Arbeit, Kinder und Familie
Interview mit Dagmar Ziegler, Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie
Frau Ministerin, die neue „Führungsmannschaft“ steht. Aus der ehemaligen Finanzministerin ist die Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie geworden. Welche Schwerpunkte setzen Sie sich für die neue Aufgabe?Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie - der Name dieses Ministeriums ist Programm.
Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meines Hauses will ich Politik gestalten, die zur Stärkung der Zukunftsfähigkeit Brandenburgs beiträgt und ich will diese Politik mit dem Gesicht zum Volk vermitteln. In Zeiten immer knapper werdender Mittel kein leichtes Unterfangen. Aber ich bin eine Kämpfernatur und weiß eine qualifizierte und engagierte Mannschaft an meiner Seite.
Brandenburgs Zukunftsfähigkeit hängt davon ab, wie es uns gelingt, dass Menschen hier im Lande Arbeit finden und ein Zuhause für ihre Familie schaffen können, dass sie auch im Alter und bei gesundheitlichen Problemen Hilfe erreicht. Junge Leute sollen in Brandenburg eine Perspektive haben. Darauf müssen wir den Einsatz der Instrumente und Programme der verschiedenen Arbeitsbereiche im Ministerium richten.
Außerdem werde ich mich dafür stark machen, dass mehr Aufgaben und Mittel gebündelt werden und ressortübergreifend Probleme nicht nur benannt sondern auch gemeinsam gelöst werden.
Arbeitsmarktpolitik, Frauen-, Gleichstellungs- und Familienpolitik sind Querschnittsaufgaben, die nur im Mannschaftsspiel gestaltet werden können. Dabei will ich eine engagierte und kämpferische Spielführerin sein.
Der Koalitionsvertrag schreibt für Ihr Haus den neuen Namen Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie vor sowie die Einsparung einer Abteilung. Die „Frauen“ kommen im Ministeriumstitel nicht mehr vor. Wie wollen Sie diesem Politikfeld Ihres Hauses weiterhin den erforderlichen Spielraum einräumen?
Frauen- und Gleichstellungspolitik bleibt weiterhin ein Schwerpunkt meiner Politik, ist für mich im wahrsten Sinne des Wortes Chefsache. Dafür stehe ich auch als Landesgleichstellungsbeauftragte. Mit der Umstrukturierung und Neuorganisation innerhalb meines Hauses soll Frauen- und Gleichstellungspolitik künftig besser mit allen Fachbereichen meines Hauses und der anderen Ressorts verknüpft werden.
Die Aufgaben der bisherigen Abteilung „Gleichstellung, Frauen und Familie“, die Inhalte, fallen nicht weg sondern werden in veränderten Strukturen in meinem Hause umgesetzt. Von diesem Umbau verspreche ich mir auch zusätzliche Synergieeffekte. Welche Strukturen dafür am günstigsten sind, darüber wird zurzeit in meinem Ministerium beraten. Wir wollen da nichts auf die lange Bank schieben, aber auch nichts übers Knie brechen und zu gegebenem Zeitpunkt darüber entscheiden.
Wichtig sind Inhalte und nicht Strukturen.
Sie haben eine Stabsstelle für Strategisches Controlling eingesetzt. In Ihrem Geschäftsbereich (Landesamt für Arbeitsschutz ) nimmt eine Behörde am Modellversuch KLR teil. Zieht jetzt mit Ihnen als bisheriger Finanzministerin das betriebswirtschaftliche Denken in das MASGF ein? Verträgt sich diese Steuerung mit den Politikfeldern im sozialen und gesundheitlichen Bereich?
Gerne wird doch soziales Handeln gleich gesetzt mit gefühlsmäßigem Handeln und betriebswirtschaftliche Instrumente gelten als nüchtern und kalt. Ich bin dagegen überzeugt, dass das eine ohne das andere nicht gut funktionieren kann. Der größte Nutzen liegt in der sinnvollen Kombination. Politik ohne Gefühl würde in die Gefahr geraten, den Menschen nicht mehr zu sehen, aber ohne betriebswirtschaftliche Instrumente könnte die Gefahr einer Politik der persönlichen Vorlieben bestehen.
Auch in den Politikfeldern des MASGF ist es daher vernünftig, sich konkrete, in einem vorherbestimmten Zeitraum erreichbare Ziele zu setzen und regelmäßig nachzusehen, ob wir der Erreichung der Ziele näher kommen und welche Hemmnisse auf dem Weg beseitigt werden müssen. Auf der Basis möglichst objektiver Informationen wird es besser gelingen, die Schwerpunkte meiner Politik in der gerade begonnenen Legislaturperiode zu setzen und sie der Entwicklung in den kommenden Jahren anzupassen.
Mit einem vernünftigen Controlling wird es also leichter fallen, nicht nur das Richtige zu tun, sondern es auch zum richtigen Zeitpunkt für die richtigen Zielgruppen zu tun.
Controlling ist Sache der Leitung eines Ministeriums und deswegen ist die Stabsstelle auch der Hausleitung zugeordnet.
Sie haben sich für ein Team-Coaching ihrer „Führungsmannschaft“ stark gemacht. Was versprechen Sie sich davon für die zukünftige Arbeit?
Vom Team-Coaching verspreche ich mir einen großen Synergieeffekt. Von alleine wird aus den derzeit sieben Menschen, die die Leitung des Ministeriums ausmachen, nicht ein Ganzes. Das Team-Coaching ist die richtige Methode, sich mit den jeweiligen Stärken und Schwächen kennen zu lernen und verbindliche Regeln zu vereinbaren, damit die Zusammenarbeit möglichst reibungslos erfolgen kann. Und dann ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile.
Einen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll künftig die Wohnraumarbeit leisten. Wie wollen Sie diesen Ansatz unterstützen?
Als Mutter von zwei Kindern kann ich die Zwänge der Familien sehr gut verstehen. Unsere moderne Gesellschaft benötigt sowohl engagierte Mitarbeiter als auch harmonische Familienstrukturen als einen Punkt der Ruhe und Geborgenheit. Daher ist es mir u.a. auch wichtig, das Arbeitsmodell der Wohnraumarbeit für mein Haus wieder aufzugreifen.
Im MASGF wurde ein solches Projektmodell ja bereits getestet. Leider konnten die Vorbehalte in der Modellphase nur teilweise abgebaut werden. Das heißt aber nicht, dass wir die Wohnraumarbeit nun auf Dauer aufs Eis legen werden. Vielmehr werden wir uns überlegen, wie wir die Wohnraumarbeit zu breiterer Akzeptanz führen können. Und ich bin guten Mutes, dass auch die Beschäftigten meines Hauses, die eine solche Arbeitsform wünschen, bald wieder entsprechende Vereinbarungen abschließen können.
Ihre Beschäftigten werden dies sicher begrüßen. Werden Sie auch die flexiblen Arbeitszeitmodelle, die im MASGF schon seit einigen Jahren als Modellversuche getestet werden, weiterentwickeln? Dies erscheint im Hinblick auf sinkende Beschäftigtenzahlen konsequent.
Wir haben einen schwierigen Spagat zu vollziehen. Einerseits sind wir gezwungen unseren Personalbestand zu reduzieren. Gleichzeitig haben wir umfangreiche Aufgaben zu erfüllen. Hierfür suchen wir neue Lösungswege mit effizienten Strukturen. Flexiblere Arbeitszeitmodelle sind ein Beitrag. Sie können schwankende Arbeitsbelastungen ausgleichen und wirken sich gleichzeitig positiv auf die Arbeitsmotivation aus.
Die Zwischenbewertung des Modellprojektes zur gleitenden Arbeitszeit konnte dies für das MASGF bestätigen. Diese positiven Erfahrungen möchte ich nutzen. Als Arbeits- und Familienministerin sehe ich mich darüber hinaus in der Pflicht, positive Erfahrungen zu verstetigen und neue Wege zu ebenen. Hierzu zähle ich auch die Einrichtung von Jahres-Arbeitszeitkonten. Mit der Umsetzung des Sozialtarifvertrages, bei dem es bereits die Möglichkeit des Ansparens von Ausgleichstagen gibt, sind wir den ersten Schritt in diese Richtung gegangen. Die gesammelten Erfahrungen werden wir auswerten und für die Weiterentwicklung moderner Arbeitszeitmodelle nutzen.
29.12.2004

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