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„Verdienstorden sind Spiegel des aktiven Bürgerlebens“

Platzeck verleiht höchste Auszeichnung des Landes

veröffentlicht am 12.06.2009



Ministerpräsident Matthias Platzeck hat heute zum fünften Mal anlässlich des brandenburgischen Verfassungstages den Verdienstorden des Landes an Bürgerinnen und Bürger überreicht. Bei der Zeremonie in der Potsdamer Staatskanzlei betonte Platzeck: „Das Jubiläumsjahr 2009 bietet eine besondere Gelegenheit, diejenigen zu würdigen, die in den 20 Jahren seit der friedlichen Revolution viel für den Aufbau unseres Landes getan haben. Die Geehrten haben mit großer Tatkraft und Durchhaltevermögen ihren Teil dazu beigetragen, Brandenburg in all seiner gesellschaftlichen, kulturellen und landschaftlichen Vielfalt lebenswert und lebendig zu machen. Sie haben mitgeholfen, unser Land als Standort für innovative Ideen, Kreativität und Toleranz aufzubauen und zu stärken. Sie haben daran mitgewirkt, dass Menschen in Brandenburg echte Lebens- und Zukunftschancen haben.“


Die Ausgezeichneten stünden stellvertretend für die Vielen im Land, die Tag für Tag Ähnliches leisten, betonte Platzeck. „Die Verdienstorden sind ein Spiegel des aktiven Bürgerlebens in Brandenburg. Auf das Erreichte können wir alle gemeinsam stolz sein. Zwei Jahrzehnte nach dem Aufbruch von 1989 sollten wir uns auf die tatkräftige und zupackende Grundhaltung besinnen, mit der wir Ostdeutsche damals Freiheit erkämpften und die Einheit Deutschlands ermöglichten. Ich bin mir sicher: Mit der Lebenserfahrung aus 20 Jahren Aufbau und Neugestaltung sind wir gut aufgestellt für die Zukunft.“


Geehrt wurden in diesem Jahr:


Prof. Günter Albrecht hat sich um die Entwicklung des Standortes Berlin-Brandenburg im Bereich Luft- und Raumfahrt verdient gemacht. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben im Jahr 2004 stellte Albrecht, der im bayerischen Bergkirchen zu Hause ist, seinen großen Erfahrungsschatz aus Wissenschaft und Praxis in den Dienst der regionalen Innovationspolitik. Seine Wirkungsstätten waren unter anderem die Technische Universität Berlin, die Brandenburgische Technische Universität Cottbus, Rolls Royce in Dahlewitz und MTU Aero Engines GmbH München gewesen. Die von ihm ins Leben gerufene „Netzwerkinitiative Triebwerkstechnik“ im Rahmen der Berlin Brandenburg Aerospace Allianz leistet einen wichtigen Beitrag dazu, die Hochschulen in der Mark mit den großen global agierenden Triebwerkherstellern und den regionalen Unternehmen zu verbinden. Die Initiative ist mit ursächlich dafür, dass Brandenburg heute nach München und Hamburg drittgrößter Standort der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland ist.


Rolf-Dieter Amend aus Neu-Fahrland hat maßgeblich dazu beigetragen, den guten Ruf Brandenburgs als Wassersportland zu unterstreichen. Der einstige Weltmeister und Olympiasieger im Kanu-Rennsport führte unter anderem als Bundestrainer in der Disziplingruppe „Kajak-Herren“ viele Sportler zu internationalem Ruhm. Neun Olympiasiege und zahlreiche Europa- und Weltmeistertitel zeugen von seinen herausragenden Leistungen und machen ihn als einen der erfolgreichsten Trainer Deutschlands aus. 2008 wurde er vom Deutschen Olympischen Sportbund zu „Deutschlands Trainer des Jahres“ gekürt.


Dr. Hans Otto Bräutigam hat sich mit außergewöhnlichem Engagement für das Zusammenfinden der Deutschen zu einer Lebens- und Verantwortungsgemeinschaft sowie für die Überwindung von Misstrauen und Entfremdung eingesetzt. Größtes Anliegen war und ist ihm, im Prozess der deutschen Vereinigung die Menschen im Lande nicht aus den Augen zu verlieren. Das zeigt sich in seinem steten Werben dafür, die Lebensleistungen der Menschen in der DDR anzuerkennen. In Brandenburg leistete er als Minister für Justiz, Bundes- und Europaangelegenheiten fast ein Jahrzehnt lang einen wesentlichen Beitrag zur Einbindung des Bundeslandes in Europa sowie zum Aufbau einer rechtsstaatlichen Justiz und eines modernen Strafvollzugs.


Klaus Eichler aus Potsdam hat sich seit 1990 große Verdienste um die städtebauliche Entwicklung unter anderem von Potsdam, Rathenow und Premnitz sowie den Erhalt historischer Bausubstanzen erworben. So hatte er als langjähriger Abteilungsleiter des heutigen Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung sowie als Bürger erheblichen Anteil daran, dass in der Landeshauptstadt solche Projekte wie der Stadtkanal, die Potsdamer Mitte und die Schiffbauergasse auf den Weg gebracht wurden. Sein Rat und Einsatz waren auch beim Wiederaufbau des Wahrzeichens von Rathenow, der Sankt-Marien-Andreas-Kirche, sowie bei der erfolgreichen Bewerbung für die Landesgartenschau in der Stadt 2006 gefragt.


Gudrun Heydeck aus Eberswalde zeichnet sich als Patin im dortigen Netzwerk „Gesunde Kinder“ durch ein herausragendes Engagement aus. Sie unterstützt 16 Familien mit Rat und Tat. Für eine Familie war das dabei aufgebaute enge Vertrauensverhältnis und die dadurch mögliche Hilfe lebensrettend. Als eine Mutter im vergangenen Jahr der Patin verzweifelt ihr Kind übergab und dann verschwand, handelte diese entschlossen. Aus der Vorgeschichte wusste die Patin, dass die Mutter unter einer psychischen Erkrankung litt und veranlasste unverzüglich geeignete Schritte. So konnte Schlimmeres verhindert werden. Mutter und Kind sind heute wieder beisammen.


Harry Müller aus Luckau hat sich als Amtdirektor und später Bürgermeister herausragende Verdienste um die südbrandenburgische Stadt erworben. So hat er die Entwicklung Luckaus als Gewerbe- und Wirtschaftsstandort mit vorangetrieben, sich erfolgreich für die erste Landesgartenschau im Jahr 2000 und für die Sanierung des historischen Stadtkerns eingesetzt. Zudem versteht er es, anspruchsvolle Kulturereignisse wie die Brandenburgischen Sommerkonzerte oder die Auftaktveranstaltung für das Kulturlandjahr 2008 nach Luckau zu holen. Anliegen sind ihm auch die Pflege partnerschaftlicher Beziehungen mit der polnischen Stadt Slawa und die Tourismusentwicklung am ehemaligen Tagebau Schlabendorf.


Hildegard Petter aus Guben engagiert sich seit einem halben Jahrhundert im Kinder- und Jugendleistungssport der Leichtathletik. Ob in der Betriebssportgemeinschaft in der DDR oder im heutigen Leistungszentrum des SV Chemie 1890 Guben – in all den Jahrzehnten verstand sie es als Trainerin immer wieder, Mädchen und Jungen, Männer und Frauen für den Sport zu interessieren und mitzureißen. Noch im hohen Alter setzt sie sich mit ganzer Kraft für die Aufrechterhaltung des Trainings- und Wettkampfbetriebes im Leistungszentrum ein. Sie ist noch immer selbst sportlich aktiv und damit ein Vorbild für die Jugend.


Günter Pick wird für seine langjährige kompetente und sensible Beratertätigkeit geehrt. Er wird immer dann tätig, wenn gesellschaftlich notwendige Entscheidungen auf gravierende Art und Weise in das Leben von Menschen eingreifen, wenn Heimatverlust droht. Der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe hatte ihn 1992 nach Brandenburg geholt, um die Landesregierung bei der Umsiedlung des Ortes Horno zu beraten, der dem Tagebau Jänschwalde weichen musste. Hinzu kam der Umsiedlungsprozess in Kausche, der durch Picks Mitwirken sozialverträglich und zur Zufriedenheit vieler Menschen gestaltet werden konnte. Als Berater von Gemeinden gelang es dem in Niederzier in Nordrhein-Westfalen Lebenden, nach 1997 bei den Umsiedlungen von Geisendorf und Haidemühl den Umzug der Menschen möglichst konfliktarm zu organisieren. Ebenso erfolgreich wirkte er bei der Umsiedlung von Diepensee und von Teilen der Gemeinde Selchow, die Voraussetzung für den Bau des größten Infrastrukturprojektes Ostdeutschlands, des Flughafens Berlin Brandenburg International, war.


Prof. Dr. Hanno Schmitt aus Potsdam hat sich um die Errichtung und die Entwicklung des Rochow-Museums in Reckahn verdient gemacht, das sich mit dem Wirken des ersten Schulmeisters Friedrich Eberhard von Rochow befasst. Nur ein Jahr nach Gründung wurde das Museum 2001 in das so genannte Blaubuch als „kultureller Gedächtnisort mit besonderer nationaler Bedeutung“ eingetragen. Schmitt ist zudem Initiator der Reckahner Bildungsgespräche, einem Forum konstruktiven Nachdenkens über Bildung in Gesellschaft, Politik und Kultur.


Michael Schönberg aus Premnitz/Ortsteil Döberitz ist ein Beispiel dafür, dass Unternehmergeist und Gemeinsinn bestens miteinander vereinbar sind. Mit unternehmerischem Mut gelang es ihm, einen ehemaligen Hinterhofbetrieb zu einem führenden Zink-Druckguss-Unternehmen in Ostdeutschland zu machen. Zugleich bringt sich der Geschäftsführer der HZD Havelländische Zink-Druckguss GmbH & Co. KG mit großem Engagement in die Region ein. Er fördert unter anderem Schulen und Kitas durch Projekte, Sponsoring und Patenschaften und unterstützt kulturelle Vorhaben und Sportvereine im Westhavelland.


Monika Walter aus Strausberg engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich in der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle des Arbeitslosenservices ihrer Stadt. Auch seit dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben vor zehn Jahren kümmert sich die Seniorin mindestens vier Tage pro Woche insbesondere um Arbeitslose sowie Alleinstehende mit Kindern. Um insbesondere junge Menschen vor Verschuldung zu bewahren, legt sie viel Wert auf präventive Arbeit. So nutzt sie auch Weiterbildungsmaßnahmen für arbeitslose und jugendliche Arbeitnehmer zu einem wichtigen Stück Lebenserziehung.


Prof. Bernd Wefelmeyer hat sich in herausragender Weise um das Musikleben Brandenburgs verdient gemacht. Als einer der bedeutendsten Komponisten unserer Zeit schuf oder arrangierte er mehr als 300 Theater-, Film- und Fernsehmusiken. Er engagierte sich als Dirigent des Deutschen Filmorchesters Babelsberg für dessen Erhalt und für eine enge Zusammenarbeit mit der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) „Konrad Wolf“. Die HFF hat ihm vor allem den Studiengang Filmmusik und eine inspirierende Lehrtätigkeit zu verdanken. Zudem vertritt er die Interessen Brandenburgs in Gremien und Verbänden des Musiklebens auf Bundesebene.


Eberhard Weichenhan aus Potsdam hat als Präsident des Landesanglerverbandes diesen Volkssport mit vielen Ideen und Initiativen noch attraktiver und damit auch Werbung für Brandenburg als anglerfreundliches Land gemacht. So wurden unter seiner Ägide neue Wege der Zusammenarbeit mit Fischern beschritten und mit dem „Märkischen Angler“ die erste Mitgliederzeitschrift im Deutschen Anglerverband herausgegeben. Ferner gelang es ihm, 2008 die Weltmeisterschaft im Süßwasserfischen für Menschen mit Behinderung nach Potsdam zu holen. Einmalig im zusammenwachsenden Europa ist auch sein Einsatz für den Sport über Ländergrenzen hinweg durch die Herausgabe einer zweisprachigen Angelberechtigung gemeinsam mit dem polnischen Verband.


Fotos der Auszeichnungsveranstaltung