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Grundstein für Wiederaufbau der Garnisonkirche gelegt

veröffentlicht am 14.04.2005

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Ministerpräsident Platzeck und Innenminister Schönbohm Teilnehmer der feierlichen Veranstaltung – Gedenken an Zerstörung Potsdams vor 60 Jahren

In Potsdam ist am Donnerstag der Grundstein für den Wiederaufbau der Garnisonkirche gelegt worden. Das Barockbauwerk, in dem Hitler 1933 den „Tag von Potsdam“ zelebrieren ließ, war 1968 durch die DDR gesprengt worden. In der bis 2017 wiederaufzubauenden Kirche soll ein internationales Versöhnungszentrum entstehen, für das im vergangenen Jahr das Nagelkreuz der Versöhnungskathedrale von Coventry verliehen worden war.

Ministerpräsident Matthias Platzeck erinnerte in seiner Rede an die wechselvolle Geschichte der Kirche, die als eine der schönsten Bauten des preußischen Barock galt. Viele Potsdamerinnen und Potsdamer könnten sich noch an die unversehrte Kirche erinnern. Platzeck: „Auch der Wunsch jener Augenzeugen ist ein Grund, die Kirche weitgehend historisch getreu wieder aufzubauen. Darüber hinaus gibt es viele andere Potsdamerinnen und Potsdamer und Freunde der Stadt, die sich das ursprüngliche Antlitz der barocken Garnisonkirche zurück wünschen – nicht ohne dabei die verheerenden Konsequenzen des „Tags von Potsdam“, dem Ort des Schulterschlusses zwischen Nationalsozialismus und Preußentum, aufzuarbeiten. Mit dem heutigen Tag ist der Weg dafür frei, dass die ehemalige Residenz und Garnisonstadt ein städtebauliches Herzstück zurück erhalten kann.“ Zudem erhalte Potsdam mit dem Internationalen Versöhnungszentrum eine weitere Stadtkirche und ein Zentrum kirchlicher Versöhnungsarbeit. „Als Mitglied der Internationalen Nagelkreuzgemeinschaft bestimmen Frieden und Versöhnung das Handeln des Internationalen Versöhnungszentrums.“

Platzeck schlug einen Bogen zur Bombardierung Potsdams vor 60 Jahren, bei der mehr als 1.500 Menschen ums Leben kamen. Platzeck: „Diese Grundsteinlegung reiht sich in das Gedenken an die Aprilnacht von 1945 ein. Der Liebe einiger Bewohner zu ihrer Stadt und der Unterstützung der Evangelischen Landeskirche, des Evangelischen Kirchenkreises Potsdam und der Stadt Potsdam haben wir es zu verdanken, dass heute der erste Stein für den Wiederaufbau der Garnisonkirche gelegt werden kann. Damit bis 2017 die Kirche wieder steht, ist viel Kraft, Ausdauer und vor allem viel privates Engagement erforderlich. Viel, sehr viel Geld wird benötigt, wenn das ehrgeizige Vorhaben Erfolg haben soll. Ich würde mich freuen, wenn der „Ruf von Potsdam“ in der ganzen Welt erhört wird.“

Innenminister Jörg Schönbohm stellte in seinem Grußwort fest, dass „die mit den Schäden und Zerstörungen der damaligen Angriffe verbundenen Erinnerungen uns mahnen, die Opfer von damals nicht zu vergessen und ihrer gerade in Momenten wie heute ein ehrendes Andenken zu bewahren.“ Er führte aus, dass „wir auch daran erinnern sollten, dass die Kommunisten die Kirche gesprengt haben, um sie ein für alle mal verschwinden zu lassen.“ Nicht zuletzt aus diesem Grunde sei „der Wiederaufbau der Garnisonkirche auch Zeichen dafür, dass man das Christentum bekämpfen und die Kirchen als Ort der Verkündung des Wort Gottes zwar wegsprengen aber nicht auf Dauer verhindern kann.“ Der Minister fügte hinzu, „es wäre daher meiner Ansicht nach sehr zu begrüßen, wenn in der Garnisonkirche dann auch wieder eine Personalgemeinde eingerichtet werden könnte.“

Minister Schönbohm verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, „dass es dann bei Abschluss der Bauarbeiten gelingen wird, die Kritiker mit dem wunderschönen Anblick dieses für die Landeshauptstadt Potsdam so wichtigen Gebäudes zu überzeugen und ebenfalls für die Garnisonkirche gewinnen zu können.“ Abschließend äußerte er den Wunsch, dass „in nicht allzu langer Zeit der Richtkranz über dieser Kirche zu sehen sein wird und damit eine Wunde, die von Krieg und ideologischer Verblendung geschlagen worden ist, alsbald geheilt werden kann!“