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Der „Böse Ort“ verliert seinen Schrecken

veröffentlicht am 12.09.2005

Start der Deichrückverlegung bei Lenzen (Prignitz) an der brandenburgischen Elbe

Ministerpräsident Matthias Platzeck und Bundesumweltminister Jürgen Trittin haben heute den ersten Spatenstich für die Rückverlegung des brandenburgischen Elbdeiches bei Lenzen vorgenommen. Damit startet am so genannten „Bösen Ort“ ein in Deutschland in dieser Größenordnung einmaliges Projekt zum Schutz vor Hochwasser. An der Zeremonie nahmen der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, Hartmut Vogtmann, und Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Dietmar Woidke teil.

Platzeck erinnerte daran, dass der Deich am „Bösen Ort“ bei nahezu jedem Elbehochwasser für Schlagzeilen sorgte. Im Winter 2003 drückten Eisschollen bis an die Deichkrone. Rund eine Million Sandsäcke mussten im Sommer 2002 hier verbaut werden, um einen der kritischsten Abschnitte der Brandenburger Elbe, die hier eine fast 90 Grad scharfe Kurve nimmt, zu stabilisieren.

Platzeck wörtlich: „Eine der wichtigsten Lehren der verheerenden Hochwasser der letzten Jahre war, dass den Flüssen mehr Raum gegeben werden muss. In Brandenburg wird diese Lehre mit Unterstützung des Bundes und der EU beherzigt. Der heutige Tag ist aber nicht nur dafür Beleg. Die öffentliche Hand investiert Millionen, um Menschen, Tiere, Infrastruktur, eben ganze Landschaften vor dem nächsten Ernstfall besser zu schützen. Das ist ein Akt von Verantwortungsübernahme für das Gemeinwohl, wie ihn nur ein intakter, funktionierender Staat wahrnehmen kann.“

Der neue Deich schützt 3.800 Prignitzer Bürger, 1.400 Hektar Winterpolder in der Lenzener Wische sowie die B 195 und Industrie- und landwirtschaftliche Anlagen vor Hochwasser. Auf dem Neudeich entsteht ein 1,60 Meter breiter Radweg.

Der Ministerpräsident nannte die Deichrückverlegung eine „hochmoderne aber eigentlich auch sehr alte Idee“. Konkret bedeute sie, die aktuellen Klimaveränderungen ernst zu nehmen und sich die Natur zu Hilfe zu holen. Besonders angetan zeigte sich Platzeck von der Idee, den Altdeich stehen zu lassen und das Einströmen des Wassers durch die Schlitzung an verschiedenen Stellen gegebenenfalls zuzulassen.
Der Altdeich wird nach dem Bau des neuen Deiches fünfmal geschlitzt, so dass im Hochwasserfall bis zu 40 Prozent des Elbewassers auch in den neuen Überflutungsraum fließen kann. Der Flusspegel sinkt bei Extremhochwasser um 30 bis 40 Zentimeter, die Fließgeschwindigkeiten werden geringer. Durch den Neubau des Deiches in das Land hinein verkürzt sich auch die bei Hochwasser zu verteidigende Deichlinie von heute von 7,2 auf 6,1 Kilometer. Der Fluss erhält dadurch mehr Raum. Es entstehen 430 Hektar potenzieller Überflutungsraum, der sich in eine abwechslungsreiche Auenlandschaft verwandeln wird. Damit profitieren Hochwasserschutz und Naturschutz gleichermaßen von dem Projekt. Es fördert die Anpflanzung des Auwaldes, unterstützt Pflegemaßnahmen für die Stromtalwiesen und die Fischhabitate.
Zum Projekt gehören u.a. auch die Anlage eines Rundweges, die Anlage einer Aussichtsplattform sowie einer Besucherinformation.

Die Arbeiten dauern in drei Baustufen bis 2009. Heute erfolgte der Start für das erste Los, für das rund 3,9 Mio. Euro veranschlagt sind, finanziert aus der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes. Die Elbdeichrückverlegung wird ausschließlich aus Mitteln dieser Gemeinschaftsaufgabe (25 Prozent Bund, 75 Prozent EU) finanziert, insgesamt 13,8 Millionen Euro.