Hinweis: brandenburg.de hat seine Internet-Seiten auf barrierefreien Zugriff optimiert und verwendet deshalb standardisiertes CSS (Stylesheets). Sollte Ihr Browser dieses nicht korrekt anzeigen, unterstützt er nicht die üblichen Webstandards. Weitere Informationen finden Sie hier.

Pressedienst

Cannabis-Produkte

Drogen

22.03.2006 Premiere: Neues Medienpaket zur Drogenprävention

Staatssekretär Lancelle: Rauschgiftkriminalität weiter angestiegen

 
Nr. 038/2006

Das Brandenburger Landeskriminalamt (LKA) hat heute (Mittwoch) im Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) in Ludwigsfelde ein neues Medienpaket zur Drogenprävention vorgestellt. An der Premiere des Films der preisgekrönten Regisseurin Esther Gronenborn mit dem Titel „Hast Du noch was vor?“ nahmen neben den jugendlichen Hauptdarstellern unter anderem Bildungs-Staatssekretär Burkhard Jungkamp und Innen-Staatssekretär Eike Lancelle teil. Die DVD wendet sich an rund 50 000 Kinder und Jugendliche in der Altersgruppe zwischen 12 und 15 Jahren in Brandenburg und soll über die Schulen verteilt werden. Zunächst ist eine Auflage von 3 000 Stück geplant. Weitere DVD s für die Altersgruppe der 8-11jährigen Schüler sowie der 16-18jährigen Jugendlichen sind vorgesehen. Hintergrund der DVD – Produktion sind die seit Jahren steigenden Fallzahlen im Bereich der Rauschgiftkriminalität in Brandenburg sowie die jünger werdenden Erstkonsumenten legaler und illegaler Drogen. Deshalb hat das LKA Brandenburg im Auftrag des Innenministeriums einen völlig neuen Weg in der Drogenprävention beschritten. Mit einem bundesweit einmaligen, modular aufgebauten Präventionspaket soll die Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für die Gefahren beim Umgang mit legalen und illegalen Drogen erreicht werden. Durch die Stärkung ihres Selbstbewusstseins, soll das künftige Medienpaket ihnen helfen, beim Drogenkonsum „Nein!“ zu sagen. Das geplante Gesamtpaket richtet sich an die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen von 8 bis 18 Jahren. Zusätzlich soll als Zusatzangebot eine Begleit-DVD für Eltern und Lehrer produziert werden, welche Hintergrundwissen und mögliche Argumentationshilfen vermittelt und damit eine solide Basis für weiterführende Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen schaffen soll. Das Medienpaket wird letztlich aus insgesamt 4 DVD + Begleitheft bestehen. Anstieg der Rauschgiftkriminalität Seit Jahren steigen in Brandenburg die festgestellten Fälle des Missbrauchs illegaler Drogen an. Im Jahr 2005 wurden laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) 6.977 Fälle der Rauschgiftkriminalität registriert. Gegenüber 6.656 Fällen im Jahr 2004 bedeutet dies erneut einen Anstieg um 4,8%. Zugleich ist die Aufklärungsquote in diesem Bereich auf 94,9% gestiegen, wobei 5.958 Tatverdächtige ermittelt wurden (2004: 5.557 Tatverdächtige). Jugendliche und Heranwachsende bilden dabei auch 2005 mit 53,9% (3.207 Tatverdächtigen) die prägende Tätergruppe. Prozentual stellen die 18- 20 Jahre alten Heranwachsenden 27,7% und die 14- 17 Jahre alten Jugendlichen 26,2% aller Tatverdächtigen in diesem Bereich. In Brandenburg zählen die Cannabisprodukte wie Haschisch und Marihuana neben Amphetaminen (auch Ecstasy) zu den am häufigsten konsumierten illegalen Betäubungsmitteln. Ein Großteil der jüngeren Tatverdächtigen sammelt erste Erfahrungen im Umgang mit Betäubungsmitteln im Freizeitbereich, aber auch im Umfeld von Schulen und Ausbildungsstätten. Neben einem häufig zu beobachtenden Probierverhalten geben viele der befragten Konsumenten als Gründe für den regelmäßigen Gebrauch illegaler Drogen Stress und Probleme in der Familie oder in der Schule, Langeweile sowie die eigene Perspektivlosigkeit im Anschluss an die Schulausbildung an. Die erkennbar hohe Verfügbarkeit von illegalen und legalen Drogen und die regionale Etablierung von Händlerstrukturen haben unter anderem dazu geführt, dass sich das Einstiegsalter für den Betäubungsmittel-Missbrauch weiter nach unten verschoben hat. Staatssekretär Eike Lancelle: „Es gehören sogar schon Zehnjährige zu den Erstkonsumenten von illegalen Drogen. Junge Menschen kennen oftmals die Risiken für die eigene Gesundheit nicht oder sehen den Besitz konsumgeeigneter Rauschmittel nicht als Straftat an. In Einzelfällen nutzen die Dealer auch die Unerfahrenheit und Neugier von Kindern aus und überlassen ihnen in unentgeltlicher oder entgeltlicher Form geringe Cannabismengen zum Probieren.“ Staatssekretär Burkhard Jungkamp: „Kinder und Jugendliche haben ganz komplexe Leistungen zur Aneignung der Welt zu erbringen. Drogenmissbrauch ist immer risikobehaftet und kann dafür nicht der richtige Weg sein. Kinder und Jugendliche benötigen unsere volle Unterstützung, Begleitung und Beratung auf dem Weg zu sich selbst und zu gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten. Junge Menschen haben ein Recht auf Förderung ihrer Entwicklung. Dazu leistet dieses Medienpaket einen wichtigen Beitrag.“ Besonders das Alter der Erstkonsumenten von Tabak und Alkohol seien besorgniserregend, sagte Lancelle weiter. Deshalb sei auch über die Hälfte der Filmmodule dem Bereich Alkohol- und Nikotinmissbrauch gewidmet: 19,6% der jungen Raucher und Raucherinnen rauchten nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes erstmals mit 12 Jahren, weitere 30% der Erstkonsumenten von Tabak waren 2004 sogar jünger als 12 Jahre. Auch die Erstkonsumenten von alkoholischen Getränken werden immer jünger: Rund Drei Viertel aller Jugendlichen bis 14 Jahren kennen Bier und Wein, rund zwei Drittel sogar Spirituosen. Den Ergebnissen der ersten Befragung auf Initiative der Landessuchtkonferenz im Jahre 2005 von ca. 10.000 Brandenburger Schülern der 10. Klassen aus 8 Landkreisen und kreisfreien Städte ist zu entnehmen, dass 35% der Mädchen und 32 % der Jungen täglich rauchen. Ein halbes Prozent der Mädchen und 2,5 % der Jungen trinken täglich Alkohol. Zählt man hier einen wöchentlichen Konsum dazu, werden 33 % der Jungen und 18 % der Mädchen registriert. Was den täglichen Konsum angeht, sind Alkohol und Haschisch vergleichbar: Ein halbes Prozent der Mädchen und 2 % der Jungen nehmen täglich Haschisch zu sich. Suchtreferentin des Landes Brandenburg, Ines Kluge: „Die Daten geben eine gute Grundlage für die kommunale Gesundheitsplanung. Es ist vorgesehen, die Befragung in den Landkreisen und kreisfreien Städten in angemessenen Abständen erneut durchzuführen. Damit besteht die Möglichkeit, die Daten in größeren Zeiträumen vergleichen und den Erfolg von suchtpräventiven Maßnahmen messen zu können, wie beispielsweise der Einsatz des neuen Medienpaketes und der vielen Aktivitäten im Rahmen der Landessuchtkonferenz Brandenburg.“ Staatssekretär Lancelle: „Neben einer permanenten und wirksamen repressiven Bekämpfung aller Formen des Missbrauches illegaler Drogen, ist die gemeinsame Drogenprävention unterschiedlicher gesellschaftlicher Ebenen und staatlicher Institutionen darauf auszurichten, gerade Kinder, Jugendliche und Heranwachsende stark gegen Drogen zu machen. Sie müssen vor allem darin unterstützt werden, „Nein!“ zum Drogenkonsum sagen zu wollen und auch zu können. Gerade hier setzt das neue Projekt des Landeskriminalamtes an.“ Staatssekretär Jungkamp: „Das Medium Film ist ein besonderer Lernort für Jugendliche. Es hat eine hohe Akzeptanz und nimmt in ihrem Leben einen hohen Stellenwert ein. Wenn Jugendliche den Nikotin-, Alkohol- und Cannabismissbrauch von Jugendlichen selbst problematisieren und deutlich machen, wo die Sehnsucht hinter der Sucht steckt, dann haben wir mit diesem Präventionsangebot in doppelter Weise eine gute Voraussetzungen geschaffen, um die Jugendlichen mit unseren Bemühungen, sie zu Kritikfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit zu führen, zu unterstützen. Es liegt uns sehr daran, dass ihr Weg ins Leben gelingt.“ Realisierung des Medienprojektes Mit der Umsetzung des Projektes beauftragte das LKA das „kakoii Medienbüro Berlin“. Als Regisseurin konnte dazu Esther Gronenborn, Trägerin des Deutschen Filmpreises in Gold, bekannt unter anderem durch ihren Film „alaska.de“, gewonnen werden. Die erläuternden Teile spricht Norbert Langer, die deutsche Synchronstimme von Tom Selleck, der zur Unterstützung des Projektes ohne Gage arbeitete. Im Januar 2006 fanden in Angermünde und Berlin unter dem Motto: „Bist Du 14 bis 19 Jahre alt und hast Interesse an der Schauspielerei?...“ die Castings von über 300 Jugendlichen sowie den polizeilichen Darstellern statt. Gefragt waren Lockerheit und sicheres Auftreten vor der Kamera, Improvisationstalent und Spielfreude, eine gewisse Extrovertiertheit und das Agieren im Team. Die Dreharbeiten folgten dann nach einem kurzen, aber intensiven Schauspieltrainingswochenende bereits Anfang Februar 2006. Mit Unterstützung der Schutzbereiche Barnim und Uckermark sowie der Ehm-Welk-Oberschule und des Einstein-Gymnasiums Angermünde- wurde dabei unter widrigsten Witterungsbedingungen jeweils bis zu 16 Stunden am Tag gedreht. Dazu waren 15 jugendliche Hauptdarsteller aus Angermünde und Berlin für die verschiedenen Jugend-Rollen sowie 2 Polizeibeamte aus dem Barnim als Darsteller für die Polizisten ausgewählt worden. Den Hintergrund bildeten dazu zahlreiche Schüler-Statisten, die eigens für diesen Zweck von den oben genannten Schulen freigestellt wurden.

Verantwortlich:
Dorothee Stacke, Pressesprecherin
Ministerium des Innern
Henning-von-Tresckow Str. 9-13
14467 Potsdam
Telefon (0331) 866 2060
Fax: (0331) 866 2666