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Platzeck würdigt Volkssolidarität – Gesellschaft braucht „mehr vom Geist des Miteinander“

veröffentlicht am 04.11.2005

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Es gilt das gesprochene Wort!


Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck mahnt eine breite Debatte über die Einstellung gegenüber älteren Menschen und die Solidarität innerhalb der Gesellschaft an. Der Wert steigender Lebenserwartung für die gesamte Gesellschaft werde vielfach unterschätzt, sagte Platzeck am Freitag auf einer Festveranstaltung zum 60-jährigen Bestehen der Volkssolidarität in Potsdam. Zugleich würdigte er den Verband als eine wichtige Stütze der Gesellschaft im Osten Deutschlands. Der Verband kümmere sich um ein denkbar breites Spektrum von Hilfebedürftigen, betonte Platzeck.

Der brandenburgische Ministerpräsident sagte wörtlich: „Statt das Altern ausschließlich als Problem zu betrachten, sollten wir uns vom positiven Geist anderer Nationen anstecken lassen. Japan wirbt für sich als Land des langen Lebens. Wäre das nicht eine kluge Option auch für Deutschland?“ Stattdessen leiste die Gesellschaft hier noch heute vielfach Altersdiskriminierung. „Das wird uns in spätestens 20 Jahren auf die Füße fallen. Dann befindet sich nämlich die Mehrheit der Menschen im Seniorenalter. Wir müssen unsere Einstellung dem Alter gegenüber unverzüglich ändern.“ Der Regierungschef erinnerte daran, dass im Jahre 2050 jeder dritte Deutsche über 60 Jahre alt sein wird. Nur jeder Sechste werde dann noch jünger sein als 20 Jahre.

Platzeck fügte hinzu, Alter sei vielfach ein Motor für Innovation. Ältere Menschen übernähmen heute ganz selbstverständlich Verantwortung für den Zusammenhalt der Generationen. Er bezeichnete ältere Menschen als einen „Aktivposten der Gesellschaft“.

Zudem mahnte der brandenburgische Ministerpräsident, die Gesellschaft müsse stärker als bisher von einem „Geist des Miteinanders und der Solidarität“ geprägt sein. Platzeck sagte wörtlich: „Wir haben jetzt die Chance, diese Erkenntnisse in den Vordergrund zu rücken. Ich für meinen Teil werde es auch tun und von anderen einfordern. Dazu brauchen wir alle Kräfte, über die gewohnten politischen Lager hinweg.“

Platzeck würdigte ausdrücklich die Arbeit der Volkssolidarität. Sie begleitete die Sozialpolitik in Bund und Land aufmerksam und kritisch. Sie habe sich damit als eine gewichtige Stimme im gesellschaftlichen Diskussionsprozess etabliert. „Wir sind dankbar dafür, dass die Volkssolidarität in vielfältiger Weise dazu beiträgt, dass Senioren im Land Brandenburg die Möglichkeit haben, ihre Ressourcen für das Gemeinwohl einzusetzen“, unterstrich Platzeck.


Die Volkssolidarität wurde am 24. Oktober 1945 in Dresden gegründet. In der Mark wurde die Organisation am 20. März 1946 aus der Taufe gehoben. Sie kümmerte sich um diejenigen, die besonders unter den Folgen von Krieg und Vertreibung zu leiden hatten und baute eine breite Palette von sozialen Diensten auf, von Volksküchen über Nähstuben bis hin zu Heimen für alte Menschen, Kinder und Jugendliche. Zu DDR-Zeiten wurde der Verband zentralistisch organisiert. Seine Aufgaben verengten sich auf die Betreuung alter Menschen. Nach 1989 setzte der Verband seine Seniorenarbeit fort, begann aber rasch auch mit dem Aufbau von Angeboten für neue Zielgruppen, etwa Kinder und Jugendliche, Demenzkranke, psychisch Kranke und Obdachlose.

Der Verband betreibt heutzutage flächendeckend unter anderem Begegnungsstätten, Mahlzeitendienste, Pflegedienste und Beratungsstellen. Die Volkssolidarität ist einer der mitgliederstärksten Verbände im Land Brandenburg. Viele der Mitglieder sind ehrenamtlich tätig.