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Neujahrsansprache von Ministerpräsident Dietmar Woidke

veröffentlicht am 01.01.2016

Bitte beachten Sie die Sperrfristregelungen:



Frei für Silvesterausgaben der Zeitungen,
Agenturen: 31.12.2015, 00.00 Uhr


Sperrfristen für elektronische Medien:

O-Tonauszüge bis zu einer Minute; 1. Januar 2016, 00.00 Uhr

O-Tongesamtausstrahlung Hörfunk: 1. Januar 2016, 12.00 Uhr

O-Tongesamtausstrahlung Fernsehen: 1. Januar 2016, 19.55 Uhr



Text der Neujahrsansprache des Ministerpräsidenten, die am Neujahrstag im rbb-Fernsehen nach der Sendung ‚Brandenburg aktuell‘ um 19.55 Uhr ausgestrahlt wird.


Liebe Brandenburgerinnen und Brandenburger, der märkische Autor Sten Nadolny schrieb einst von der „Entdeckung der Langsamkeit“. Zwischen den Jahren entdecken vielleicht auch Sie die Langsamkeit für sich – erst recht nach langer Silvesternacht. Doch ganz im Ernst: Ein bisschen Ruhe haben wir uns alle verdient. Verdient, weil auch 2015 ein jeder seine ganz persönlichen Herausforderungen zu meistern hatte – im Beruf, als Eltern oder bei der Pflege von Angehörigen. Aber auch, weil 2015 ein politisch aufreibendes Jahr war. Europäische Schuldenkrise, Ukraine-Konflikt und islamistischer Terror – es sind ernsthafte Dinge, die uns bewegt haben. Sie lösen sich zum Jahreswechsel nicht in Luft auf.


Fakt ist: Krisen und Konflikte hat es immer schon gegeben. Und doch leben wir Brandenburgerinnen und Brandenburger heute in einem sicheren und stabilen, in einem gerechten, in einem wohlhabenden und schönen Land. Wir leben in einem Land, dem es so gut geht, wie nie zuvor! 2015 haben wir unser 25-jähriges Landesjubiläum gefeiert. Das Motto „Am Mute hängt der Erfolg“ stammte von Fontane. Doch gemeint waren Sie, liebe Brandenburgerinnen und Brandenburger, ihr Mut, ihre Beharrlichkeit, ihr Durchhaltevermögen. Wir alle haben den schwierigen Aufbruch unseres Landes gemeistert.

Die heutige Generation unserer Landeskinder steht vor guten Zukunftsperspektiven – nicht zuletzt dank der tollen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt.  Aber auch sie hat ihre Herausforderungen. Die erste lautet demografischer Wandel. Sprich: Wir Brandenburgerinnen und Brandenburger werden zwar immer weniger. Dafür werden wir immer älter. Das stellt uns vor Herausforderungen, nicht nur bei der Sicherung der Sozialsysteme. Die zweite Herausforderung lautet Integration. Viele Flüchtlinge, vor allem aus Syrien, suchen dieser Tage Zuflucht und Perspektive in Brandenburg. Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, sie mit offenen Armen aufzunehmen. Denn Vielfalt und Veränderung sind nicht Bedrohung, sondern Chance!


Auch hier gilt: „Am Mute hängt der Erfolg“! Und doch gehört zu einem Herz immer auch Verstand. Ich sage ganz klar: Auch die Leistungsfähigkeit Deutschlands und Brandenburgs kennt Grenzen. Die Verfahren in Europa müssen geordnet werden, wir bleiben bei unserem Bestreben nach einem europaweiten Lastenausgleich. Ich sage aber auch: Wir dürfen keine neuen Mauern errichten, nicht an den Grenzen und nicht in den Köpfen. Denn hinter Mauern wachsen weder Wohlstand noch kulturelle Blüte. Ob hier oder weltweit – das hat die Geschichte gezeigt und das zeigt die Gegenwart.


Umso schöner ist es, dass sich in Brandenburg eine breite gesellschaftliche Allianz gebildet hat, die Integration anpackt. Das „Bündnis für Brandenburg“ vereint Politik, Kultur, Wirtschaft, Glaubensgemeinschaften, Verbände und Vereine. Es repräsentiert die ganze Breite unserer Gesellschaft. Es steht also nicht allein für Integration im Sinne der Flüchtlinge. Es steht auch für Integration im Sinne Brandenburgs.


Liebe Bürgerinnen und Bürger, es bleibt nicht aus, dass sich Brandenburg verändert. Aber Sie können mit Optimismus und Menschlichkeit dazu beitragen, dass es zum Besseren geschieht. Also lassen Sie sich von Anlaufschwierigkeiten nicht entmutigen! Und lassen Sie sich nicht blenden von populistischen Parolen und kurzfristigen Schlagzeilen! Denn eines steht fest: Integration ist eine langfristige Aufgabe. Nicht Aufgeregtheit, sondern nur ein langer Atem führt am Ende zum Erfolg. Ich wünsche Ihnen und Ihren Liebsten, Gesundheit, Erfolg und alles Gute für 2016!“