Staatskanzlei

„Mehr miteinander reden als übereinander" - Woidke verteidigt Erbe der friedlichen Revolution

veröffentlicht am 05.11.2019

Bundesratspräsident Dietmar Woidke hat dazu aufgerufen, offen über das Erbe der friedlichen Revolution und den Aufbau Ost zu reden. Dabei müssten die unterschiedlichen Sichtweisen zur Sprache kommen, und es sollte auch der Blick nach vorne gerichtet werden. „Reden wir mehr miteinander, statt übereinander! Schildern wir unsere Hoffnungen und Sorgen von damals und von heute. Wir werden Gemeinsamkeiten finden, mit denen wir nicht gerechnet haben. Und sicher auch Unterschiede, bei denen wir feststellen, dass sie uns nicht wehtun", sagte Brandenburgs Ministerpräsident heute auf dem „Abend für die Demokratie" in der Landesvertretung in Berlin.

Er erinnerte an den Mut und die Entschlossenheit, mit der Menschen in der DDR 1989 für Freiheit und Demokratie demonstrierten. Er kritisierte scharf „die Demokratiefeinde, die versuchen, das Erbe der friedlichen Revolution zu kapern."

Woidke weiter: „Durch die aktuelle Diskussion wird immer wieder aus dem Blick verloren, wieviel Gutes in den vergangenen fast 30 Jahren gemeinsam von Ost- und Westdeutschen aufgebaut wurde. Immer wieder wird es nicht mehr gesehen oder sogar schlecht geredet."

 

Zugleich wies er darauf hin, dass besonders die 1990er und Anfang der 2000er Jahre für viele Menschen in Ostdeutschland nicht leicht gewesen seien. Unter den Brüchen, der Abwanderung und der plötzlichen sozialen Unsicherheit hätten viele gelitten. „Ich kann das Unverständnis darüber nachvollziehen, dass 30 Jahre nach der deutschen Einheit Löhne und Renten in Ost und West immer noch unterschiedlich sind", so Woidke.

Woidke: „Aus der Arbeit im Bundesrat weiß ich, dass der Aufbau Ost als gesamtdeutsche Aufgabe gesehen wird - nicht nur aus Solidarität, sondern weil von einem starken Osten alle profitieren." Die Bundesregierung forderte er auf, „einen Ort zu schaffen, der sich mit den Aufbauleistungen der vergangenen Jahrzehnte mit all ihren Erfolgen, aber auch Brüchen objektiv befasst." Dies könne auch ein Lernort für Demokratie werden.

Auf Einladung des Bundesratspräsidenten Dietmar Woidke trafen in der Landesvertretung Brandenburgs Zeitzeugen des Mauerfalls und der Aufbaujahre auf jüngere Menschen, die im vereinten Deutschland groß geworden sind. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizère, die Mitbegründerin der Initiative „Dritte Generation Ost", Judith Enders, und Sandra Spletzer vom Netzwerk der Rückkehrinitiativen „Ankommen in Brandenburg" diskutierten, was seit 1989 erreicht wurde - und was noch nicht.

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