Wird ein neues Medium unsere Arbeit zukünftig vereinfachen?
Gab es ein Leben vor Google?
Wie hätten Sie reagiert, wenn man Ihnen vor 20 Jahren gesagt hätte, dass es bald einen Computer gibt, so groß wie eine Schachtel Zigaretten, der alle Karten von Europa in sich trägt, und der alle Gebäude in Deutschland mit Straßenname und Hausnummer kennt.
Natürlich bestimmt dieser kleine Computer seine Position auf der Erde automatisch, und fast die komplette Oberfläche des Gerätes ist ein Bildschirm. Also ich hätte die Person als Spinner eingestuft. Nun, heute kann jeder einen PDA mit GPS Empfänger und Navigationssoftware für unter 400 EURO bei ALDI, Lidl, Netto und Co. erwerben. Heute haben viele PKW Navigationssysteme ab Werk oder gegen Aufpreis integriert. Heute sind digitale Karten und Daten – auch Raum- oder Geoinformationen genannt – Bestandteil des täglichen Lebens vieler Menschen, auch wenn sie es vielleicht nicht wissen.Die Anwendungsbereiche begrenzen sich heute für den privaten Nutzer, wie am Beispiel des PKW beschrieben, primär auf Navigation und Orientierung. Es gibt seit längerer Zeit diesen ominösen Begriff „location based services“, LBS abgekürzt. Man bezeichnet damit Standortbezogene Dienste, vor allem mit dem Handy. Ein Beispiel zum besseren Verständnis: Ich steige zum ersten Mal in München aus dem Zug und merke plötzlich, wie sich eine Magen- und Darmgrippe ankündigt. Unangenehm. Also suche ich möglichst schnell die nächste Apotheke, um Medikamente zu erwerben. Ich kenne mich in München nicht aus. Ich habe wenig Zeit. Ich benötige eine verlässliche Information. Ergo frage ich keine Personen, sondern nutze einen LBS-Dienst auf meinem Handy. Dieser bietet mir mehrere Apotheken an und führt mich zur erwählten.
So ein Handy-Dienst kann Gold wert sein.
Man könnte sich jetzt fragen: Warum nutzt man in seiner täglichen Arbeit nicht das Hilfsmittel „Geoinformation“, also Dienste auf digitalen Karten und Daten? Im privaten Leben hat es sich längst bewährt.
Die Antwort ist einfach. Wir nutzen bereits Geoinformationen. Das Autobahn-Mautsystem des Bundes ist so ein System. Die Internetwache der Brandenburgischen Polizei nutzt zukünftig digitale Karten. Das Planungs-Informationssystem des MIR nutzt seit langem Geodaten. Die Landesvermessung (LGB) vertreibt Karten und Geodaten online über das Internet, und stellt Dienste hierzu kostenfrei bereit. Wir befinden uns am Anfang einer neuen Ära, in der allgemeine Daten und Prozesse fast jeder Verwaltung mit raumbezogenen Informationen besser veranschaulicht, oder Prozesse selbst optimiert werden können.
Prozessoptimierung ist ein langweiliges Wort. Die Redaktion sagte mir, wenn ich das Wort zwei mal im Beitrag verwende, ist dieser zu langweilig und zu fad. Gut ich nenne das Wort nicht mehr, zeige aber zwei Möglichkeiten der täglichen Arbeit auf, nach einer nicht exakt lokalisierbaren Person via Software zu suchen.
Die bisherige Methode zeigt die Eingabefelder Name, Straße, Hausnummer, PLZ und Ort, und meint: „Viel Spaß in der nächsten halben Stunde bei der nervenden Recherche“.
Eine mögliche zukünftige Variante bietet zusätzlich eine landesweite Karte mit beliebigen Daten und Informationen aller Verwaltungen und meint: „Eine geschickte Kombination der Informa-tionen beendet die Suche in Sekunden“.
Oder philosophisch:
Gab es ein Leben vor Google?
Die Kunst wird zukünftig darin bestehen, jedem Mitarbeiter eine einfach verständliche Anwendung zu bieten, das neue Medium „Raum“ in seine Arbeit möglichst effizient zu integrieren.
eGovernment ist das Schlagwort für die tägliche Arbeit. Die Geodaten-Infrastruktur Brandenburg (GIB) das Schlagwort für den Raum.
Weitere Informationen zur GIB erhalten Sie unter http://www.gib-portal.de.
[ michael Dreesmann ]
michael.dreesmann@geobasis-bb.de
13.10.2005

Seite drucken