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Dr. Wilde

Die neue Qualität des Wirtschaftens

Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung an der TFH Wildau

Als Mitte der Neunziger Jahre die Nachfrage an technischen Studiengängen stagnierte, hat die Technische Fachhochschule Wildau reagiert und den Ablauf der Studiengänge neu gestaltet: Seit 1996 gibt es ein gemeinsames ingenieurtechnisches Grundstudium. Innovativ zeigt sich die Hochschule auch in anderer Hinsicht: Seit 2000 nimmt sie am Modellversuch Globalisierung teil.

Philipp Riecken sprach mit Frau Dr. Renate Wilde, Kanzlerin an der TFH Wildau, über die Folgen.

Wie ist es dazu gekommen, dass sich Ihre Hochschule bereit erklärt hat, am Modellversuch Globalisierung teilzunehmen?
Die strenge Kameralistik steht einem wirtschaftlichen Handeln teilweise entgegen. Wir haben den Modellversuch als Chance begriffen, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Durch die Globalisierung entstehen größere Freiheiten bei Titelverstärkungen als Folge außergewöhnlichen Ausgaben. Das ist angesichts knapper Haushaltsmittel ein unschätzbarer Vorteil. Darüber hinaus gerieten wir jedes Jahr - wie alle Behörden - in das sog. "Dezemberfieber". Die Globalisierung ermöglicht uns, aus diesem Rhythmus auszubrechen.

Können Sie Beispiele benennen, in denen sich diese Vorteile auswirken?
Denken Sie z.B. an Energiepreiserhöhungen, die sich in den Bewirtschaftungskosten niederschlagen - in einem solchen Fall kommen uns die besseren Möglichkeiten der gegenseitigen Deckungsfähigkeit der Titelgruppen unmittelbar zugute. Außerdem lassen sich größere Ausgaben über die Bildung von Rücklagen besser planen und durchführen.

Inwiefern bedarf es nach Einführung des Globalhaushaltes noch zusätzlich einer Kosten- und Leistungsrechnung?
Durch die Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung wird eine andere Qualität des Wirtschaftens ermöglicht. Es geht um den Aspekt des eigenverantwortlichen wirtschaftlichen Handelns. Wenn deutlich wird, wo die einzelnen Kosten entstehen, wird vielen der Kostenaspekt überhaupt erst einmal bewusst. Auch nach außen werden die Kosten transparenter.

Halten Sie die Erstellung einer Leistungsrechnung an Hochschulen überhaupt für durchführbar? Verträgt sich ein outputorientiertes Denken mit der Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre?
Leistungsbezogene Indikatoren sind auch im Bereich Forschung und Lehre möglich. Die Hochschulen sind gut beraten, sich frühzeitig mit dieser Frage auseinander zu setzen. Denn die leistungsabhängige Besoldung wird kommen. Die Indikatoren dafür können allerdings nur von denjenigen erstellt werden, die dafür die nötigen Kompetenzen besitzen. Professoren selbst müssen Kriterien für die Bewertung ihrer Leistungen entwickeln.

Wie kann eine Leistungsrechnung an einer Fachhochschule aussehen?
Teile einer Leistungsrechnung wurden bereits an der TFH Wildau eingeführt. Gemeinsam mit Herrn Lehne, dem Leiter des Sachgebiets Haushalt, haben wir eine Lehr-Verflechtungs-Matrix erstellt, um den Import und Export von Lehrleistungen zwischen den einzelnen Fachbereichen darstellen zu können. So wird die Belastung durch zusätzlich übernommene Lehraufgaben, etwa bei Seminargruppen aus anderen Fachbereichen, über einen Quotienten aus Ex- und Import ermittelt und durch zusätzliche Mittel entsprechend belohnt.

Und diese Mittelverteilung findet die Billigung der Professoren?
Soweit ich sehen kann, ja. Es wurde akzeptiert, dass wir gut nachvollziehbare Kriterien für die Mittelvergabe aufgestellt haben.

Sollten leistungsbezogene Elemente auch in der Verwaltung der Hochschule eingeführt werden? In jedem Falle! Letztlich müssen Forschung, Lehre und Verwaltung an einem Strang ziehen und kooperieren. Da kann es nicht angehen, dass unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden und in der Hochschulverwaltung das Gehalt allein über die Einstufung und das Dienstalter gesteuert wird. Eine wichtige Triebkraft ist immer die Bewertung der eigenen Leistung durch andere. Das trägt ungeheuer zur Motivation bei.

Frau Dr. Wilde, haben Sie vielen Dank für dieses Gespräch!


26.11.2001