident dort für ein besseres Zusammenleben der Menschen einsetzen. Dazu sind auch Gespräche mit Spitzenpolitikern geplant. Brandenburgs Regierungschef wird unter anderen den palästinensischen Ministerpräsidenten Salam Fayyad treffen. Platzeck reist vom 29. April bis 2. Mai nach Nahost. Gleichzeitig halten sich eine brandenburgische Unternehmerdelegation und eine Schülergruppe aus Potsdam in der Region auf. In seiner Funktion als Zweiter Vorsitzender der Jerusalem Foundation (JF) Deutschland wird Platzeck bei der Organisation zu Gast sein. Bei der Reise wird er zeitweise von Wissenschaftsministerin Sabine Kunst begleitet.

Nachfolgend ein Überblick über einige wichtige Stationen der Reise:

Am Samstagabend ist Ministerin Kunst bei einem Konzert des Reißiger-Chores aus Bad Belzig in der Erlöser-Kirche in Jerusalem dabei. In den darauf folgenden Tagen wird sich die Wissenschaftsministerin über Kooperationen zwischen brandenburgischen und israelischen Wissenschafts-Einrichtungen, wie der Hebrew University, informieren. So kommt Kunst mit deren Präsidenten Menachim Ben-Sasson zusammen.
Nach seiner Ankunft in Tel Aviv am Sonntag reist Ministerpräsident
Platzeck am Nachmittag weiter nach Beit Jala in die palästinensischen Gebiete. Dort führt er Gespräche mit Repräsentanten der Region.

Am Montag besucht Platzeck zunächst die Jerusalem Foundation. Anschließend geht es nach Ramallah ins Westjordanland, wo er auf einer Kooperationsbörse für brandenburgische und palästinensische Unternehmer für Zusammenarbeit plädieren wird. Politischer Gesprächspartner an diesem Tag ist unter anderen der palästinensische Ministerpräsident Salam Fayyad. Am späten Nachmittag steht in Jerusalem die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Universität Potsdam und der Hebräischen Universität auf Platzecks Programm, an der auch Ministerin Kunst teilnimmt. Am Abend wird Platzeck dann in Tel Aviv vor israelischen Unternehmern für den Standort Brandenburg werben.

Im Beisein von Schülern der Potsdamer Voltaire-Schule verleiht der Ministerpräsident am Dienstagmorgen in der Harishonim High School in Herzliya den Landesorden an zwei israelische Holocaust-Überlebende. Sara Atzmon und Shlomo Wolkowicz werden für ihre Bereitschaft geehrt, die Erinnerung an den Holocaust bei jungen Menschen wach zu halten. Beide haben Zeitzeugengespräche an Brandenburger Schulen geführt. Bei der Verleihung ist auch Ministerin Kunst zugegen. Im Anschluss hält Platzeck in Tel Aviv auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Rede zum Thema „Intoleranz und Antisemitismus“. Abends zeigt das Medienboard Berlin Brandenburg in Tel Aviv den prämierten deutschen Spielfilm „Barbara“. Danach kommt Platzeck mit Filmschaffenden aus Israel und Brandenburg zu einem Meinungsaustausch zusammen.

Zum Abschluss der Reise am Mittwoch in Tel Aviv will Platzeck Gespräche mit Vertretern der israelischen Zivilgesellschaft und der brandenburgischen Wirtschaftsdelegation führen.



Anhang:

Ministerpräsident Platzeck überreicht den Landesorden an die Zeitzeugen Sara Atzmon und Schlomo Wolkowicz

Sara Atzmon wurde 1933 in Ungarn geboren. Die Nazis deportierten sie in mehrere Konzentrationslager, die US-Armee befreite sie im April 1945 in der Nähe von Magdeburg. Sara Atzmon verlor in den NS-Konzentrationslagern ihren Vater, drei Brüder und weitere Verwandte.

Nach Kriegsende emigrierte sie nach Palästina und lebt seit Gründung des Staates Israel 1949 dort. Sara Atzmon begann zu malen und verarbeitete so ihre schrecklichen Erlebnisse in den Lagern. Ausstellungen mit Bildern der Künstlerin waren in Israel, Europa und in den USA zu sehen. Seit ungefähr 20 Jahren berichtet die Zeitzeugin zudem Schülern von den Gräueltaten der Nazis, so auch in Brandenburg.

So war Frau Atzmon auch bei Schülern des Meitner-Gymnasiums und der Kant-Gesamtschule in Falkensee sowie im Marie-Curie-Gymnasium in Dallgow. Im Falkenseer Kreativhaus arbeitete die NS-Überlebende auch künstlerisch mit Schülern. Ebenfalls ruft sie Workshops für die Begegnung zwischen deutschen, arabischen und jüdischen Menschen ins Leben, um für besseres zwischenmensch-liches Verständnis zu werben. Sara Atzmon möchte den nachfolgenden Generationen vor Augen führen, wohin Unverständnis und Aufwiegelung zum Hass führen können.

Shlomo Wolkowicz wurde 1924 im ostgalizischen Jagielnica geboren und besuchte das Jüdische Technische Gymnasium in Lwow (Lemberg). Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion folgte ein hemmungsloser Terror gegen die jüdische Bevölkerung. Shlomo Wolkowicz widersetzte sich einem Aufruf, dass sich alle Juden zu melden hätten, wurde aber denunziert und kam ins Gefängnis. Nur durch Zufall überlebte er dort Erschießungen durch die SS. Die deutsche Besatzung überstand er teils in Verstecken, teils getarnt bei einer polnischen Familie.

Er wanderte nach Kriegsende zuerst nach Österreich und 1949 nach Israel aus. Erfolgreich absolvierte er eine Ausbildung in Maschinenbautechnik und arbeitete als Geschäftsführer bei israelischen Firmen.

Lange behielt Shlomo Wolkowicz die schmerzlichen Erinnerungen an die Jahre des 2. Weltkrieges in seiner Heimat in der heutigen Ukraine für sich. Doch dann wollte er nicht mehr länger schweigen und stattdessen vor Jugendlichen Zeugnis ablegen von dem, was im Geschichtsunterricht nicht erfahrbar sein kann. Shlomo Wolkowicz schildert seinen Überlebenskampf jungen Menschen und nahm auch an einem Zeitzeugenbegegnungsprogramm im Land Brandenburg teil.