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Durchblick bei den Kosten

Neue Steuerung an den Hochschulen

Als neues Wundermittel bei der Verwaltungsreform gilt in der aktuellen Debatte die Einführung neuer Steuerungsmethoden. Sie sollen staatliche oder staatsbezogene Aufgaben effektiver und serviceorientierter lösen. Diese abstrakt definierten Ziele verwandeln sich beim Blick auf einzelne Steuerungselemente in konkrete Aufgaben.

Im ersten Schritt geht es um ein Mehr an Information. Um Schwachstellen aufzuspüren, benötigen die Reformer genaue Kenntnisse darüber, welcher Mitarbeiter welche Aufgaben wahrnimmt und wofür die Einrichtung die sächlichen Ressourcen einsetzt. Die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) schließt eine Lücke des kameralistischen Haushaltswesens: sie gibt darüber Auskunft, wo genau zu welchem Zwecke einzelne Kosten entstanden sind.

Was haben die Hochschulen nun mit neuen Steuerungselementen zu tun? "Gar nichts", wird der Verfechter der Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre antworten. Jede Orientierung an Wirtschaftlichkeitskriterien hemme die Entfaltung von Forschung und Lehre, so die Argumentation. "Eine ganze Menge" wird ein Controller dagegenhalten, dem es um den optimalen Einsatz vorhandener Personal- und Sachmittel geht. Im Spannungsfeld zwischen beiden Antworten steht die Hochschulverwaltung.

"Globalisierung" im Kleinen

Gegenwärtig werden schrittweise so genannte Globalhaushalte an den Brandenburger Hochschulen eingeführt. Für vier der neun Hochschulen sind anstelle einer Vielzahl von Einzeltiteln im Einzelplan des Wissenschaftsministeriums nur noch zwei Titel je Hochschule angesetzt. Die Hochschulleitungen übernehmen zusätzlich Verantwortung, sind zugleich aber unabhängiger bei der internen Mittelverteilung. Im kommenden Jahr wird der Kreis der "globalisierten Hochschulen" um die Fachhochschule Potsdam erweitert.

Erste Bausteine: Kostenarten- und Kostenstellenrechnung

Um zu einem gezielten und ausgewogenen Einsatz der begrenzten Ressourcen zu gelangen, bedarf es in einem ersten Schritt einer Verbesserung der Kostentransparenz. Genau dies leisten die ersten beiden Bausteine der KLR, die Kostenarten- und die Kostenstellenrechnung. Ein Kostenartenplan gliedert sämtliche entstehenden Kosten nach bestimmten Kostenarten, so dass beispielsweise die Leasingkosten für Fahrzeuge als eigene Kostenart erfasst werden. Der Plan darf dabei nicht zu sehr ins Detail gehen, wenn unnötiger Aufwand vermieden werden soll. Auch hier gilt die Verpflichtung auf die Wirtschaftlichkeit. Stets ist daher zu kontrollieren: Ist der Aufwand angesichts der gewonnenen Erkenntnisse angemessen?

Und der Aufwand ist enorm: allein die Anpassung der bislang verwandten Software und das Einlesen in den neuen Controlling-Baustein erweist sich als Mammutaufgabe. Dies auch deshalb, weil es sich bei den Programmen zur Einführung der KLR um experimentelle Software handelt, die speziell für Hochschulen entwickelt wurde. Die Universität Potsdam hat bereits einige Erfahrungen mit dem neuen System gesammelt und treibt das Projekt mit besonderem Einsatz voran.

Neues Servicedenken an den Hochschulen

Wissenschaft und Forschung erfordern einen sehr sensiblen Umgang mit leistungsorientierten Kriterien. So gibt es nur wenige objektive Indikatoren, die etwas über die Qualität von Forschung und Lehre aussagen können. Und doch haben die Kanzlerinnen und Kanzler an den Hochschulen Brandenburgs inzwischen umgedacht. Sie begreifen ihre Einrichtungen zunehmend auch als Dienstleistungseinrichtungen. Denn: Je besser eine Hochschule den Rahmen für ihre eigentlichen Aufgaben gestaltet, umso attraktiver wird sie als Studienstandort insgesamt.

Das neue Servicebewusstsein zeigt sich an den vielfach verbesserten Leistungen der Bibliotheken, beim Einschreiben oder bei der Rückmeldung. Die Zeiten, in denen Semester für Semester die Neulinge wochenlang die Flure vor den Immatrikulationsbüros verstopften, gehören in Brandenburg der Vergangenheit an. Bestes Beispiel für den Wandel sind jedoch die Internetauftritte der Brandenburger Universitäten und Fachhochschulen. Hier wird deutlich, dass ständig daran gearbeitet wird, den Studierenden noch bessere Angebote zu präsentieren. Sie wollen zeigen: es lohnt sich, bei uns zu studieren!

Brandenburger Hochschulen im Internet: www.uni-potsdam.de, www.euv-frankfurt-o.de; btu-cottbus.de; www.fh-brandenburg.de; fh-eberswalde.de; www.fh-lausitz.de; www.fh-potsdam.de; www.tfh-wildau.de; www.hff-potsdam.de

Philipp Riecken ]
philipp.riecken@mwfk.brandenburg.de

26.11.2001