www.stk.brandenburg.de

Platzeck zur Diskussion um Randregionen:
Ehrliche Bestandsaufnahme aber keine Horrorszenarien

veröffentlicht am 29.08.2003

Ministerpräsident Matthias Platzeck sieht in den schwierigen demografischen Problemen der Randregionen Brandenburgs eine Herausforderung, die das Land bewältigen muss. Platzeck äußerte sich am Freitag bei den „Kröchlendorffer Gesprächen“ zum Thema „Lebenswerte Uckermark oder absterbende Region“. Besorgnis erregende Entwicklungstrends wie Bevölkerungsrückgang und Veränderungen in der Altersstruktur gerade in den Randregionen dürften weder verschwiegen noch schöngeredet werden. Ehrlichkeit und Realitätssinn seien gefor-dert. Falsch sei es aber, von „sterbenden Regionen“ oder von „Katastrophen“ zu reden.

Platzeck: „Gerade auch in der Uckermark wurde die Zeit seit 1990 genutzt, um gemeinsam mit der Region die Entwicklungschancen zielstrebig zu verbessern.“ Er nannte die Stabilisierung des Industriestandortes Schwedt, den Tourismus in einem dauerhaft geschützten wertvollen Naturgebiet und die Verwirklichung zahlreicher Verkehrsinfrastrukturvorhaben.

Platzeck verwies darauf, dass die Uckermark zwischen den beiden städtischen Großräumen Berlin und Szczecin (Stettin) liegt. Die Wirtschaftsachse zwischen beiden Städten, die über Eberswalde und Schwedt verläuft, habe angesichts des EU-Beitritts Polens zum 1. Mai 2004 eine herausragende Bedeutung für die Region. Brandenburg arbeite unter anderem darauf hin, dass der Bund die Autobahn Berlin-Stettin vollständig ausbaut und die Bahnverbindung verbessert wird.

Platzeck fügte hinzu: „Bei der Versorgung werden im Zuge des demografischen Wandels mobile und flexible Dienste in vielen Formen an Bedeutung gewinnen: So gibt es ein vom Bund unterstütztes Pilotprojekt für Rufbusse in den Kreisen Barnim und Uckermark, die den herkömmlichen Taktverkehr ersetzen. Der mobile Hausarzt, den wir von früher kennen, kommt wieder. In diese Richtung ist weiter zu denken, allerdings mit der Maßgabe, auf gute Qualität und guten Service zu achten.“

In diesem Zusammenhang empfahl Platzeck, von den Erfahrungen europäischer Nachbarstaaten zu lernen. So sei in Schweden die Modernisierung der Gesellschaft auch in Gegenden mit dünner Besiedlung und einem Bevölkerungsrückgang über Jahrzehnte gelungen, ohne dass die Bevölkerung verarmte oder sich benachteiligt fühle.

Generell stellte Platzeck erneut klar, dass der Verflechtungsraum um Berlin nicht gegen die Peripherie des Landes ausgespielt wird. Es komme vielmehr darauf an, die überlebensfähigen Kerne zu stabilisieren. Platzeck: „Wir müssen die Städte stärken, um die ländlichen Räume mitzuentwickeln. Städtische Kerne haben in Brandenburg eine Art ´Ankerfunktion´ für die umliegenden Gemeinden. Wo weniger Menschen leben, kommt es umso mehr darauf an, Versorgungsangebote und Dienstleistungen zu konzentrieren. So entsteht ein Netzwerk, dessen Einzugsbereich bis in die Berlin fernen Räume reicht.“

Platzeck verwies in diesem Zusammenhang auf das Zusammenwachsen von Berlin und Brandenburg zu einer Hauptstadtregion. Diese Verflechtung sei Voraussetzung dafür, dass sich Berlin-Brandenburg in den nächsten Jahrzehnten zu einem attraktiven Metropolenraum entwickelt. „Eine der wichtigsten Bedingungen müssen wir jedoch noch schaffen: das gemeinsame Land. Die Anstrengungen, die wir dafür unternehmen, tragen auf Generationen hinaus in vielfacher Weise Früchte.“