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25 Jahre Gedenkstättenstiftung – Festakt in Potsdam

veröffentlicht am 19.04.2018

Das Land Brandenburg hat das 25-jährige Bestehen der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten heute mit einem Festakt gefeiert, zu dem Ministerpräsident und Stiftungsdirektor gemeinsam geladen haben. An der Veranstaltung im Brandenburg Saal der Potsdamer Staatskanzlei nahmen rund 200 Gäste, darunter Überlebende der Konzentrationslager und ehemalige Inhaftierte der sowjetischen Speziallager teil. Den Festvortrag hielt der australische Historiker Andrew Beattie von der University of New South Wales in Sydney.


Ministerpräsident Dietmar Woidke dankte der Stiftung und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für deren „große Leidenschaft und beeindruckenden Erfolg". Ihre Arbeit finde „international große Beachtung und Anerkennung". Woidke: „Als erste Stiftung des damals noch jungen Landes Brandenburg steht sie heute für unseren erfolgreichen Aufbruch nach dem Ende der DDR. Gedenkstätten in Brandenburg wurden zu zeithistorischen Museen und offenen Lernorten entwickelt. Sie sind heute lebendige Kultureinrichtungen, die mit einem breiten Veranstaltungsprogramm ein pluralistisches Gedenken und einen vielschichtigen Wissens-zugang ermöglichen."


Ausdrücklich dankte Woidke dem scheidenden Stiftungsdirektor Prof. Dr. Günter Morsch für dessen engagiertes Wirken. Woidke: „Mit Hingabe und Leidenschaft hat sich Prof. Morsch dem Erinnern verschrieben. Vehement im Kampf um zeitge-schichtliche Notwendigkeiten, aufgeschlossen für eine Vielfalt von Perspektiven und überzeugt von der Notwendigkeit des Konzeptes vom ´offenen Lernort´. Als Mann der klaren Worte ist er dafür nie einer Debatte ausgewichen."


Die gemeinsam vom Land Brandenburg und vom Bund finanzierte selbständige Stiftung des öffentlichen Rechts „Brandenburgische Gedenkstätten" wurde zum 1. Januar 1993 gegründet. Zu ihr gehören die Gedenkstätten Sachsenhausen und Ravensbrück, die Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald, die Euthanasie-Gedenkstätte und die Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden in Brandenburg an der Havel sowie die Treuhandstiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße. Als die Stiftung Anfang 1993 ihre Arbeit aufnahm, stand sie vor der großen Herausforderung, die ehemaligen Nationalen Mahn- und Gedenkstätten der DDR in moderne, wissenschaftlich fundierte, pluralistische und diskursive Orte eines kritischen Geschichtsbewusstseins zu transformieren.


Stiftungsdirektor Günter Morsch sagte: „Mit der Eröffnung der Dauerausstellung zur Geschichte des Zuchthauses Brandenburg-Görden am 29. April kann der Erneuerungsprozess der brandenburgischen Gedenkstätten weitgehend abgeschlossen werden. Wir haben die Chance genutzt, die der Neuanfang 1993 bot, indem wir die Gedenkstätten nicht nur vom ideologischen Ballast befreit, sondern sie konzeptionell auf ein völlig neues Niveau gehoben haben, das im Nachgang auch für die Gedenkstätten in den westlichen Bundesländern beispielgebend wurde. Allerdings müssen wir einräumen, dass dieser Prozess sehr lange gedauert hat und immer noch nicht vollendet ist", so Morsch.


Der australische Historiker Andrew Beattie, ein exzellenter Kenner der deutschen Erinnerungskultur, hob hervor: „"Zur Erfolgsgeschichte der Gedenkstätten im wiedervereinigten Deutschland hat Brandenburg wesentlich beigetragen, nicht zuletzt durch die Errichtung einer Gedenkstättenstiftung, die in anderen Bundesländern Nachahmer gefunden hat. Auch inhaltlich haben die brandenburgischen Gedenkstätten Maßstäbe gesetzt. Die Gedenkstätten sind aus der Erinnerungslandschaft nicht wegzudenken, stehen aber nach wie vor vor großen Herausforderungen."


Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wurde in den vergangenen 25 Jah-ren vom Bund und dem Land Brandenburg mit 140 Mio. € institutionell gefördert. Aus Anlass des Stiftungsjubiläums erscheint ein umfangreicher Band, der die Bau-und Sanierungsmaßnahmen in Text und Bild dokumentiert.


Heute sind die brandenburgischen Gedenkstätten moderne zeithistorische Muse-en mit besonderen bildungspolitischen Aufgaben, die alljährlich von rund 850.000 Menschen aus aller Welt besucht werden, davon allein 700.000 in Sachsenhau-sen.


An den verschiedenen Standorten der Stiftung wurden rund 40 Dauerausstellungen erarbeitet und über 200 Sonderausstellungen gezeigt. Es fanden 150 Tagun-gen, Seminare und Konferenzen statt, 90 Bücher - Ausstellungskataloge, Erinnerungsberichte, wissenschaftliche Studien und Tagungsbände - wurden publiziert. In einem Vierteljahrhundert fanden mehr als 1.500 öffentliche Veranstaltungen statt, darunter Gedenkveranstaltungen, Zeitzeugengespräche, Lesungen, Vorträge, Theateraufführungen und Konzerte.


Prof. Günter Morsch, der bereits seit 1993 die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen leitet, wurde 1997 auch zum Direktor der Stiftung berufen. Er geht am 1. Juni 2018 in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird der derzeitige Leiter des Dokumentationszentrums Obersalzberg, Dr. Axel Drecoll.

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