„Schätze im märkischen Sand“
Bergbau und Bergbehörde in Brandenburg – inzwischen ein moderner Dienstleister
Im märkischen Sand steckt mehr als man denkt
Das oft als Streusandbüchse bezeichnete Land Brandenburg birgt eine Vielzahl von wirtschaftlich bedeutsamen mineralischen und energetischen Rohstoffen. In über 350 Bergwerksbetrieben werden Braunkohle, Kies und Sand, Kalkstein, Grauwacke sowie Erdöl und Erdgas gewonnen. Deutschlandweit werden mit Brandenburger Rohstoffen verschiedenste Industriezweige und bekannte Firmen wie Samsung Deutschland GmbH oder die Deutsche Bahn AG beliefert.Den bedeutendsten Bergbauzweig stellt die Gewinnung von Braunkohle dar. Aus drei Großtagebauen im brandenburgischen Teil der Lausitz wurden in den letzten Jahren ca. 45 Mio. t Rohbraunkohle gefördert, die Kraftwerken zur Stromerzeugung bzw. Veredlungsanlagen zugeführt wurden. Mit einem Beschäftigtenstamm von ca. 5000 Mitarbeitern zählt der Braunkohlenbergbau und die ihm nachfolgende Kraftwerkswirtschaft zu den wichtigsten Arbeitgebern der Lausitz.
Ebenfalls sehr bedeutend sind die Folgeaufgaben nach der Stillegung riesiger Bergbauflächen wie z.B. der Rückbau von Anlagen und Kraftwerken, die Stabilisierung der massiv gestörten Wasserhaushalte und die Überführung der ehemaligen Tagebaurestlöcher in die Lausitzer Seenlandschaft. Neben diesen berg- und umweltrelevanten Aufgaben ist die Bergbehörde zuständig für die Untergrundspeicherung von Gas, den Rohrleitungsbau von Gashochdruckleitungen, Energiefernleitungen und den s. g. Altbergbau.
Die Bergverwaltung des Landes Brandenburg ist außerdem zuständige Bergbehörde für das Land Berlin.
Der „Kunde“ im Blick
Die vielfältigen Bedürfnisse der Industrie, der Antragsteller und der Bürger waren auch auf Grund verschiedener externer Prüfungen u.a. im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung Anlass, die in den „Aufbaujahren“ bewährte Struktur den in Verwaltung und Industrie einsetzenden Veränderungen anzupassen. 2001 wurde so das Landesbergamt Brandenburg (LBB) aus dem nach der Wiedervereinigung errichteten Oberbergamt und den Bergämtern Rüdersdorf und Senftenberg gegründet.
Die nun umfassende Entscheidungskompetenz der gesetzesvollziehenden Bergverwaltung sichert dem Bergwerksbetrieb Service aus einer Hand. Die Organisationseinheiten des Landesbergamtes wurden auf die Bedürfnisse zugeschnitten, die Mitarbeiter in eine Abteilung Braunkohlenbergbau, eine Abteilung Sanierungsbergbau, eine Abteilung Steine- und Erdenbergbau/Sonstiger Bergbau und in eine Stabstelle (Recht und Zentrale Dienste) eingegliedert. Die Bergbauunternehmen erhielten so einen Ansprechpartner aus der Abteilung ihres Bergbauzweiges für das gesamte Genehmigungssegment.
Die berg- wie umweltrechtlichen Genehmigungsverfahren folgen fast vollständig den Organisationsstrukturen innerhalb der jeweiligen Abteilung. Das erspart Kommunikationswege zwischen den Verfahren, die Genehmigungen selbst können besser aufeinander abgestimmt, vereinfacht und ihre Anzahl ggf. verringert werden. Auch die Aufsicht über die Betriebsführung wird von der selben Organisationseinheit wahrgenommen.
Mit der Bildung der neuen Struktur wurden zugleich die ersten Stufen für die Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung gelegt. Inzwischen abgeschlossen ist die Ermittlung und Beschreibung der von der Bergverwaltung erarbeiteten Produkte. Die Ermittlung der Ergebnisse der Tätigkeit der Abteilungen (Produktanzahl) dient in erster Linie der Ressourcensteuerung (Personal- und Sachmitteleinsatz). Im Rahmen der Einführung von Qualitätsmanagementmethoden wurde das behördliche Handeln kritisch hinterfragt und modern fortentwickelt und z.B. für das Produkt „Bergrechtlicher Betriebsplan“ ein Handbuch im Sinne des Qualitätsmanagements erstellt.
Im Ergebnis der Prozesse um Qualitätsmanagement und Kosten-Leistungsrechnung steht heute auch das verstärkte teamorientierte Arbeiten.
Führung und Personal im Fitnessstudio
Das Personal ist die wichtigste und beste Ressource vor allem bei dem durchweg hohen Bildungs- und Ausbildungsstand der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Spezialisten in der Bergbauverwaltung.
Im Rahmen aufgabenkritischer Analysen wurden die Arbeitsabläufe im Landesbergamt systematisch untersucht, vereinfacht und zusammengefasst, entsprechende Dienstvorschriften verschlankt. Die Erstellung von Genehmigungen durch fachübergreifende Projektteams verbunden mit der Stärkung der Entscheidungskompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brachte den erwarteten Einfluss der Personalentwicklung auf die Organisationsentwicklung im Landesbergamt.
Die gestiegene Verantwortung, aber auch die gestiegene Arbeitsbelastung wird in halbjährlichen Mitarbeitergesprächen – künftig werden auch Zielvereinbarungen angestrebt – thematisiert. Arbeitszufriedenheit, Fortbildung und andere Motivationseffekte wurden und werden gezielt im Rahmen eines transparenten Personalmanagements mit dem Schwerpunkt Personalentwicklung gefördert.
Wohin des Wegs?
Der Bergbau im Land Brandenburg wird seine Position auf nationalen wie internationalen Rohstoffmärkten beibehalten bzw. ausbauen. Die allumfassend betreuende Bergverwaltung wird auch zukünftig durch kundenorientiertes Handeln den Industrieunternehmen und Bürgern dienstleistend zur Seite stehen.
Der laufende Prozess der Verwaltungsmodernisierung bietet die Chance, bei rückläufigen Personalressourcen eine optimale Kundenbetreuung aufrechtzuerhalten. Wünschenswert sind dabei flexiblere Instrumente und Möglichkeiten für den Personaleinsatz (um rascher auf Arbeitsspitzen reagieren zu können) und das konsequente Fortführen des Prozesses der Deregulierung.
[ Dr.-Ing. Klaus Freytag, amt. Präsident Landesbergamt Brandenburg ]
Klaus.freytag@lbb.brandenburg.de
05.11.2003

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