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Platzeck eröffnet im Bundesrat Ausstellung zum Deutsch-Polnischen Jahr

Deutsche und Polen sollten sich noch besser kennen und verstehen lernen

veröffentlicht am 28.04.2005

Der Bundesratspräsident, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, hat heute im Bundesrat in Berlin gemeinsam mit dem polnischen Senatspräsidenten Longin Pastusiak die Ausstellung „Frühling im Herbst“ anlässlich des bevorstehenden Deutsch-Polnisches Jahres eröffnet. In seiner Ansprache sagte er unter anderem:

„Am 30. April wird im Konzerthaus am Gendarmenmarkt das Deutsch-Polnische Jahr eröffnet. Als Ministerpräsident des Landes Brandenburg, welches eine lange gemeinsame Grenze mit Polen hat, begrüße ich dies ausdrücklich. Aber auch als Präsident des Verfassungsorgans Bundesrat freue ich mich auf das bevorstehende Deutsch-Polnische Jahr. Es soll dem noch besseren gegenseitigen Kennenlernen und Verstehen unserer beiden Völker dienen.

Allerdings muss das Deutsch-Polnische Jahr auch mit Inhalten gefüllt werden. Vor allen Dingen muss es durch viele persönliche Begegnungen lebendig werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland ein besonders wichtiges Anliegen. Genauso muss nach dem Ende des Eisernen Vorhangs in Europa und dem Fall der Mauer in Deutschland die gemeinsame mitteleuropäische Identität von Deutschen und Polen erfahrbar werden. Dazu bedarf es nicht nur der gegenseitigen Kenntnis von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Standpunkten. Hierüber haben wir bereits Einiges im Rahmen des Beitritts Polens zur Europäischen Union erfahren. Neben der Gegenwart ist für das gegenseitige Verständnis auch die Geschichte der Polen und der Deutschen von großer Bedeutung:

Dazu möchte ich mit der Eröffnung der Ausstellung - "Frühling im Herbst - vom polnischen November zum deutschen Mai. Das Europa der Nationen 1830 bis 1832." - beitragen.“... „Im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht ein im Jahr 1832 entstandenes klassisches Gemälde der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts: "Finis Poloniae 1831", dessen Original sich heute in der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin befindet. Der Historienmaler Dietrich Monten schuf es unter dem Eindruck des niedergeschlagenen Aufstandes der Polen gegen die zaristische Fremdherrschaft und des leidvollen Exils der polnischen Truppen. Nach der Zerschlagung der polnischen Armee flohen zunächst mehr als 9.000 Soldaten, und kurz darauf viele Politiker und Intellektuelle aus ihrer polnischen Heimat. Dabei durchquerten sie Deutschland in Richtung Belgien, Frankreich, Schweiz und Großbritannien. In der direkten Konfrontation mit dem Leiden der Flüchtlinge war die Anteilnahme groß. Die Polen galten damit als Vorkämpfer der europäischen Völkerfreiheit, was auch auf dem berühmten Hambacher Fest zum Ausdruck gebracht wurde. Die Begeisterung für die polnischen Freiheitskämpfer ist in zeitgenössischen Liedern, Bildern, Hilfslotterien, Reden usw. dokumentiert.“...“Die Ausstellung setzt das Bild Montens in den Mittelpunkt und dokumentiert das breite Echo, das dieses Geschehen in ganz Europa ausgelöst hat, vor allem in Polen, Deutschland und Frankreich.

Obwohl die Entstehung des Bildes bereits fast 175 Jahre zurückliegt, zeigt auch die jüngere Geschichte seine Aktualität: 15 Jahre nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs", dessen Ende nicht zufällig in Polen begann, behalten sowohl das Bild von Monten als auch diese Ausstellung eine besondere Bedeutung. Es ist unvergessen, wie der Generalstreik auf der Danziger Lenin Werft - organisiert von der Gewerkschaft "Solidarnosc' " - zunächst das kommunistische Regime in Polen ins Wanken brachte. Auch die Verhängung des Kriegsrechts konnte die alten Strukturen nur noch kurzzeitig stabilisieren. Nach und nach wurde der ganze ehemalige "Ostblock" vom Flächenbrand der Freiheit und der Selbstbestimmung erfasst.

Als Ministerpräsident eines der "neuen" Länder weiß ich, was wir den Polen zu verdanken haben. Auch aus diesem Grund habe ich die Idee nachhaltig unterstützt, diese Ausstellung im Bundesrat zu zeigen, um damit das Deutsch - Polnische Jahr würdig einzuleiten. Sie war bisher in vielen deutschen, polnischen und französischen Städten zu sehen, weil sie eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart Europas schlägt.“