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STS Schlüter

"Von nichts kommt nichts"

Mentoring-Initiative zur weiblichen Nachwuchsförderung

In der Wirtschaft sind Mentoring und Coaching längst gang und gäbe. Warum sollte das nicht auch in der Verwaltung funktionieren?

Hier wie dort geht es darum, Frauen größere Chancen einzuräumen und ihnen Mut zu machen für Leitungsfunktionen. Hier wie dort gibt es eine Fülle von Frauen, die wie die männlichen Kollegen ihre Aufgaben kompetent und mit hoher persönlicher Integrität erledigen. Doch hier wie dort bleiben viele gute Absichten auf halber Strecke liegen; so sind etwa auf den Führungsetagen von Großunternehmen Frauen ebenso selten anzutreffen wie in den Leitungsgremien der Länder-Ministerien. Nicht nur eine ungerechte, sondern geradezu eine paradoxe Situation in unserer aufgeklärten Zeit. Die Hälfte der Menschheit ist weiblich - dieser natürlichen Tatsache muss in allen gesellschaftlichen Bereichen auch ganz natürlich Rechnung getragen werden.

Doch von nichts kommt nichts. Eine über viele Jahrhunderte verfestigte Moral lässt sich nur allmählich auf Neues ein. Alle gut gemeinten Appelle verhallen ungehört, wenn man sie nicht mit tatsächlichen Aktivitäten untersetzt. Brandenburg tut das - und dafür hat die Landesregierung im Frühjahr die sog. "Mentoring-Initiative" ins Leben gerufen. Mit ihr wollen wir erreichen, dass Männer und Frauen gemeinsam erfolgreicher werden. Wir wollen mehr Frauen in Führungspositionen von Politik und Verwaltung bringen. Zwar hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, doch wir sollten uns damit nicht zufriedengeben. Und mit gesetzlichen Regelungen und Plänen zur Gleichstellung allein ist es nicht getan.

Ich denke, wir haben mit unserer Initiative Steine ins Rollen gebracht, die keinen Platz mehr lassen für Zurückhaltung. Als konkrete weibliche Nachwuchsförderung werden hier beruflich längst "gestandene" Frauen fit gemacht für höhere Funktionen in Landesverwaltung und Landespolitik. Ermutigung und Begleitung auf diesem Weg erhalten die "Mentees" von ihren Mentorinnen bzw. Mentoren, die führende Positionen in Politik und Verwaltung innehaben oder innehatten. Daraus soll sich eine aktive Zusammenarbeit entwickeln, die konstruktiv ist und sich auch als kritikfähig erweist. Die derzeit 36 "Tandems " von Mentorin bzw. Mentor und "Mentee" werden zwar kräftig und diszipliniert strampeln müssen, um neben ihrem großen täglichen Pensum auch diese zusätzlichen Aufgaben zu bewältigen. Aber ich bin sicher, dass es sich lohnt.

Überhaupt glaube ich, dass diese Rückkopplung von Erfahrungen das Wichtigste am Mentoring ist. Nicht Erziehen steht im Mittelpunkt, sondern Begleiten und Beraten. Gucken, was die andere macht, wie sie die täglichen Anforderungen in den Griff bekommt. Daraus entwickelt sich ein Lernprozess, der die "Mentee" befähigt, ihre Entscheidungen besser einzuschätzen und sie auf die beruflichen Pläne für den "höheren Job" abzuklopfen. Auf diese Weise werden Frauen auch vertraut mit wichtigen Netzwerken, zu denen sie ohne diese Unterstützung vielleicht keinen Zugang bekämen.

Ich bin ganz sicher, dass wir mit unserer "Mentoring-Initiative" Erfolg haben werden. Am Ende werden mehr Frauen als derzeit in Politik und Verwaltung an führender Stelle mitreden und die Gesellschaft kompetent und erfolgreich mitgestalten. Kompetenz und Erfolg sind schließlich keine von Männern gepachteten Eigenschaften; sie sind auch für Frauen typisch. Und das muss sich in allen Gremien auch widerspiegeln. Doch wir werden diese Forderung nicht immer wieder gebetsmühlenartig wiederholen, sondern sie selbstbewusster verwirklichen. Wenn mehr Frauen mit gestalten können wir endlich auch Dinge anpacken, die heute immer noch zu kurz kommen. Kein Zweifel, es wird uns und unseren Umgang miteinander verändern. Aber es wird uns allen gut tun.

Entnommen aus "betr.: Frauen" Nr. 19 des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen (gekürzt)

Margret Schlüter ]

26.11.2001