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Wurst im Brötchen

Hans Wurst ist drin, Antigone auch

Intranet

"Ich find's wunderbar, dass Du mich nicht siehst,..."
sagt sich die anonyme Diskussionsteilnehmerin und zieht so richtig vom Leder.

So, etwas weniger ausgeprägt, hatten sich die Verantwortlichen es vorgestellt, als die Idee entstand, ein anonymes Diskussionsforum für die rund 200 Beschäftigten der Staatskanzlei im Intranet einzurichten. Diese sollten "hierarchiefrei" ihre Ansichten und Vorschläge zu Themen wie "Zielvereinbarungen und Leitbild", "Einsparung einer Abteilung" und "Transparenz und Mitarbeiterbeteiligung" kundtun können. Schlechte Erfahrungen in anderen Diskussionsforen wurden zurückgestellt. Das war gut so, Beiträge "unter der Gürtellinie" oder besonders unsachliche sind ausgeblieben.

Neben den vorgegebenen, von einem Moderator betreuten Themen zur Verwaltungsmodernisierung dürfen alle auch eigene Themen einrichten. Zeitweiliger Renner war das Thema "Kantinenessen" - hier kann sowieso jeder seinen Senf dazugeben - inzwischen abgelöst durch die vom Personalrat eingestellte Themenpalette "Beurteilungswesen", "Vorgesetztenfeedback" und "Fortbildungskonzept".

Wie in allen Diskussionsforen gibt es (sehr) aktive TeilnehmerInnen und solche, die nur als LeserInnen auftreten. Nach 3 Monaten waren 56 Beschäftigte als Mitglied registriert. Von diesen beteiligten sich rund die Hälfte mit einem oder mehr Beiträgen.

Es zeigt sich, dass nur solche Themen ziehen, bei denen eine Betroffenheit besteht oder ausgelöst wird. Es ist weniger schwierig, den eigenen Standpunkt zu vertreten. Aber dazu muss man ihn erst mal kennen und dies tut nur der Ge-/Betroffene. Dies ist an sich nichts Neues. Auch nicht neu ist die Erkenntnis, dass je konkreter die Frage oder das zur Diskussion stehende Thema ist, je eher findet eine Auseinandersetzung damit statt. Vor allem, wenn der Einstieg ohne Wortungetüme und Fachchinesisch auskommt. Etwas überraschend war neben der schwachen Anfangsbeteiligung, dass das erhoffte Feuerwerk an Ideen oder kritischen Äußerungen ausgeblieben ist. Trauen die Beschäftigten der Anonymität nicht? Läuft alles bereits so optimal, dass Ideen nicht vorhanden oder benötigt werden? Wird das Diskussionsforum als Möglichkeit der Mitarbeiterbeteiligung nicht ernst genommen nach dem Motto "Meine Meinung wird oben ohnehin als unmaßgeblich abgetan"?

Das ist der kritische Punkt!

Wenn (nur) die MitarbeiterInnen diskutieren und keine Rückkopplung von der Organisation und/oder der Leitung spürbar wird, läuft sich jede Diskussion über Verwaltungsmodernisierung tot. Dann ist das Forum nur ein Feigenblatt oder verkümmert zum Meckerkasten.

Dem wird in der Staatskanzlei begegnet durch eine Auswertung der Diskussionsbeiträge in der ressortinternen Arbeitsgruppe Verwaltungsoptimierung und der Einstellung der Ergebnisprotokolle der Arbeitsgruppe als Link im Forum bzw. im Intranet.

Ob dies Früchte trägt und das anonyme Diskussionsforum als echtes und dauerhaftes Element der Mitarbeiterbeteiligung angesehen wird, bleibt abzuwarten.

Gut wäre es, wenn das Anfangszitat nicht fortgesetzt werden muss:

"......ich find's wunderbar, dass Du Dich vor mir verkriechst." (H. Grönemeyer aus "Bleibt alles anders")

Olav Berger ]
olav.berger2@stk.brandenburg.de

16.10.2002