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"Überhang"

Was ist das eigentlich, das da überhängt? Oder besser gefragt, wer hängt da eigentlich "über"? Die Meinungen gehen an dieser Stelle auseinander. Die einen reden vom Überhang und meinen damit die Stellen, die künftig nicht mehr finanziert werden können. Die anderen verstehen unter Überhang diejenigen Beschäftigten, die schon jetzt nichts mehr zu tun haben. Und letzteres gibt es angesichts der Aufgabenfülle eigentlich nicht.
Wer einen Fachabteilungsleiter oder andere Fachverantwortliche fragt, bekommt regelmäßig die Antwort, nicht weniger Personal wird benötigt, sondern mehr oder zumindest besser qualifizierte Mitarbeiter braucht das Land (Ausnahmen von dieser Regel gibt's natürlich auch).
Und die Verwaltungsabteilungsleiter der Ministerien ("die ALZ") stehen genau zwischen den beiden Sichtweisen: Überhang aus Haushaltssicht sollen sie vermeiden, zumindest dem Finanzministerium personenscharf melden; Überhang aus Aufgabensicht gibt es gar nicht, so sehen es die Fachverantwortlichen und viele, viele Mitarbeiter. Über die Politiker und ihre Position zu diesem Spannungsverhältnis ließe sich auch so manches sagen: Zwar muss gespart werden, aber wenn die Fachaufgabe "xy" Not leidet, dann muss doch …
Klarheit sollte herrschen. Wenn nicht feststeht, ob Überhang aus Haushalts- oder Aufgabensicht bestimmt wird, dann leiden darunter in erster Linie die Beschäftigten. Da aber unzweifelhaft feststeht, dass der Personal- und Stellenabbau in den nächsten Jahren unvermindert weitergehen wird, die Aufgabenkritik dieser Entwicklung aber nicht voranschreitet, sondern eher hinterherhinkt, sollten wir uns reinen Wein einschenken und uns dazu bekennen, dass Überhang in erster Linie rechnerisch aus Haushaltssicht bestimmt wird. Sobald dies geschehen ist, müssen wir uns bei den Fachaufgaben nach der Decke strecken. Und hierbei den konkreten "Überhang" nach den "überhängenden Nasen", die vielleicht dem unmittelbaren Vorgesetzten nicht so passen, zu bestimmen, darf schon gleich gar nicht sein. Sich im Überhang zu befinden, ist ja nichts Ehrenrühriges, wenn es letztlich nur Folge der Haushaltszwänge ist.

Volker-Gerd Westphal
MdF, Leiter der Stabsstelle für Verwaltungsmodernisierung und Personalmanagement


08.12.2006