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Gedenkveranstaltung zum 70. Geburtstag Regine Hildebrandts: Unvergessen in Brandenburg

veröffentlicht am 26.04.2011
Regine Hildebrandt, die „Mutter Courage des Ostens“, bleibt eine der populärsten Persönlichkeiten Ostdeutschlands. Am heutigen 26. April wäre sie 70 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass kamen etwa 180 Weggefährten, Freunde und ihre Familie auf Einladung von Ministerpräsident Matthias Platzeck und Sozialminister Günter Baaske in die Staatskanzlei.

Zu den Gästen gehörten Vertreter von Einrichtungen, die den Namen Regine-Hildebrandt tragen. Darunter der 25-köpfige Kinderchor einer Cottbuser Grundschule. Ihr Lied „Danke Regine Hildebrandt“ hatte heute Premiere. Gezeigt wurden Filmausschnitte insbesondere zu Regine Hildebrandts politischem Leben in Brandenburg.

Ministerpräsident Platzeck stellte das „solidarische Miteinander“ als den Kern der politischen Arbeit Regine Hildebrandts heraus: „So war sie immer: Bescheiden und zurückhaltend, wenn es um ihre eigene Person ging. Aber fordernd und hartnäckig, um unser Land voran zu bringen. Es ging ihr nicht darum, die DDR zu verteidigen, sondern um die Rettung von Erreichtem, das jenseits aller Ideologie vor allem Eines sichern sollte: ein gerechtes, solidarisches Miteinander.“ Regine Hildebrandt habe in ihrer Kritik sehr deutlich werden können – und scharf, erinnerte Platzeck. Weichgespülte Sprechblasen seien ihr ein Gräuel gewesen. „Sie liebte das direkte Wort, aber nicht aus Kalkül. Sie konnte so direkt sein, weil ihr innerer Kompass unanfechtbar war. Haltung und Handlung bildeten bei ihr eine Einheit.“ Dabei sei Schicksal nichts gewesen, was die couragierte Regine als gegeben und unumstößlich angesehen hätte. „Schicksal konnte und musste man gestalten – nicht nur das eigene“, so der Ministerpräsident in Bezug auf seine ehemalige Kabinettskollegin. „Wenn man diese Grundauffassung von Regine verstand, dann verstand man auch, warum sie mit so großer Ausdauer für ihre politischen Ziele gekämpft hat.“ Platzeck zeigte sich überzeugt: „Wenn Regine heute noch einmal durchs Land fahren könnte, dann wäre sie sicher froh über unsere Gesundheitszentren und die „Netzwerke für Gesunde Kinder“, über die vielen Pflegeeinrichtungen und die modernisierten Krankenhäuser und über die Tatsache, dass das Wort ‚Miteinander’ im Koalitionsvertrag auf der ersten Seite steht.“ Für Platzeck zeigt sich das Erbe Regine Hildebrandts in Brandenburg nicht allein in vielen Ausstellungen, Schulnamen, Büchern und Preisen, die ihr gewidmet sind. „Wir haben auch ihren Mut zum Miteinander in Brandenburgs Zukunft mitgenommen!“, erinnerte der Ministerpräsident mit Blick auf Regine Hildebrandts unvergessene Worte kurz vor ihrem Ableben: ´Kinder vergesst nicht, der wahre Sinn des Lebens liegt im Miteinander´.

Minister Baaske betonte: „Regine Hildebrandt wollte es stets genau wissen. Ihr war es wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, hörte sich immer aufmerksam ihre Sorgen und Nöte an. Über 650.000 Kilometer fuhr sie als Ministerin quer durchs Land, machte Beschäftigten von gefährdeten Arbeitsplätzen Mut, besuchte Behindertenwerkstätten und Altenheime. Sie kämpfte gegen große Widerstände für den Erhalt der Polikliniken. Heute breiten sich die Gesundheitszentren als medizinische Versorgungszentren zu einer bundesweiten Erfolgsgeschichte aus. Auch die gute Pflegestruktur im Land verdanken wir zu einem Großteil ihr. Bis zu ihrem Lebensende war sie unermüdlich und selbstlos im Einsatz für all diejenigen, die Hilfe brauchten. Für uns alle ist sie ein großes Vorbild.“

Regine Hildebrandt wurde am 26. April 1941 in Berlin geboren. Die promovierte Biologin und Mutter von drei Kindern wurde im Herbst 1989 in der Bürgerbewegung aktiv und trat in die neu gegründete SDP ein. In der letzten DDR-Regierung unter Lothar de Maizière übernahm sie das Ministerium für Arbeit und Soziales. Von November 1990 bis Oktober 1999 leitete sie das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen des Landes Brandenburg. Regine Hildebrandt erlag am 26. November 2001 im Alter von 60 Jahren einem Krebsleiden. Heute tragen 17 Schulen, Gesundheits-, Senioren- und Sozialeinrichtungen den Namen „Regine Hildebrandt“. Auch das Gebäude des Sozialministeriums, in dem sie neun Jahre lang ihr Büro hatte, wurde 2009 nach ihr benannt. Jährlich zum Todestag würdigt die SPD mit dem „Regine-Hildebrandt-Preis“ Initiativen und Projekte für herausragendes Bürgerengagement.

Die beliebte Politikerin setzte sich schon früh für die Lebenssituation alter, behinderter und psychisch kranker Menschen in Brandenburg ein. Sofort nach ihrem Amtsantritt veranlasste sie eine Bestandsaufnahme der Pflege im Land. Mit einem Soforthilfeprogramm wurden erste notwendige Reparaturen durchgeführt und ambulante Pflegedienste in Trägerschaft von Wohlfahrtsverbänden aufgebaut. 1992 war auf ihre Initiative das Landes-Altenpflegeheim-Bauprogramm aufgelegt worden. Das sich anschließende 10-Jahre-Investitionsprogramm Pflege lief bis 2005. Baaske: „In dieser Zeit sind die Voraussetzungen für eine zeitgemäße Pflege geschaffen worden.“ Auch für die Interessen von Frauen und Kindern und ihren Schutz vor männlicher Gewalt setzte sich Regine Hildebrandt ein. Sie schuf die Grundlage für den Aktionsplan der Landesregierung zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt. Bei akuter Bedrohung bieten heute 23 Frauenhäuser in Brandenburg Zuflucht. Rund 500 Kinder und 600 Frauen finden dort jedes Jahr Schutz, Beratung und professionelle Begleitung auf dem Weg aus der Gewaltbeziehung. Regine Hildebrandt rief 1992 die Landesstiftung „Hilfe für Familien in Not“ ins Leben. Sie hilft Familien eine aktuelle Notlage zu beseitigen, wenn gesetzliche Ansprüche auf staatliche Leistungen nicht ausreichen. Bis heute wurden über 2,32 Millionen Euro an über 2.800 Familien vergeben, um zum Beispiel beim Kauf von Kinderbekleidung, Kinderzimmermöbeln und Haushaltsgeräten zu unterstützen.