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Appel plädiert für verstärkte Eingliederung psychisch Kranker in Gesellschaft

veröffentlicht am 01.09.2006

Staatskanzleichef Clemens Appel hat sich für eine noch bessere Betreuung und verstärkte Eingliederung psychisch kranker Menschen in die Gesellschaft ausge-sprochen. Viele Ziele der Psychiatriereform seien in den vergangenen Jahren in Brandenburg erreicht worden, sagte Appel am Freitag auf der Festveranstaltung zum 15. Gründungsjubiläum der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psy-chosomatik des Johanniter-Krankenhauses in Treuenbrietzen. So sei eine wohn-ortnahe psychiatrische Krankenhausversorgung gewährleistet. Es gebe jedoch eine Reihe von mittlerweile auch neuen Herausforderungen, denen sich die verant-wortlichen Akteure und Leistungsträger möglichst in konstruktiver Kooperation stellen müssen. „Wir haben eine gemeindenahe Psychiatrie. Wir brauchen eine Gemeindepsychiatrie, die die vorhandenen Angebote sinnvoll vernetzt“, so Appel.

Im ambulanten Bereich stehe eine landesweite Umsetzung von Soziotherapie und häusli-cher psychiatrischer Pflege noch aus. Die Krankenkassenverbände und deren Vertrags-partner müssten entsprechende Regelungen vereinbaren. In der komplementären Ver-sorgung komme es weiter entscheidend darauf an, dass die Landkreise und kreisfreien Städte ihre Verantwortung wahrnehmen und sich tatkräftig für psychisch kranke Men-schen einsetzen. Die gesellschaftliche Eingliederung von psychisch Erkrankten könne letztlich nur gelingen, wenn vor Ort geeignete Hilfen und Angebote für die Betroffenen erreichbar sind. In der stationären Versorgung stelle sich die Frage, wie Allgemeinkran-kenhäuser ohne psychiatrische Abteilung durch geeignete Konsiliardienste von den be-stehenden psychiatrischen Fachkrankenhäusern und Fachabteilungen unterstützt werden können. Auch hier würden Netzwerke gebraucht, um die Versorgung im Flächenland Brandenburg sicherzustellen.

Appel verwies darauf, dass für die stationäre Behandlung von Menschen mit akuten psy-chischen Erkrankungen in Brandenburg 14 Fachabteilungen an Allgemeinkrankenhäu-sern sowie 4 Fachkliniken zur Verfügung stehen. Landesweit gebe es 26 psychiatrische Tageskliniken. Bei der ambulanten psychiatrischen Versorgung durch niedergelassene Fachärzte existierten regionale Unterschiede. Vor allem in ländlichen Gegenden seien lange Anfahrtswege und Wartezeiten für Patienten und Angehörige keine Seltenheit. Ein großer Fortschritt sei beim Aufbau komplementärer Einrichtungen erreicht worden. So existierten in Brandenburg 75 Wohnstätten, 17 Tagesstätten und 29 von Land und Kom-munen geförderte Kontakt- und Beratungsstellen für psychisch Kranke.
Appel resümierte: „Psychisch kranke Menschen bedürfen in besonderem Maße des staat-lichen Schutzes und der öffentlichen Fürsorge. Die Psychiatrie und generell der Umgang der Gesellschaft mit psychisch Kranken waren und sind noch heute ein Kompass, der anzeigt, in welche Richtung sich ein Gemeinwesen in politisch-kultureller und humanitärer Hinsicht entwickelt.“