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Trauerfeier für Brigitte Sauzay

Rede von Ministerpräsident Matthias Platzeck anlässlich der Trauerfeier für Brigitte Sauzay am 28. November

veröffentlicht am 28.11.2003

„Wir haben eine Freundin verloren, die immer zu uns stand – und dieser Verlust schmerzt, er macht mich tief traurig. Brigitte Sauzay ist einfach unersetzlich. Sie fehlt uns. Ihr Lächeln, ihre Ausstrahlung, ihre sanfte Leidenschaft sind in diesen Räumen noch gegenwärtig. Ihre Krankheit und ihr Tod erscheinen unbegreiflich. In den vergangenen zwei Wochen haben sich zahlreiche Menschen in Frankreich und in Deutschland zu Wort gemeldet, die Brigitte Sauzay kannten, von ihr gelernt haben, sie bewunderten und ein Stück Wegs mit ihr gegangen sind. Die Zeitungen haben sie gewürdigt als eine der großen Persönlichkeiten der deutsch-französischen Beziehungen, als Pionierin des deutsch-französischen Dialogs, als Beraterin französischer Staatspräsidenten und des deutschen Bundeskanzlers, als Repräsentantin des französischen Geisteslebens und vorzügliche Kennerin der deutschen Kultur und Geschichte, nicht zuletzt als französische Patriotin und engagierte Fürsprecherin einer in nationaler Vielfalt geeinten europäischen Zivilisation.

Wohin passt da bei all der großen Politik das kleine Land Brandenburg? Unsere Begegnung begann mit dem Glücksmoment der deutschen Wiedervereinigung. Brigitte Sauzay, die 30 Jahre lang die deutsch-französische Zusammenarbeit im Herzen der europäischen Integration aus nächster Nähe begleitet hatte, machte sich wieder auf den Weg nach Deutschland, das wie Europa so stark im Wandel war. Mit einem langjährigen intellektuellen Vertrauten und politischen Geistesverwandten, dem Historiker Rudolf von Thadden, entwickelte sie die Idee und das Konzept einer europäischen Akademie im Osten Deutschlands.

Manfred Stolpe erkannte das Potenzial und unter seiner Schirmherrschaft konnte die Ansiedlung in Brandenburg realisiert werden. Als Doppelspitze des 1993 aus der Taufe gehobenen Berlin-Brandenburgischen Instituts für deutsch-französische Zusammenarbeit in Europa haben sich Brigitte Sauzay und Rudolf von Thadden wunderbar ergänzt. Sie haben Weltläufigkeit, Gelehrsamkeit und Eleganz hierher nach Genshagen gebracht. Und beide wussten den Glanz internationaler Diskussionen mit der Beschaulichkeit eines typisch märkischen Landguts ganz zwanglos zu verbinden. Das BBI hat dadurch einen unverwechselbaren Charakter bekommen.

In diesem Jahrzehnt sind prominente Namen in Schloss Genshagen zu Gast gewesen. Sie kamen auch deshalb, weil Madame Sauzay sie eingeladen hatte. Aber ebenso trafen sich hier deutsche und französische und – das ist wichtig – polnische Jugendliche, um das Europa von morgen zu besprechen.

Gern hätte ich Brigitte Sauzay noch einmal erklärt, wie dankbar ich für das Aufbauwerk bin. Lieber Professor von Thadden! Ich hätte Ihnen beiden gern gemeinsam noch einmal im Namen des Landes und des BBI-Kuratoriums Dank ausgesprochen. Nehmen Sie bitte diesen Dank heute auch stellvertretend für Ihre Mit-Direktorin entgegen.

Mir ist erst jetzt richtig bewusst geworden, dass Brigitte Sauzay keinen Weg gescheut hat, um die deutsch-französische Freundschaft selbst zu erleben und fortzuführen. Dies zieht sich wie ein roter Faden vom Studium in Freiburg bis hin zur Berateraufgabe an der Seite von Gerhard Schröder mit Arbeitsstab im Berliner Kanzleramt. Nicht von Ferne zu agieren, sondern vor Ort zu sein, war und blieb ihr Anspruch. Und das hat Kraft gekostet. Kraft, die wir bei aller Dankbarkeit vielleicht doch zu selbstverständlich entgegen genommen haben.

Die Art und Weise, wie sich Brigitte Sauzay nach der Wiedervereinigung mit ihrer ganzen Persönlichkeit dafür einsetzte, die Ostdeutschen vom Wert der deutsch-französischen Partnerschaft zu überzeugen, bleibt einmalig. Mit großem Einfühlungsvermögen hat sie uns Frankreich nahe gebracht und mit Frankreich auch einen uns bis dahin wenig bekannten Teil Europas. Sie hatte die seltene Gabe, behutsam und nachdrücklich und mit viel Herzenswärme Beziehungen aufzubauen und Freundschaften zu stiften. Mit Takt, Klugheit und Kenntnis konnte sie überzeugen.

Trotz all ihrer herausragenden Pflichten in Berlin, kam sie auch in den letzten fünf Jahren oft nach Brandenburg. In die deutsch-französischen Initiativen hat sie die ganze Hauptstadtregion einbezogen. All diese Anstrengungen hat Brigitte Sauzay für uns unternommen. Es liegt jetzt in unserer Verantwortung, diese Arbeit fortzusetzen. Ich glaube, das ist die beste Art, wie wir uns an sie erinnern können. Es hätte sie gefreut, da bin ich sicher.

Liebe Angehörige! Lassen Sie mich bitte mein tief empfundenes Beileid aussprechen. Das Andenken an Ihre Gattin, Ihre Schwester bleibt in Schloss Genshagen lebendig. Denn auch hier hatte sie ein Zuhause.“