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Neujahrsansprache des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck

veröffentlicht am 31.12.2005

„Die Zeit zwischen den Feiertagen gibt den meisten von uns Gelegenheit, ein wenig inne zu halten. Wir schauen, was hat das vergangene Jahr gebracht – was steht uns bevor. 2005 war für Deutschland ein turbulentes Jahr. Am Ende haben wir die erste Bundeskanzlerin der Geschichte und nach fast 40 Jahren die zweite Große Koalition der Bundesrepublik. Die neue Regierung muss und wird alles dafür tun, dass in unserem Land Vertrauen und Zuversicht wieder wachsen, dass die Menschen wieder mehr Sicherheit verspüren können und Perspektiven für sich und ihre Kinder sehen.

Auch die Landesregierung ist im Herbst vergangenen Jahres angetreten, um unser Land aus eigener Kraft zu erneuern und zukunftsfähiger zu machen. Die globalen Herausforderungen und die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft fordern uns. Auf noch längst nicht alle damit verbundenen Probleme haben wir eine Antwort. Die immer noch viel zu hohe Arbeitslosigkeit zeugt davon. Wir werden uns diesen Zwängen nicht ergeben, obwohl wir wissen, dass es keine schnelle Lösung gibt. Wir haben zunächst in der Haushaltspolitik unseres Landes umgesteuert. Bildung, Wissenschaft, Forschung und neue Technologien stehen im Mittelpunkt unserer finanziellen Bemühungen. Nicht weil wir denken, dass jeder Brandenburger ein Wissenschaftlicher sein wird. Nein das nicht – aber wir wissen, dass Handel, Handwerk und Gewerbe nur leben werden, wenn genügend Arbeitsplätze durch hochmoderne Produkte und Verfahren gesichert werden können und Kaufkraft da ist.

Deshalb haben wir die Wirtschaftsförderung in Brandenburg im ablaufenden Jahr auch gründlich den künftigen Erfordernissen angepasst. Da es wenig Sinn macht, weniger werdendes Geld immer breiter zu streuen, werden wir die Unterstützung auf zukunftsfähige Branchen und Wachstumskerne konzentrieren. Auch die große Stadt Berlin in unserer Mitte wollen wir künftig auf partnerschaftlicher Basis als Entwicklungsmotor noch mehr mit einbeziehen.

Wir können dabei auf gute Fundamente bauen. Wer wie ich viel im Land unterwegs ist, spürt deutlich, mit wie viel Elan und guten Ideen vor Ort darum gekämpft wird, dass es voran geht. Dabei zählen auch die kleinen Schritte. In den zurückliegenden Monaten habe wir intensive Gespräche mit den Kommunen, den Kammern, Verbänden und Unternehmen geführt – mit ihnen zusammen wollen wir den neuen Weg zum Wohle unseres Landes gehen.

Wenn ich vom Miteinander rede und vom gemeinsamen Tun, dann denke ich auch an die vielen Brandenburgerinnen und Brandenburger, die sich ehrenamtlich betätigen und das auf den unterschiedlichsten Gebieten. Ich denke an ehrenamtliche Bürgermeister und Gemeindevertreter, an Menschen, die in Sportverbänden, in Jugendclubs, im Umwelt- und Naturschutz, den freiwilligen Feuerwehren, der Sozial- oder Kulturarbeit tätig sind. Ich bin froh, dass wir in diesem Jahr für alle ehrenamtlich Tätigen von Landesseite eine generelle Unfall- und Haftpflichtversicherung abschließen konnten. Das gibt diesen überaus engagierten Menschen etwas mehr Sicherheit. Sie verdienen unseren Respekt – ohne Sie wäre unser Land ärmer.

Weihnachten und Silvester sind Ereignisse, zu denen Familien traditionell enger zusammen rücken. Die Familie ist nach wie vor ein wesentlicher Anker in unserem Zusammenleben. Aber die Gesellschaft verändert sich, auch die Familienstrukturen verändern sich. Eines Tages müssen sich die Älteren auch auf Hilfe von außen verlassen können, wenn keine Enkel da sind. Da ist es gut, wenn Menschen geübt haben füreinander einzustehen. Wenn Nachbarn und Kollegen aufeinander achten, einander unter die Arme greifen.

Weil wir uns mit der Tatsache auseinander setzen müssen, dass zu wenig Kinder geboren werden, will ich auch aus eigenen Erleben am heutigen Abend noch einmal sagen, dass Kinder unendlich viel Glück bedeuten. Sie sind unsere Zukunft. Auch deshalb arbeitet Brandenburg daran, eine besonders familienfreundliche Region in Deutschland zu werden.

Mein Rückblick gilt auch dem 3. Oktober dieses Jahres, als Hunderttausende Menschen in unserer Landeshauptstadt friedlich und fröhlich den 15. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung feierten. Dieses Fest ist mir in guter Erinnerung, auch weil es in Deutschland in guter Erinnerung blieb. Lassen Sie uns an diese Stimmung in 2006 anknüpfen – die Fußball WM, bei der auch wir Gastgeber für Zehntausende Touristen aus aller Welt sein werden, lädt auch dazu ein.

Zum guten Schluss möchte ich Ihnen versichern, dass Sie auch im kommenden Jahr auf mich als Ihren Ministerpräsidenten zählen können. Mit der Wahl zum Vorsitzenden der SPD habe ich eine ehrenvolle Aufgabe übernommen. Aber ich möchte Ihnen versichern: Mit allen mir zu Verfügung stehenden Kräften werde ich auch in 2006 dafür arbeiten, dass unser Land Brandenburg, das auch mein Heimatland ist, voran kommt. Sie, die Brandenburgerinnen und Brandenburger, können sich auf mich verlassen.

Nun bleibt mir nur noch, Ihnen und Ihren Familien ein gesundes, erfolgreiches und gesegnetes Jahr zu wünschen.“