format_B

Impressum | SiteMap
Ministerpräsident Platzeck und Jugendliche

Brandenburg – ein Land des langen Lebens?

„Ohne Kinder gibt es keine Zukunft“ und „Wir müssen das Altern lernen“ waren zwei wichtige Botschaften unseres Ministerpräsidenten Matthias Platzeck an die mehr als 250 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auf dem 1. Brandenburger Demografiekongress, den die Staatskanzlei am 1. Juni 2005 in Potsdam in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung veranstaltet hat.

Unter dem Motto „Demografischer Wandel in Brandenburg - Erneuerung aus eigener Kraft“ zeigte die Landesregierung Lösungen auf für das brennende Zukunftsproblem Brandenburgs, das sich in dem kürzlich vom Kabinett verabschiedeten 2. Demographiebericht widerspiegelt: dem Land fehlen die Kinder! Die niedrige Geburtenrate, die Abwanderung in den Westen und in die Metropolenregion und die Tatsache, dass die Menschen immer älter werden, verändern die Gesellschaft mit dramatischen Folgen für alle Lebensbereiche. Matthias Platzeck forderte deshalb, rechtzeitig gegen zusteuern und die kinder- und familienfreundliche Politik im Land zu verstärken, damit wieder mehr Kinder geboren werden. Er sprach sich u.a. für eine neue „Volkszählung“ zur Aktualisierung der Statistiken, für ein steuerliches Familiensplitting anstelle des Ehegattensplitting, eine gesicherte Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr und für ein einkommensabhängiges Elterngeld aus. Außerdem rief er dazu auf, eine positivere Einstellung zum Altern zu gewinnen. Japan werbe für sich als „Land des langen Lebens“, während wir von Vergreisung sprechen und die Senioren noch nicht als „Aktivposten“ unserer Gesellschaft im Sinne einer neuen Solidarität zwischen den Generationen begriffen haben. Es gelte alle Chancen, die eine Gesellschaft bietet, selbstbewusst zu nutzen.
Dr. Johannes Meier, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, knüpfte mit seinem Impulsvortrag an dieses Dilemma zwischen Erkenntnis und Konsequenz an, und warb für ein Leitbild, das neben einem neuen Altenbild und Generationengerechtigkeit vor allem differenzierte Anpassungsstrategien und bürgerschaftliches Engagement beinhalten müsse.
Die Chefredakteurin der TAZ, Bascha Mika, forderte pragmatische, lokale Lösungen: in dünn besiedelten Regionen sei das Privatauto ökologischer als der Linienbus, der Anschlusszwang an nicht ausgelastete Versorgungsnetze sei in Frage zu stellen. Der Rückbau der Daseinsvorsorge müsse aber Hand in Hand gehen mit mehr bürgerlichem Engagement jedes Einzelnen.
In der sich anschließenden Diskussion im Plenum sowie in vier Arbeitsgruppen wurde deutlich, dass ein allgemeiner Mentalitätswandel (mehr Eigenverantwortung – weniger Staat – mehr Freiräume) mit kleinen Schritten, projiziert auf einen längeren Zeithorizont (25 bis 30 Jahre), eingeleitet werden muss. Das erfordere eine gesamtgesellschaftliche Diskussion, Geduld und gute Ideen. Lernen können wir dabei von den nordischen Ländern, wie Frau Dr. Gerda Neyer vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung Rostock mit einer äußerst interessanten Analyse bewies. Im Gegensatz zu Deutschland haben Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen es durch eine langfristig angelegte Familien- und Arbeitsmarktpolitik geschafft, auch bei erwerbstätigen Frauen die Geburtenrate hoch zu halten sowie bei Frauen mit höherem Einkommen und höherem Bildungsstand die Erstgeburten und Zweitgeburten zu steigern. Zu nennen sind insbesondere eine um- fassende zentrale Kinderbetreuung, einkommensabhängiges Elterngeld und flexible, pro Elternteil bis zu 60 Tagen dauernde Pflegezeiten bei Erkrankung des Kindes.
Alle Kongress-Teilnehmer waren sich am Ende einig, dass die Politik gefordert ist, ein ressortübergreifendes, prozessorientiertes Gesamtkonzept mit klarer Prioritätensetzung zu entwickeln. Warum sollte Brandenburg mit klaren Zielen nicht an die Erfolge anderer Länder anknüpfen können?

Hannelore Masche ]
hannelore.masche@mi.brandenburg.de

13.10.2005

Logo format_B

siehe auch

Ausblicke...