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Nur wer sich der Katastrophen bewusst bleibt, ist davor gefeit, sie aufs Neue erleben zu müssen

veröffentlicht am 17.04.2005

Sperrfrist 17.04.2005, 00.00 Uhr
Presseinformation


Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck anlässlich der Gedenkveranstaltungen zum 60. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung der Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen

„Hier bei uns in Brandenburg endete vor 60 Jahren, im Frühjahr 1945, das Grauen von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg in Europa. Statt 1000 Jahre zu überdauern ging das nationalsozialistische Regime bereits nach 12 Jahren zugrunde. In militärischer Hinsicht war der Krieg für Deutschland längst verloren, als Hitlers Zerstörungswahn in den Schlachten um die Seelower Höhen sowie im Gemetzel des Kessels von Halbe noch einmal für Tausende und Abertausende den Tod bedeutete. In den Konzentrationslagern der Nazis fanden die Alliierten zu Tode erschöpfte, ausgehungerte, geschlagene Menschen vor. Unzählige waren zuvor auf Todesmärschen quer durch Deutschland wenige Tage vor der Erlösung umgekommen, waren erschlagen oder erschossen worden.

An diesem Tag erinnern wir uns an die Frauen, Männer und Kinder, die nach Sachsenhausen, Ravensbrück, Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau und an andere Orte Europas verschleppt wurden. Wir erinnern an die Millionen Opfer in den Vernichtungslagern von Auschwitz, Treblinka, Maidanek und Solibor. Ihre Schicksale sind und werden nicht vergessen! Das begreifen wir als unsere Verantwortung.

Das Land Brandenburg verfügt mit Sachsenhausen und Ravensbrück über authentische Orte, an denen Geschichte dem möglichen Vergessen entrissen werden kann. Die noch lebenden ehemaligen Häftlinge sollen wissen, dass hier ihr Leiden und das ihrer Kameraden für immer dokumentiert ist. Schritt für Schritt arbeitet das Land Brandenburg daran, Authentisches zu erhalten und so auch ein würdiges Gedenken weiterhin zu ermöglichen.

Die neu gestaltete Station Z in Sachsenhausen, die heute ihrer Bestimmung als Gedenkort übergeben wird, ist nur ein Beispiel dafür. Wir tun gut daran, uns selbst und so vielen anderen Menschen wie nur irgend möglich das Grauen von einst auch nach 60 Jahren in Erinnerung zu rufen. Denn nur wer sich der Katastrophen des „grausamsten Jahrhunderts“ der Geschichte bewusst bleibt, ist davor gefeit, sie aufs Neue erleben zu müssen.

Wie wichtig dieses Bekenntnis ist, sehen wir daran, dass Rassenhass, das Leugnen des Holocaust oder nationalsozialistisches Denken nicht aus den Köpfen von Menschen in Deutschland verschwunden sind. Seit Jahren müssen wir erleben, wie Rechtsextremisten die Kriegsgräber von Halbe auf schäbige Weise zu einem Wallfahrtsort ihrer verblendeten Ideologie zu machen versuchen. Dies ist nichts anderes als eine Form von Leichenfledderei, damit wird das Andenken dieser Menschen beschmutzt.

Das Land Brandenburg misst der Bekämpfung rechtsextremen Gedankengutes, das die Verbrechen des Nationalsozialismus klein redet oder gar leugnet, herausragende Bedeutung bei. Unsere Polizei geht entschieden gegen Rechtsextremisten vor. Zugleich wächst das gesellschaftliche Bündnis gegen Intoleranz und Ausländerfeindlichkeit. Gemeinsam wollen und werden wir dafür sorgen, dass Antisemitismus, Ausländerhass und Rechtsextremismus in Brandenburg nicht gesellschaftsfähig werden. Das sind wir den Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges, den Opfern der Nazibarbarei schuldig.“