format_B

Impressum | SiteMap
Illustration Sprache

Nach innen gewendet

Anmerkungen zum Thema Sprache und Verwaltung

Das Bild vor den Augen verschwimmt. Endlose Text- und Zahlenberge schichten sich auf. Zeile um Zeile, Absatz um Absatz, Seite um Seite entsteht ein monolithischer Block, der jeden spontanen Einfall, jede klare Schlussfolgerung verschluckt. Die undurchdringliche schwarze Masse verdichtet sich mit jeder neuen Akte, die auf dem Schreibtisch landet. Unaufhaltsam. Die wesentlichen, schlimmer noch: die interessanten Informationen sind unwiederbringlich verloren. Die Gedanken zerfließen, und immer stärker wird der Wunsch, den Kopf von dieser Last zu befreien.

Albtraum eines Mitarbeiters der Landesverwaltung? Hoffen wir, dass es so schlimm nicht steht um die lesenden, denkenden und schreibenden Kräfte in Brandenburg. Die Gefahr, die das düstere Bild umschreibt, ist aber weithin bekannt: Eine Flut an Informationen überspült uns täglich. Sie berührt das eigene Tätigkeitsfeld oft nur mittelbar oder überhaupt nicht. Mit der Einführung von E-Mail hat sich das Problem noch verschärft: Kinderleicht lassen sich Nachrichten weiterverschicken und Verteiler anlegen, die den Posteingang zum Platzen bringen.

Ein Filter tut also Not - und der kann nur im eigenen Kopf zu finden sein. Eine erste, wichtige Hilfe, um der Überfülle Herr zu werden und die nötige Auswahl treffen zu können, ist die Verbesserung der eigenen, d.h. der internen Verwaltungssprache.

Bürgernähe und Verständlichkeit der Verwaltungssprache sind seit vielen Jahren Thema der Verwaltungsreform. Der Umbau zu einer bürgerorientierten Verwaltung umfasst auch eine neue Form der "Amtssprache": klar formuliert, leicht erfassbar und freundlich. Es macht aber keinen Sinn, zwischen interner und nach außen gerichteter Sprache zu unterscheiden. Damit sich der "richtige" Umgangston nach außen durchsetzt, ist es ebenso wichtig, über die interne Kommunikation der Verwaltung nachzudenken.
Einige Beispiele mögen dies erläutern. Geht es um den "Erfahrungsbericht über die Intensivierung der Notwendigkeitsprüfung von Normen und Standards", so lässt schon der Titel am Gelingen des Vorhabens (ver)zweifeln. Meines Erachtens sollte es hier mehr um die Reduzierung von Substantivierungen denn um die Reduzierung von Normen und Standards gehen (Oder hat Ihnen der letzte Satz etwa gefallen?). Erscheint in einem Vermerk das Verb des Einleitungssatzes erst in Zeile fünf, so ist die Vorfreude auf den weiteren Text doch sehr gedämpft. Und schließlich, um nicht nur andere zu kritisieren: format B kann sich auch an die eigene Nase fassen, wenn in einer vierseitigen Ausgabe das wunderschöne Wort "Verwaltungsmodernisierung" vierunddreißig Mal auftaucht!

Zum Glück haben wir das Heilmittel schon gefunden: Wir sprechen englisch, wir sind modern! Englische Fachbegriffe suggerieren Fortschritt und Dynamik. Doch mancher Fachbegriff verliert im deutschen Kontext jede Kontur, und oft erhält das alte Problem durch ein Fremdwort nur einen neuen Anstrich. Kurz: es ändert sich nichts. Die Bezeichnung "Kick-Off-Meeting" hebt die Qualität einer schlecht vorbereiteten Auftaktveranstaltung ebenso wenig wie die Überschrift "Benchmark" das Niveau einer dürftigen Vergleichsanalyse. Und über allem steht das Management - vom Change- über das Projekt- und Prozessmanagement bis hin zum totalen Managing im Total Quality Management (TQM).
Und trotzdem, bei aller (angebrachten) Skepsis verändern die vielen Anglizismen das eigene ebenso wie das öffentliche Bild von der Verwaltung. Hier der Workshop und die Servicestelle, dort die Wochenend-Arbeitssitzung und das Verwaltungsamt. Es kommt letztlich darauf an, auch tatsächlich eine Qualitätsverbesserung zu erreichen. Sei es in Englisch, sei es in Deutsch, eine klare, verständliche Sprache kann dazu wesentlich beitragen.

Nützliche Informationen zum Thema finden sich unter der Adresse www.wissen-im-inter.net. Das Bundesverwaltungsamt bietet dort u.a. ein Handbuch "Bürgernahe Verwaltungssprache" kostenlos zum Download an (Menüpunkt: "Organisation").

Philipp A. Riecken ]
philipp.riecken@mwfk.brandenburg.de

10.06.2002