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Qualitätsmanagementsystem in der Bauverwaltung

Interview mit den Leitern der Landesbauämter Frankfurt/Oder und Cottbus, Michael Tschauder und Ulrich Morawitz

In der Bauverwaltung wird ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt. Wofür wird es gebraucht und weshalb wird es jetzt eingeführt?
Michael Tschauder: Es ist unstrittig, dass ein Qualitätsmanagement - das sogenannte QMS - notwendig ist, um auch Behörden leistungsfähiger zu machen. Das hat auch der Sachverständigenrat "Schlanker Staat" der Bundesregierung festgestellt. Grundsätzliches Ziel ist die Verbesserung der gesamten Arbeit, verbunden mit höherer Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Im Rahmen der Zusammenführung von Liegenschafts- und Bauverwaltung haben wir die Möglichkeit, für diese neu zu bildende Verwaltung jetzt ein QMS zu entwickeln. Die Gelegenheit ist also besonders günstig. Durch diese Zusammenlegung werden nicht nur die Aufgaben der Landesbauämter, sondern perspektivisch auch die Aufgaben der Grundstücks- und Vemögensämter durchgängig vom Qualitätsmanagement erfasst. Mit der Einführung dieses QMS erfüllen wir auch ein vom Beirat zum Prozess der Verwaltungsoptimierung initiiertes Pilotprojekt zu dieser Thematik.

Wie war und ist der zeitliche Ablauf der Erarbeitung des Qualitätsmanagements und welcher Stand wurde bisher erreicht?
Ulrich Morawitz: Im Mai des vergangenen Jahres haben wir unter Einbindung externer Unterstützung mit der Vorbereitung und Erarbeitung des QMS begonnen. Unter der Leitung von Herrn Tschauder und mir wurde ein Arbeitskreis Qualitätsmanagement mit Vertretern der Oberfinanzdirektion und aller fünf Landesbauämter gebildet, der in bislang 12 Ganztagesveranstaltungen und teilweise in Wochenendarbeit das "Qualitätshandbuch Bau" erarbeitet hat. Parallel dazu müssen noch bis November 2002 drei Arbeitsanweisungen und das Gebäude- und Liegenschaftsmanagement erarbeitet werden. Das ist noch ein großes Stück intensiver, aber auch sehr konstruktiver Arbeit. Am 24. Juni 2002 stellten wir das "Qualitätshandbuch Bau" im Finanzministerium vor; Anfang Juli 2002 wurde auf dieser Grundlage die Pilotierung im Landesbauamt Cottbus begonnen.

Wie wird damit gearbeitet? Hat jetzt jeder Mitarbeiter das Handbuch als "Arbeitsbibel" auf dem Schreibtisch?
Ulrich Morawitz: Die Pilotierung im Landesbauamt Cottbus soll folgendermaßen ablaufen: Die Einweisung aller Mitarbeiter zum QMS soll bereits bis Ende Juli abgeschlossen sein. Alle Abteilungen des Amtes erhalten ein Qualitätshandbuch. Gleichzeitig stellen wir das Handbuch an jedem Arbeitsplatz über den Computerbildschirm zur Verfügung. Die im Handbuch festgelegten Verfahrens- und Arbeitsanweisungen sind dann ab sofort Richtschnur der täglichen Arbeit.
Wo liegen die Schwerpunkte? Wir haben ganz klare Kernpunkte herausgearbeitet:
  1. Vorrangig ist die Orientierung unserer gesamten Arbeit auf die Zufriedenheit unserer Auftraggeber/Kunden; das gilt insbesondere für die qualitäts- und termingerechte sowie wirtschaftliche Bereitstellung der geforderten Leistungen.
  2. Die Lenkung und Leitung aller qualitätsrelevanten Prozesse wird kontinuierlich verbessert.
  3. Angelpunkt ist die Erhöhung der Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Fachkunde unserer Mitarbeiter.
  4. Dafür ist Mitarbeitermotivation grundlegend. Denn gute Arbeit ist nur möglich, wenn sie Spaß macht und teamorientiert ist. Die Zufriedenheit der Beschäftigten ist für mich deshalb ganz wesentlich.
Durch zwei interne Audits und eine Managementbewertung im November/Dezember diesen Jahres wollen wir erste Erfahrungen auswerten; im Anschluss werden im Qualitätsplan 2003 Zielstellungen in der Qualitätsarbeit festgelegt.

Michael Tschauder: Alle Landesbauämter, also Potsdam, Brandenburg, Frankfurt/Oder und Bernau, haben bereits das "Qualitätshandbuch Bau" erhalten, so dass sie sich bereits jetzt damit vertraut machen können. Außerdem haben wir so die Möglichkeit, Hinweise und Verbesserungsvorschläge aus diesen Ämtern noch in der Pilotierungsphase zu berücksichtigen.

Wann erfolgt die Einführung in der gesamten Bauverwaltung?
Michael Tschauder: Nach der Pilotierung im Landesbauamt Cottbus soll zum 1. Januar 2003 QMS in der gesamten Bauverwaltung eingeführt werden. Nun kann man natürlich fragen, warum diese Eile? Mit der Zusammenführung der Ämter entstehen ganz neue Liegenschafts- und Bauämter, die sich anders darstellen als ihre Vorgänger. Sie sollen ein ganzheitliches Immobilienmanagement realisieren und als zentrale Dienstleister für dezentrales Ressortvermögen kostengünstige Betriebsführung und Bewirtschaftung der Liegenschaften gewährleisten. Dazu ist in allererster Linie eine viel stärkere Kundenorientierung zu entwickeln als diese bis dato der Fall war. Unter Kunden verstehen wir dabei die Ressorts der Landesregierung mit allen nachgeordneten Behörden und Einrichtungen sowie nach wie vor im Baubereich auch die Ressorts der Bundesregierung, soweit sie in Brandenburg bauen.

Wir sind sicher, dass wir mit dem Qualitätshandbuch einen entscheidenden Schritt zur Erreichung dieses Zieles gemacht haben.


30.07.2002