www.stk.brandenburg.de

Platzeck beim M100-Sassouci-Kolloquium: Große Verantwortung der Medien in internationalen Krisenzeiten

veröffentlicht am 08.09.2006

Ministerpräsident Matthias Platzeck misst den Medien in den gegenwärtigen Zeiten internationaler Krisen und terroristischer Bedrohungen eine herausragende Verantwortung zu. Sie hätten heute vor allem die Aufgabe, den Menschen zu helfen, das Geschehen auf der Welt für sich einzuordnen und sich damit ein eigenes Urteil zu bilden, sagte Platzeck am Freitag auf dem Internationalen Medientreffen M100 in Potsdam. Dies sei deshalb so nötig, weil eine Zeit der Krisen leicht zu einer Zeit der Angst werden könne.

Platzeck weiter: „Aus Krisen findet der Auswege, der einen klaren Kopf behält. Darum ist Angst fast immer ein besonders schlechter Ratgeber. In einem Klima der Angst gedeiht Irrationalität, und Irrationalität ist der Nährboden für noch mehr Angst, nicht selten für Hysterie. Es ist das Unverstandene, das intellektuell nicht Verdaute, das uns am meisten ängstigt. Und deshalb heißen gerade in schwierigen Zeiten die wichtigsten Gebote: Aufklärung und rationale Debatte, Dialog und Selbstverständigung.“

Nach Einschätzung von Platzeck besteht vor diesem Hintergrund derzeit ein großes Dilemma: Empirische Forschung belege, dass die Menschen heute immer mehr kurze Geschichten und Neuigkeiten lesen und hören wollten, die für sie unmittelbar von Bedeutung seien, Lokales, Sport, Unterhaltung, Wetter.... Lange Texte über auswärtige Angelegenheiten stünden dagegen ganz unten auf der Prioritätenliste. Platzeck: „Heißt dies also im Ergebnis, dass wir genau diejenige Art von Journalismus in Zukunft immer weniger bekommen werden, die unsere Gesellschaften angesichts wachsender Bedrohungen immer dringender braucht? Und zwar deshalb, weil sich Aufklärung, Erörterung und Abwägung nun einmal weniger gut „rechnen“ als Ablenkung und Unterhaltung?“

Platzeck sieht Politik und Medien in dieser grundsätzlichen Frage an einem Strang ziehen: „Freiheitliche Medien und demokratische Politik brauchen die Selbstverständigung der Gesellschaft wie die Luft zum Atmen. In dieser Frage tragen wir, auf jeweils unterschiedliche Weise, gemeinsam Verantwortung für die Zukunft unserer Gesellschaften – und dies erst recht in Zeiten internationaler Krisen. Lassen Sie uns diese Verantwortung wahrnehmen.“