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Den eigenen Stärken vertrauen

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck erklärt zum
Tag der Deutschen Einheit

veröffentlicht am 03.10.2003

„Die Wiedervereinigung Deutschlands war für uns alle ein kaum erhoffter Glücksfall. Ich erinnere mich noch lebhaft an die Monate im Herbst 1989, an die Öffnung der Mauer, an die plötzliche Freiheit der deutsch-deutschen Begegnung, aber auch an die Chance der freien politischen Willensbildung im Osten Deutschlands. Wir haben den viel zitierten Atem der Geschichte wirklich gespürt. Auf einmal war es möglich, selbst Hand anzulegen bei der Demokratisierung der Verwaltung, dem Aufbau der Städte und Gemeinden. Wir erlebten bürgerschaftliches Engagement im besten Sinne des Wortes.

Diese Aufbruchstimmung der Wendezeit brauchen wir heute wieder. Mehr denn je kommt es für die Ostdeutschen darauf an, den eigenen Stärken zu vertrauen und nach eigenen Lösungen zu suchen. Die „Wiederentdeckung“ der Gesundheitszentren ist ein Beispiel dafür, dass auch Vernünftiges aus der DDR einen Platz im geeinten Deutschland finden wird. Angleichung der Lebensverhältnisse bedeutet nicht Nachbau West.

Am meisten bedrückt uns hier im Osten im 13. Einheitsjahr die beschämend hohe Arbeitslosigkeit. Wir müssen alles tun, um diesem Übel Herr zu werden. Es wäre deshalb töricht, unsere noch vorhandenen Standortvorteile gegenüber dem Westen aus der Hand zu geben. Dazu zähle ich ausdrücklich auch die 38-Stunden-Woche in der Metall-Branche. Angesichts der immer noch geringeren wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wird es noch einige Zeit nötig sein, an Wirtschaftsfördermaßnahmen wie der Investitionszulage ebenso festzuhalten. Zugleich gibt uns der Solidarpakt II bis 2019 Planungssicherheit. Er ist Ausdruck der Solidarität von ganz Deutschland mit den Ostländern. Ebenso wahr ist: Wer daran rütteln will, gefährdet die Stabilität der Bundesrepublik Deutschland insgesamt.“